| 17:07 Uhr

Konzert
Immer noch wild, immer noch ein Star

Billy Idol in der Rockhal.
Billy Idol in der Rockhal. FOTO: TV / Schramm, Johannes
Esch/Alzette. Billy Idol bringt die Rockhal – nach Anlaufschwierigkeiten – ins Schwitzen. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Nichts ist einfacher, als einem alternden Rockstar sein Altern vorzuwerfen. Die einst rebellischen Posen – bei Billy Idol (62) die wütend geschüttelte Faust und die motzig-rotzig hochgezogene Oberlippe – als bloß noch blutleere Zitate ihrer selbst zu beschreiben. Das grau- statt platinblonde Haar. Die locker sitzende Stoffhose, die die enge Lederhose in Rente geschickt hat, die in den 80ern zu Billy Idol gehörte wie eine zweite Haut. Sich lustig machen über den Vergleich zum Damals schafft schließlich Distanz zu der schmerzlichen Tatsache, dass nicht nur der Mensch dort oben auf der Bühne nicht mehr so jung und wild ist, wie man selbst es war, als man zu „Rebel Yell“ noch geschubst hat.

An diesem Abend halten in der Rockhal selbst die, die noch so aussehen wollen wie Rocker – Kutte, ihr dünner werdendes Haar zum Pferdeschwanz gebunden, das Portemonnaie mit einer dicken Kette an der Gürtelschlaufe verankert – ,lieber ihr Handy in die Höhe statt zu tanzen.

Aber da oben auf der Bühne steht immer noch ein Rockstar. Zusammen mit seinem legendären Gitarristen Steve Stevens (59) liefert Billy Idol ein klasse Konzert und eine tolle Show. Anfangs muss sich die Band noch ein bisschen warmspielen in der nur halbvollen Halle. Bei „Dancing with myself“ hat Billy Idols Stimme aber ihren typisch düster-hohlen Klang gefunden, der sich nicht mit der Musik verwebt, sondern seltsam losgelöst davor hallt. Die tiefen, dunklen Töne liegen ihm ohnehin mittlerweile deutlich besser als die hohen Lagen. Aber Timing und Gefühl stimmen. Und spätestens bei „Eyes without a Face“ ist auch das Publikum heiß.

14 Lieder stehen auf der Setlist des ziemlich exakt eineinhalb Stunden dauernden Konzerts. Dazu wechselt Billy Idol sechs Mal die Lederjacke und Stevens (enge Samthose mit Rosenmuster, Brokatweste, toupiertes tiefschwarzes Haar, bleicher Teint und blutrote Lippen) mindestens ebenso oft die Gitarren. Überhaupt bringt sich Stevens gebührend ein: Bei seinen zehnminütigen Soli – mit spanischen Klängen über klassische Rock’n’Roll-Riffs bis zu Anleihen an typische James-Bond-Melodien (vor „Don’t need a Gun“) gibt Stevens alles – und Billy Idol die Gelegenheit, sich währenddessen hinter der Bühne kurze Auszeiten zu gönnen. Vielleicht auch, weil er an diesem Montagabend schon etwas angeschlagen ist von dem Virus, wegen dem er am gestrigen Dienstag sein Konzert in Regensburg kurzfristig absagt.

„White Wedding“ und das textlich ziemlich sinnfreie, aber so sexy „Mony Mony“ bringt er in der Rockhal aber noch als energiegeladene Zugaben auf die Bühne – und damit den Beweis: Billy Idol ist nicht mehr jung, aber immer noch wild. Und ganz sicher ein Rockstar.