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Stadtrat
Breite Allianz fürs Trierer Stadttheater

Bis zur Sanierung des Trierer Stadttheaters sind noch eine Menge dicker Brocken aus dem Weg zu räumen. Eine feste Marschrichtung hat der Stadtrat aber in seiner jüngsten Sitzung eingeschlagen. Foto: Friedemann Vetter
Bis zur Sanierung des Trierer Stadttheaters sind noch eine Menge dicker Brocken aus dem Weg zu räumen. Eine feste Marschrichtung hat der Stadtrat aber in seiner jüngsten Sitzung eingeschlagen. Foto: Friedemann Vetter FOTO: Friedemann Vetter
Trier. So viel Einigkeit herrscht selten im Trierer Stadtrat: Geradezu euphorisch stimmte das Gremium den abgespeckten Sanierungsplänen für das Drei-Sparten-Haus zu. Die FDP goss zumindest tropfenweise Essig in den süßen Wein. Von Christiane Wolff
Christiane Wolff

50, 70, gar 100 Millionen: Das waren die Summen, um die es in den vergangenen Jahren in Sachen Trierer Theatersanierung ging. Nun soll die Sache pragmatisch und möglichst kostengünstig angegangen werden (der TV berichtete, siehe Info).

Wie viel billiger das wird, steht zwar noch nicht fest. Doch angesichts des bisherigen Horrorszenarios leuchten die Vorschläge, die Kulturdezernent Thomas Schmitt am Donnerstagabend dem Trierer Stadtrat präsentierte, hell. So hell, dass der Rat nahezu euphorisch gestimmt grünes Licht gab.

Elisabeth Tressel (CDU) erklärte: „Der neue Sanierungsvorschlag befolgt die Grundsätze von Sparsamkeit und Bescheidenheit. Das Theater wird so auf einen zukunftsorientierten Weg geführt.“

Carola Siemon (SPD) führte aus: „Ein benachbarter Anbau ist bereits jahrelang Wunsch der Tufa, die unter akuten Platzproblemen leidet. Auch die Nutzung der Europäischen Kunstakademie war immer mal wieder im Gespräch. Das man auf diesen Zug jetzt wieder aufspringt, ist gut!“

Auch Petra Kewes von den Grünen lobte die abgespeckte Sanierungspläne, forderte aber auch, dass die Verwaltung genaue Raum- und Kostenpläne noch vorlegen müsse. „Dass auf den Neubau eines Kammerspielorts verzichtet wird begrüßen wir ansonsten ausdrücklich! Von Träumen, die man nicht realisieren kann, muss man sich verabschieden“, sagte Kewes.

Hermann Kleber (UBT) griff den für Sommer 2020 geplanten Umzug der Theaterwerkstätten in den Energie- und Technikpark der Stadtwerke heraus – mit dem möglichst zeitgleich die Auslagerung des Theaterbetriebs in den geplanten Neubau neben der Tufa verlegt werden soll. „Der Zeitplan ist ambitioniert, aber realistisch. Wir sehen der Sache mit froher Erwartung entgegen!“

Auch Theresia Görgen (Linke) lobte: „Ein Hinterfragen alter Wahrheiten, eine Prise Kompromiss und Ähnliches hat zu diesen guten Ergebnissen geführt, durch die ein nahezu nahtlos durchgängiger Spielbetrieb gesichert sein könnte. Die beteiligten Dezernenten und Ämter haben gute Arbeit geleistet!“

Michael Frisch (AfD) deutete an, dass seine Partei angesichts der reduzierten Sanierungspläne auf den angedrohten Bürgerentscheid über die Zukunft des Theaters verzichten werde. „Das Theater ist jetzt auf einem guten Kurs.“ Auch, wenn er dem geplanten Neubau neben der Tufa skeptisch gegenüber stehe: „Grundsätzlich bekennen wir uns zum Erhalt des Theaters – die Diskussion über einen Drei-Sparten-Betrieb darf da allerdings weiter kein Tabu sein.“

Bei aller Freude darüber, dass die Sanierung offenbar auch günstiger und einfacher ginge als bislang gedacht, dürfe nicht vergessen werden, dass das Trierer Theater weiter in einer strukturellen Krise stecke, mahnte Tobias Schneider (FDP) an: „Allen Sonntagsreden, die wir heute Abend hier gehört haben, zum Trotz: Wir müssen eine intensive Diskussion über die Strategie und Struktur unseres Theaters führen, um zu einer finanziell umsichtigen, maßvollen Theaterpolitik zu kommen.“

Kulturdezernent Thomas Schmitt (CDU) parierte die Kritik von FDP-Chef Schneider: „Wir haben 500 000 Euro weniger Ausgaben im vergangenen Haushaltsjahr als im Etat angesetzt – wenn das nicht das Ende der Krise sein soll, dann weiß ich nicht, was noch passieren soll? Ja, bei den Zuschauerzahlen ist noch Luft nach oben – aber da setzte ich große Hoffnung auf unseren neuen Intendanten und auf den ambitionierten Spielplan der nächsten Saison.“

Dass auf dem Weg zur Theatersanierung allerdings noch einige „große Brocken“ lägen, räumte Schmitt dennoch ein. „Das Theater wird den großen Konsens, der hier heute Abend im Stadtrat herrscht, daher auch in Zukunft dringend weiter benötigen!“, forderte der Dezernent  den Stadtrat zum Schulterschluss auf.