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Anpacker mit grünem Daumen

Anpacker mit grünem Daumen

30 Jahre lang war Ferdi Bauer leidenschaftlicher Kommunalpolitiker in Oberehe-Stroheich - 26 davon als Ortsbürgermeister. Nun genießt er den politischen Ruhestand. Mit dem TV blickt er auf die lange Zeit zurück, in der es viele Telefonanrufe gab - und einen großen Glücksmoment.

Oberehe-Stroheich. Das Telefon klingelt nicht mehr so häufig. Das hat Ferdi Bauer sofort gemerkt. "Es ist schon ruhiger." Früher war das anders, da wählten die Einwohner von Oberehe-Stroheich sofort seine Nummer. Egal, ob ein Schlagloch auf einer Straße störte - oder ein Nachbar seinen Schnee einfach vor eine andere Auffahrt schippte.
30 Jahre lang war Bauer ein Kommunalpolitiker, der solche Probleme mit Verständnis und Geduld lösen wollte - 26 Jahre davon als Ortsbürgermeister. Ehrenamtlich. Seit einigen Monaten ist er im politischen Ruhestand. Und hat Zeit für andere Dinge. Auf seinem Schreibtisch liegt ein "kicker", in dem er am liebsten die Artikel über seinen Lieblingsverein 1. FC Kaiserslautern liest. Durch das Haus huschen neun Katzen. Und bald pflegt der Gartenfan mit seiner Frau wieder die Blumen und mäht den Rasen. "Ein komisches Gefühl war das neue Leben für mich am Anfang schon. Aber jetzt genieße ich es", sagt Bauer.
Der 72-Jährige hatte im vergangenen Jahr angekündigt, nicht mehr als Ortschef kandidieren zu wollen. So wie 2004. "Da habe ich mich noch einmal spät abends in meiner Wohnung von Mitgliedern des Rates überreden lassen, weil niemand die Nachfolge antreten wollte", erzählt er. Diesmal blieb Bauer aber hart - und Alois Mauren übernahm das Amt. "Ich bin froh, dass es mit einem guten Nachfolger weitergeht", sagt der Mann, der in Stroheich geboren ist, sein ganzes Leben lang in Stroheich gelebt hat und der Stroheich im Herzen trägt.
So war es kein Wunder, dass er sich für das Dorf engagierte. Erst als Wehrführer, von 1984 an im Gemeinderat - und vier Jahre später schon als Ortsbürgermeister. Besonders gerne denkt Bauer an einen Glücksmoment zurück. An den Umbau der alten Schule zu einem modernen Bürgerhaus. 2008 war das. Die Männer aus dem Dorf rissen die Wände des Gebäudes ein und ackerten monatelang. Bauer packte mit an, von morgens bis abends. "Niemand sollte mir vorwerfen, dass ich daheim auf dem Sofa sitze und die Schweinearbeit andere machen lasse", scherzt er. Das Ergebnis der staubigen Arbeiten: "Die Männer sparten 3500 Handwerker-Stunden ein. Die Frauen bewirteten uns mit heißem Kaffee, Brötchen, Teilchen und Waffeln. Der Zusammenhalt begeistert mich noch heute."
Froh ist Bauer auch, dass der Gemeinde nie das Geld ausging. "Wir haben halt nie mehr ausgegeben, als wir mussten." Für die Nöte, die klammere Dörfer haben, zeigt er Mitgefühl - und sieht darin ein Problem, um neue, motivierte Politiker zu gewinnen. "Ich musste mir nie die Frage stellen, ob ich einer 80-jährigen Frau einen Blumenstrauß zum Geburtstag schenken kann. Es ist nicht schön, wenn sich ein Ort das nicht mehr leisten darf." Geärgert hat ihn, dass das Dorf in seiner Amtszeit keinen Anschluss an das schnelle Internet geschafft habe.
Beruhigt ist Bauer hingegen, dass der Nachwuchs immerhin in Oberehe-Stroheich dem Gemeinderat treu ist. So wie er es immer war. "Ein Mann ist 21, ein anderer 23", freut sich der pensionierte Sparkassen-Mitarbeiter, der nun andere Ziele hat. Einen schönen Frühling, zum Beispiel. Dann kann er sich nämlich um den Garten kümmern. "Das ist mein größtes Hobby und macht mir Spaß", sagt Ferdi Bauer, der sich an das neue Leben nach der Politik gewöhnt hat. An an eines, in dem das Telefon nicht ständig klingelt.
Extra

Oberehe-Stroheich rechnet im Haushalt für 2015 mit einem Minus von 92 649 Euro. Um diesen Betrag schrumpft voraussichtlich das Eigenkapital der Gemeinde. Einnahmen von 430 431 Euro stehen Kosten in Höhe von 523 080 Euro entgegen. Investitionen planen die Orte in diesem Jahr nicht ein. flor