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Geschichte
Neues Buch über archäologische Schätze aus dem Trierer Boden

Die Rekonstruktion zeigt die Innenansicht der „Südwestbasilika“.
Die Rekonstruktion zeigt die Innenansicht der „Südwestbasilika“. FOTO: Carsten Henschel, Trier
Trier. Eine Publikation von Professor Winfried Weber zu Grabungen im Bereich der Trierer Dominformation in den Jahren 2000 bis 2003 wird heute vorgestellt. In einem Gastbeitrag für den Trierischen Volksfreund erläutert der Trierer Archäologe die Hintergründe seines Werks.

Der in der Schriftenreihe der Trierer Domgrabungen erschienene dreiteilige Band über die Ausgrabungen in der Kurie von der Leyen und der Liebfrauenstraße beinhaltet die lange erwartete Vorlage und Auswertung der umfangreichen Baubefunde aus dem Südwest-Bereich der Domgrabungen. 1898 formulierte der englische Archäologe Pitt Rivers: „Eine Entdeckung zählt erst im Augenblick ihrer Bekanntmachung und nicht von der Zeit an, zu der etwas im Boden gefunden wurde.“

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen bieten Aufschlüsse über die Erweiterung der antiken Stadt mit ihren Wohnbauten, die im zweiten Jahrhundert errichtet wurden. Bemerkenswert sind sodann die zunächst bescheidenen Anfänge eines frühchristlichen Kirchenbaus aus dem zweiten Jahrzehnt des vierten Jahrhunderts. Diese kleine, dreischiffige Basilika mit rechteckigem Chorraum zählt zu den frühesten Kirchenbauten, wurde nur wenige Jahre später als die stadtrömische Bischofskirche, die Lateranbasilika, errichtet. Sie dürfte demnach die Bischofskirche des Agritius, den vierten Bischof Triers, gewesen sein.

Unter Bischof Maximin (329-346) wurde die Bischofskirche zu einer monumentalen Anlage erweitert, die zu den größten Kirchenbauten des 4. Jahrhunderts zählte. Die Basilika des Agritius wurde als südwestlicher Teil in diesen großen Kirchenkomplex einbezogen. Damit kommt diesem archäologischen Befund eine weit über Trier hinausweisende Bedeutung zu, und er liefert zudem wichtige Hinweise zur Entstehung des frühchristlichen Kirchenbaus.

Nach den Zerstörungen des fünften Jahrhunderts wurde die Südwestbasilika zunächst schwer beschädigt, ehe sie wie der gesamte Kirchenkomplex in der Mitte des fünften Jahrhunderts endgültig zerstört wurde. Während im Bereich des Domes und der Liebfrauenkirche der antike Kirchenkomplex im sechsten Jahrhundert wieder erneuert wurde, blieb hingegen der Bereich der Südwestbasilika als Trümmergrundstück liegen. Sehr bald entstanden hier zunächst kleine frühmittelalterliche Häuser, später Gebäude der Domkurien einschließlich ihrer Wirtschaftsgebäude bis hin zur heute noch erhaltenen, in der Barockzeit erweiterten Kurie von der Leyen.

Modell der frühchristlichen Kirchenanlage in Trier.
Modell der frühchristlichen Kirchenanlage in Trier. FOTO: Rudolph Schneider, Museum am Dom Trier

Diese faszinierende Bauabfolge ist nun in dem 457 Seiten umfassenden Textband mit detailliertem Befundkatalog und 240 Abbildungen ausführlich dargestellt, ergänzt durch einen Tafelband und einen Beilagenteil. Auf diese Weise sind nun die Ergebnisse der Ausgrabungen nachprüfbar und bieten der archäologischen Forschung reichlich Material für weiterführende Studien. Zugleich entsteht ein Bild einer durch die Jahrhunderte dauernden intensiven Nutzung eines Areals der Trierer Innenstadt. Außerdem ist der unter dem Gebäude der Dominformation konservierte Grabungsbereich ein bedeutendes Zeugnis des frühen Christentums in der ehemaligen antiken Kaiserresidenz.

Das Buch „Die Ausgrabungen in der Kurie von der Leyen und der Liebfrauenstraße [Südwest-Bereich] Teil 2 - Die Befunde, Die Trierer Domgrabung, Band 2.2., Trier 2018“ von Winfried Weber wird am heutigen Freitag um 18.30 Uhr im Museum am Dom vorgestellt.