Blick in die Sterne als Touristenattraktion

Blick in die Sterne als Touristenattraktion

Mit Vorträgen und Führungen öffnet sich die Sternwarte auf dem Hohen List immer mehr für Besucher. Überlegungen für eine umfassendere touristische Nutzung sind noch nicht ausgereift.

Schalkenmehren. Wer als ortsunkundiger Besucher zur Sternwarte Hoher List möchte, darf die Abbiegung an der Kreisstraße 15 nicht verpassen. Danach führt ein Schotterweg zum Observatorium. Ein Parkplatzschild gibt Hilfestellung. Danach muss der Gast den ausgeblichenen "Besucher"-Schildern bis zum Haupteingang folgen.

Das Observatorium auf dem Hohen List, das vom Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn betrieben wird, wurde Anfang der 1950er Jahre gegründet. Weil durch die Stadtbeleuchtung der Himmel über Bonn immer heller wurde, lagerte man die Teleskope auf die Bergkuppel in die dunkle Eifel aus. Doch in den vergangenen Jahrzehnten ist auch der Himmel über Schalkenmehren und Daun immer heller geworden, so dass es nun neue Überlegungen für das Areal gibt.

Dr. Klaus Reif, Leiter des Observatoriums, bestätigt die Pläne zu einer Nutzungsverschiebung: "Langfristig soll die wissenschaftliche Arbeit auf ein Kernmaß zurückgefahren werden, so dass mehr auf den Tourismus gesetzt werden könnte."

Führungen mit rund 2000 Teilnehmern im Jahr



Auch Alfred Bauer von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Vulkaneifel mbH bestätigt, dass es zusammen mit der Verbandsgemeinde Daun Überlegungen gebe, inwiefern das Areal touristisch genutzt werden könnte. "Konkrete Ergebnisse gibt es da aber bislang noch nicht", sagt Bauer.

Aus diesem Grund geht die Sternwarte auch jetzt schon mehr in die Öffentlichkeit. Rund 2000 Besucher jährlich kommen laut Reif zu den wöchentlichen Führungen. Darunter seien oft Schulklassen, Vereine oder - speziell jetzt im Sommer - Reisegruppen. Reif: "Immer wieder kommen aber auch Leute aus der Umgebung, die gar nichts von uns gewusst haben." Zudem werden einmal im Monat Vorträge gehalten.

Mitgestaltet und -finanziert wird dies vom Förderverein, der sich vor fünf Jahren gegründet hat. Die knapp 60 Mitglieder fahren laut Reif einen jährlichen Erlös von rund 4000 Euro ein. "Davon haben wir zum Beispiel das Empfangspult angeschafft", erzählt Reif.

Gerade hat das Land Nordrhein-Westfalen als Eigentümer der Liegenschaften die Kuppeln, Türen und Fassaden der Sternwarte sanieren lassen. Statt trister Eternit-Platten sind nun Eifeler Bruchstein oder frischer, weißer Putz zu sehen. Die Kuppeln glänzen wieder im Sonnenlicht. Nur das bemooste "Besucher"-Schild zeugt noch von der Zeit, als Touristen auf der Sternwarte eher eine Seltenheit waren.

Weitere Informationen zu den Führungen oder Vorträgen unter Telefon 06592/982580.

Meinung

Nicht im eigenen Saft schmoren

Ein Anfang ist gemacht, die Sternwarte rückt mehr in die Öffentlichkeit. Wieso auch die wissenschaftliche Arbeit verstecken, wenn es für Besucher so viel Interessantes zu sehen gibt? Und genug touristisches Potenzial bietet das Observatorium mit seinem Alleinstellungsmerkmal in der Region auf jeden Fall. Dennoch sollte schnell eine Lösung gefunden werden, falls die Universität Bonn tatsächlich Teile ihrer derzeitigen Arbeit zurückfährt, damit die Gebäude dann nicht ungenutzt verfallen. v.schueller@volksfreund.de