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Protest
Seebrücke-Demo in Trier: „Flüchtlinge willkommen!“

FOTO: Christiane Wolff
Trier. Bündnis Seebrücke: Rund 400 Menschen ziehen durch die Trierer City. Sie fordern offene Grenzen und die Rettung von Flüchtlingen in Seenot. Von Christiane Wolff

Fahnen der Partei Die Linke, der Grünen, von Amnesty International und der Aktion Antifaschismus wehen über dem Demonstrationszug, als dieser sich an der Porta Nigra Richtung Viehmarkt in Bewegung setzt. Aber auch Ingeborg Rommelfanger ist dabei, 79 Jahre alt, beige Jacke, graue Haare, wasserblaue Augen. „Ich bin ganz bewusst hier um ein Zeichen zu setzen, dass ich nicht einverstanden bin, wie die Politik Angst schürt vor Flüchtlingen und vor Migration. Der Humanismus wird immer mehr missachtet. Und am meisten rege ich mich auf, wie die christlichen Parteien da agieren – dafür schäme ich mich richtig“, sagt die Triererin.

Rund 400 (nach Schätzung der Polizei) Menschen sind bei der Demo dabei. Das Aktionsbündnis Seebrücke protestiert bundesweit dagegen, dass private Rettungschiffe, die Flüchtlinge, die auf dem Mittelmeer in Schlauchbooten Richtung Europa unterwegs sind, von staatlicher Seite bei ihrer Arbeit behindert werden. „Wir wollen zeigen, dass die politische Entscheidung, Grenzen zu schließen und Flüchtlinge im Stich zu lassen, nicht in unserem Namen geschieht“, sagt Veranstalterin Nadine Thurnburg. „Es darf nicht sein, dass wir so tun, als sei uns das egal. Überhaupt die Frage zu stellen, ob ertrinkende Menschen Rettung verdient haben, ist barbarisch“, sagt die junge Frau, die in Trier lebt und arbeitet.

Triers Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Elvira Garbes hält eine Ansprache an der Porta: „Es darf nicht sein, dass es Menschen gibt, die andere einfach ertrinken lassen!“, sagt sie. Und: „Für alle ach so besorgten Bürger, Rechte und Nazis habe ich noch eine Botschaft: Das ist nicht euer Land! Das sind nicht eure Straßen! Da könnt ihr noch so oft brüllen ,Wir sind das Volk’ – ihr seid es nicht!“, ruft die Grüne.

Am Viehmarkt, der am frühen Freitagabend in das Licht der milden Spätsommersonne getaucht ist, gibt es eine Zwischenkundgebung, bevor der Zug sich durch die Brotstraße zurück Richtung Porta bewegt.

„Wir werden weiter auf die Straße gehen – solange, bis sich die Situation für die Flüchtlinge verbessert“, kündigt Veranstalterin Thurnburg an. Einen Termin für die nächste Trierer Seebrücke-Demo stehe allerdings noch nicht fest.

Zu Zwischenfällen kam es bei der Demo am Freitagabend zumindest bis zum frühen Abend nicht. „Alles ruhig“, sagte die Polizei auf TV-Nachfrage. Gegendemos seien nicht angemeldet gewesen.