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Verkehr
Wenn der Schulbesuch zur Odyssee wird

Die Bushaltestelle „Sternfeld“ liegt außerhalb von Farschweiler an der L 151. Wer mit dem Bus Richtung Hermeskeil fahren möchte, kommt nur über eine Straße ohne Gehwege dorthin und muss zudem noch die gefährliche Landesstraße überqueren.
Die Bushaltestelle „Sternfeld“ liegt außerhalb von Farschweiler an der L 151. Wer mit dem Bus Richtung Hermeskeil fahren möchte, kommt nur über eine Straße ohne Gehwege dorthin und muss zudem noch die gefährliche Landesstraße überqueren. FOTO: Friedemann Vetter
Farschweiler/Hermeskeil. Aus dem Osburger Hochwald hagelt es Kritik an den Busverbindungen nach Hermeskeil, Trier und ins Ruwertal. Schulen intervenieren beim Kreis.
Albert Follmann

Die Ortsbürgermeister aus dem Osburger Hochwald sind nicht gerade als Revoluzzer bekannt. Doch nach dem Fahrplanwechsel im Busverkehr Mitte Dezember platzte den Ortschefs aus Farschweiler, Herl, Lorscheid, Osburg und Thomm der Kragen. Sie schrieben einen Brandbrief an die Verbandsgemeinde Ruwer. Die Busse rauschten fast nur noch an ihren Dörfern vorbei, so ihre Kritik. Es sei allerhöchste Zeit, dass die VG Ruwer die Verkehrsbeziehungen innerhalb der VG sowie nach Trier, Schweich und Hermeskeil analysiere und ein Verkehrskonzept erstelle.

Auch im Schülerverkehr habe sich die Situation verschlechtert. Das bestätigt Brigitte Neumann aus Farschweiler. Sie ist Mitglied des Schulelternbeirats der Integrierten Gesamtschule (IGS) Hermeskeil und hat gleich mehrere „Negativveränderungen“ seit Einführung des Winterfahrplans ausgemacht. So seien IGS-Schüler durch eine Vorverlegung der morgentlichen Fahrt bereits um 7.17 Uhr an der Schule. Eine Aufsichtspflicht gebe es erst ab 7.30 Uhr. Die etwa 30 Schüler aus Farsch­weiler müssten im Bus stehen, weil er schon voll besetzt aus Osburg ankomme. „Ein Sicherheitsrisiko“, meint Brigitte Neumann. „Wenn in Hermeskeil die Tür aufgeht, muss man Angst haben, dass Schüler rausfallen, so eng geht es da zu.“

Den Schülern und anderen Fahrgästen aus Farschweiler wird auch zugemutet, die viel befahrene L 151 am Haltepunkt Forsthaus Sternfeld zu überqueren. Vor einigen Jahren war dort eine Schülerin bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Für viele ältere Mitbürger aus dem Dorf stelle der mehrere Hundert Meter lange Anstieg zur Haltestelle Sternfeld ein großes Hindernis dar, sagt Ortsbürgermeisterin Marion Jonas. Einen Bürgersteig gebe es nicht. „Wenn jemand schon einen Fahrer benötigt, um zur Bushaltestelle zu kommen, dann kann doch etwas mit dem ÖPNV nicht stimmen.“

Auch IGS-Schulelternsprecher Heinz-Peter Düpre (Neuhütten) beklagt fehlende Busverbindungen und eine mangelhafte Fahrplangestaltung. Damit Schüler nachmittags den Bus erwischen, müssten Lehrer sie teilweise früher gehen lassen. Zudem hält er den Fußweg, den die Schüler in der dunklen Jahreszeit vom Hermeskeiler Donatusplatz oder ab Sparkasse zur IGS in der Schulstraße machen müssen, für unzumutbar. Am 11. Dezember, so erinnert er sich, hätten Jugendliche morgens total durchnässt im Unterricht gesessen. Schüler der Berufsschule und des Gymnasiums sind nicht besser dran. Sie müssen zur Borwiesenstraße – bei Wind und Wetter.

Nicht nur die Fahrt nach Hermeskeil gleicht für die Schüler aus dem Raum Farschweiler/Osburg sowie aus den Orten Züsch und Neuhütten einem Abenteuer. Auch Kinder und Jugendliche, die Schulen in Trier besuchen, haben es seit dem Winterfahrplan schlechter getroffen. Nach der sechsten Stunde fahren Schüler um 13.20 Uhr ab Hauptbahnhof Trier zunächst bis nach Thomm, berichtet Brigitte Neumann. Dort müssten sie in einen anderen Bus umsteigen, der erst um 14.13 Uhr im wenige Kilometer entfernten Farschweiler ankomme. Früher habe es eine direkte Verbindung gegeben. Neumann: „Immer muss in Thomm umgestiegen werden, was abenteuerlich ist. Keinem ist klar, ob der Umsteigebus kommt oder ob er schon weg ist.“

Heute, Mittwoch, treffen sich Vertreter der Hermeskeiler Schulen, der Kreisverwaltung, des Schienenpersonennahverkehrs Nord (SPNV) und der Rhein–Mosel Verkehrsgesellschaft (RMV) im Kreishaus, um über die ÖPNV-Probleme im Hochwald zu sprechen. Dabei soll es auch um die Inbetriebnahme der Linie R 200 (siehe Info) und die geänderte Linie 202 gehen.

Laut Kreisverwaltung sind bisher 15 Beschwerden aus dem Raum Osburg bei ihr eingegangen. Man sei um eine Verbesserung der Situation bemüht. Dafür will sich auch Stephanie Nickels, die Bürgermeisterin der VG Ruwer, einsetzen.