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Sicherheit
Minenfund am Moselufer: Auch zweiter Sprengkörper hat keinen Zünder

Als unser Foto entstand, waren die Arbeiten neben dem Gelände  der Jugendherberge in Trier-Nord noch in vollem Gange. Wegen der Sprengstofffunde  ruhen sie derzeit.
Als unser Foto entstand, waren die Arbeiten neben dem Gelände  der Jugendherberge in Trier-Nord noch in vollem Gange. Wegen der Sprengstofffunde  ruhen sie derzeit. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Bei der am Freitag bei Bauarbeiten am Trierer Moselufer gefundenen Panzermine fehlte der Auslöser. Ebenso wie der Sprengkörper, der bereits am Montag voriger Woche dort gefunden wurde, ging von der Munition wohl nur eine sehr geringe Gefahr aus. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

Die Bagger stehen still auf der Großbaustelle am nördlichen Moselufer von Trier. Grund sind zwei Sprengstofffunde: Am Montag und am Freitag voriger Woche waren dort Panzerminen aus dem Erdreich gegraben worden (der TV berichtete).

Auf TV-Nachfrage erklärte Horst Lenz, Leiter des rheinland-pfälzischen Kampfmittelräumdienstes (KMRD) gestern: „Genau wie bei der am Montag voriger Woche gefundenen sogenannten Anti-Tank-Mine fehlte auch beim Fund vom Freitag der Zünder.“ Dass eine zünderlose Mine ohne weiteres explodiere, wenn sie von einer Baggerschaufel getroffen wird oder ein LKW darüber fährt, sei sehr unwahrscheinlich. Der Munitionskörper könne zwar grundsätzlich auch ohne die ursprüngliche Zündvorrichtung gesprengt werden. „Aber dafür muss die Mine dann auf hartem, festen Untergrund liegen und man müsste schon ganz gezielt und sehr intensiv auf sie einschlagen“, sagt Lenz. Das dass zufällig passiere, sei so gut wie ausgeschlossen – unmöglich allerdings nicht.

Die Bauarbeiten hat die Stadt als Besitzer des Geländes und Auftraggeber der Arbeiten vorerst gestoppt. Sichergestellt werden soll, dass sich in dem Hang vom Hochwasserdeich zum Moselufer nicht weitere Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg verbergen. „Bevor die Bagger wieder rollen, wird die ganze Baustelle erst einmal komplett sondiert“, erklärt Rathaus-Pressesprecher Ernst Mettlach. Die Untersuchungen beginnen voraussichtlich nächste Woche. Wie lange die Baustelle gesperrt bleiben müsse, hänge davon ab, was die Experten des Kampfmittelräumdienstes finden. „Im günstigsten Fall können die Arbeiten nach einer Woche in vollem Umfang weitergehen“, prog­nostiziert Mettlach. Sobald einzelne Abschnitte des rund 600 Meter langen Baufelds zwischen Jugendherberge und Nordbad fertig untersucht seien, könnten auf diesen die Arbeiten allerdings auch Stück für Stück schon vorher wieder aufgenommen werden. Das komplette Gelände war bereits vor Beginn der Bauarbeiten auf mögliche Sprengkörper untersucht worden, bestätigt Mettlach. Die beiden vorige Woche gefundenen Minen sind dabei allerdings offenbar übersehen worden.

Wie die amerikanischen Panzerminen aus dem Zweiten Weltkrieg an den Fundort am nördlichen Moselufer kamen, ist unklar. Möglich sei, dass sie von der Mosel bei Hochwasser angeschwemmt wurden, schätzte ein Mitarbeiter des KMRD vorige Woche. Die US-Kampftruppen waren im Herbst 1944 bis an Sauer und Saar vorgedrungen und hatten dort zum Schutz vor den deutschen Truppen Minenfelder gelegt. Bei einem Hochwasser könnten die Minen von dort mitgerissen worden sein.

Im Frühjahr 1945 rückten die US-Truppen in Trier ein und bewegten sich auch am Moselufer. Möglich, dass dabei dort ein Minenband zum Schutz vor dem Feind gelegt wurde.