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Stimmungsmacher mit Lampenfieber

Bandleader mit Sinn für Natur und spirituelle Orte: Funkis-Chef Werner Bodschard findet in der Natur Kraft und Entspannung. Foto: Cordula Fischer
Bandleader mit Sinn für Natur und spirituelle Orte: Funkis-Chef Werner Bodschard findet in der Natur Kraft und Entspannung. Foto: Cordula Fischer
EUREN. Im Karneval zieht Werner Bodschard mit den "Funkensängern" von Saal zu Saal, im Sommer von Bühne zu Bühne. Der 59-Jährige ist Bandleader der Trierer Kult-Gruppe, die sich seit 2000 "De Funkis" nennt, und steht seit Jahren aus Leidenschaft auf der Bühne. Außerdem leitet er seit drei Jahren den Eurener Kinderchor. ARRAY(0x1100e2fd0)

"Ich habe so viel durch die Musik erlebt. Musik hat mich auch aus den Tiefen des Lebens immer wieder herausgezogen", sagt Werner Bodschard. Seit 1965 schreibt der 59-Jährige mit "De Funkis" erfolgreiche Trierer Unterhaltungsgeschichte. Rollenspiele auf der Bühne

Musik und die Auftritte der Band seien für ihn eine gute Übung gewesen, als er noch als Betriebslehrer und Verhaltenstrainer bei der Deutschen Bahn berufstätig war. Rollenspiele gehörten zu seinem Lehr-Alltag. Auch auf der Bühne schlüpft der Band-Chef in verschiedene Rollen, "in denen ich aufgehe". Egal, ob er in seiner Parade-Rolle Adriano Celentano mit rauchiger Stimme mimt oder einen französischen Chansonnier mit schmelzendem Timbre. "Eigentlich bin ich ein ruhiger Typ, der gut zuhören kann. Auf der Bühne ist das aber ganz anders", beschreibt sich Bodschard. Zwei Herzen schlagen in seiner Brust. Der Gang auf die Bühne ist sein Ventil. Zwar sei er vor einem Auftritt "voll konzentriert", aber doch "manchmal unausstehlich", gibt der 59-Jährige zu. Denn dann wird der routinierte Musiker, der bereits mit 18 Jahren seinen Einstand bei den Funkis gab, nach über 40 Jahren Bühnenerfahrung immer noch vom Lampenfieber gepackt und zur "Rampensau". Neben der obligatorischen Stimmungsmache in der närrischen Zeit geht Werner Bodschard auch in Altenheime, wo er für die Senioren Musik von früher spielt. "Ich finde es toll, den alten Leuten die Vergangenheit zurückzuholen. Manchmal macht das sogar mehr Spaß als Karneval", bekennt Bodschard. Auch für Benefiz-Konzerte seien "De Funkis" immer zu haben: "Wenn man uns fragt, dann sind wir dabei. Aber ich möchte uns nicht anbiedern", sagt er. Sein musikalisches Talent erbte Bodschard nach eigener Aussage von seinem Vater. Bodschard lernte außerdem noch, Texte und Arrangements für verschiedene Instrumentalisierungen zu schreiben - "als Autodidakt". Idole waren für den jungen Werner die Beatles, in erster Linie allerdings die Beach Boys, die ihn durch den mehrstimmigen Gesang "vom Feinsten" faszinierten und beeinflussten. Arrangements schreiben ist auch eine der Aufgaben, die er vor drei Jahren mit der Leitung des Eurener Kinderchores übernommen hat. Die Bekanntschaft mit dem Eurener Pfarrer und sein Bekanntheitsgrad durch die traditionellen "Funkis"-Auftritte bei der Eurener Nachkirmes haben dazu geführt. "Ich bin der Meinung, ich muss von meinen guten Erfahrungen mit der Musik jetzt etwas zurückgeben", sagt Bodschard über sein Engagement. Weil sein Berufswunsch als Kind war, Volksschullehrer zu werden, gab es für den 59-Jährigen dann kein langes Überlegen. Die wöchentlichen Proben mit den sechs bis 13-jährigen Kindern gestaltet Bodschard immer unterhaltsam und lustig. "Es gibt aber auch schon mal eine gelbe Karte für Störenfriede", sagt der Chorleiter. Auftritte in der Kirche sind ein Teil der gemeinsamen Arbeit, für die Gospel-Songs mit deutschen Texten oder moderne Messen einstudiert werden. Aber Bodschard will die Eurener Kinder auch in anderer Weise schulen: Er übt mit ihnen Trierer Mundart, schreibt Lied-Texte und Gedichte um und arrangiert sie neu. Die Entwicklung der Kinder zu sehen, die in einigen Fällen rhythmische Probleme, sprachliche Defizite oder Koordinationsprobleme hätten, mache ihm Spaß, sagt er. Außerdem unternimmt Bodschard auch außerhalb der Proben einiges mit den Kindern.