Erst Turnhalle, jetzt Tartanbahn

Erst Turnhalle, jetzt Tartanbahn

Es gibt eine neue Wendung in der Diskussion, welche Sportstätte 2018 saniert werden soll. Ein Dauner Projekt hat nun gute Chancen - aber nicht das, das zunächst im Gespräch war.

Heinz Reifferscheid (76), obwohl nicht mehr selbst an vorderster Front aktiv, interessiert sich nach wie vor für das sportliche Geschehen in der Region. Schließlich war er über Dekaden führender Mann bei der Leichtathletik-Gemeinschaft Vulkaneifel (LGV) mit über 45-jähriger Trainerlaufbahn, lange Jahre Vorsitzender beim VfL Jünkerath und Vater der "Fair Play Arena" Jünkerath.

Vor allem dank seines Einsatzes und seiner Beharrlichkeit wurde die marode Sportanlage samt Umkleidegebäude in Jünkerath trotz Finanznot für rund eine Million Euro zur Wettkampf-Arena umgebaut, sodass dort wieder viele Schüler und Vereinsmitglieder Sport treiben können.

Zur aktuellen Diskussion, welche Sportstätte auf Platz eins der Prioritätenliste des Kreises gesetzt und somit im nächsten Jahr auf Vordermann gebracht werden soll, macht er sich auch so seine Gedanken.

Stand bislang der mit 2,6 Millionen Euro veranschlagte Neubau der Schulturnhalle als einziges Projekt auf der Vorschlagliste und galt daher als Favorit, wurden in der jüngsten Sitzung des zuständigen Jugendhilfeausschusses (JHA) des Kreises dagegen Bedenken laut (der TV berichtete); vor allem von Ausschussmitglied und Sportkreisvorsitzendem Friedbert Wißkirchen. Er sagte: "Eine Unterstützung dieses Antrags wäre ein totaler Bruch mit unseren Förderrichtlinien. Auch wenn Vereine und Gruppen die Halle abends nutzen, ist es doch eine Schulturnhalle, und die ist aus Schulbaumitteln zu finanzieren." Als weiteren Grund führte er die hohen Kosten an: "Wir haben jährlich etwa 200.000 Euro zur Verfügung. Bei solch einem Projekt wären die Mittel für drei, vier Jahre gebunden." Inzwischen bahnt sich für die Turnhalle eine andere Lösung an: Sie wurde als eines der zugesagten Projekte angemeldet, die im Fall einer geglückten Fusion Gerolstein-Hillesheim-Obere Kyll besonders gefördert werden.

Wißkirchen wiederum führte in der jüngsten JHA-Sitzung ein anderes Projekt ins Feld, das bislang wegen Abstimmungsproblemen zwischen Stadt und Verbandsgemeinde Daun aber gar nicht angemeldet worden war: der Umbau des Hartplatzes am Wehrbüsch in Daun zu einem Kunstrasenplatz. Daher wurde die Abstimmung einstimmig vertagt, denn normalerweise muss das Vorhaben, das der Kreis favorisiert, bis zum 15. November ans Ministerium nach Mainz gemeldet werden. Laut Kreisverwaltung ist die entscheidende Sitzung nun am 27. November - und es sei mit dem Land vereinbart worden, dass es reicht, wenn die Meldung unmittelbar danach erfolge.
Auch Heinz Reifferscheid hat sich schlaugemacht. Er teilt dem TV mit: "Ich habe mich noch einmal in Daun und Hillesheim umgesehen. Friedbert Wißkirchen hat recht, dass die Sanierung der Hillesheimer Turnhalle, so dringlich sie ist, ein Schulbauprojekt ist und bleibt. Die Entscheidung des Jugendhilfeausschusses ist also korrekt wie nachvollziehbar."

Nun kommt plötzlich ein weiteres - durchaus bekanntes - Projekt in die Diskussion: die Sanierung der gut 25 Jahre alten und daher arg in Mitleidenschaft gezogenen Tartanbahn um den Rasenplatz in Daun. Den will der TuS 05 Daun nun anstelle der Hartplatz-Umwandlung gefördert haben (siehe Extra). TuS-Vorsitzender Frank Wieber bestätigt das: "Wir haben kürzlich einen entsprechenden Antrag gestellt." Zudem solle das Umkleidegebäude auf Vordermann gebracht werden. Die Kosten im Fall einer Erneuerung der kompletten Tartanbahn beziffert Wieber auf "bis zu 400.000 Euro".

Das befürwortet auch Sportgröße Heinz Reifferscheid, denn "das Wehrbüschstadion war immer das leichtathletische Zentrum des Kreises". Aber: "Die Anlage wird von Jahr zu Jahr schlechter, es besteht dringender Handlungsbedarf - was angesichts von 25 Jahren Intensivnutzung völlig normal ist und von der Verbandsgemeinde Daun als Bauträger auch längst erkannt wurde." Leider tue sich aber nichts, weil es laut Reifferscheid zwischen der VG Daun und dem Kreis (die in der Trägerschaft des Kreises stehenden Kinder der Dauner Schulen sind Hauptnutzer der Anlagen) keine Einigung über eine Kostenaufteilung gebe. "Unter diesen Umständen gammelt leider eine der wichtigsten Sportstätten im Kreis vor sich hin." Er hofft daher, dass mit einer positiven Entscheidung im JHA "diesem unhaltbaren Kompetenzgerangel, das auf dem Rücken der Sport treibenden Jugend ausgetragen wird, ein Ende bereitet wird". Und auch TuS-Vorsitzender Wieber hofft - und zwar auf eine "Renaissance der Leichtathletik in der Vulkaneifel".

Meinung

Gute Zeiten für den Sport

Die Plätze in Hillesheim, Jünkerath und Kelberg sind top, in Gerolstein wird an der Leichtathletik-Anlage gearbeitet, in Hillesheim wird (bei glückender Fusion) eine Turnhalle gebaut, die Leichtathleten des Kreises können sich über eine neue Tartanbahn in Daun freuen, und für Fußballer und Schüler entsteht dank Sponsoren und Eigenleistung in Daun ein Kunstrasen. Noch ist das alles nicht fix, aber so viel Bewegung war lange nicht. Gute Zeiten für den Sport in der Vulkaneifel.

m.huebner@volksfreund.de


Extra

Hartplatz-Umwandlung ist auch Thema

Meldet sich zu Wort: die Vulkaneifeler Sport-Größe Heinz Reifferscheid.TV-Archiv/Foto: Fritz-Peter Linden. Foto: (e_pruem )

Obwohl es nun doch nicht beim Kreis zur Förderung vorgelegt werden soll, hält der TuS 05 Daun am Vorhaben fest, den Hartplatz am Wehrbüsch in einen Kunstrasenplatz umzuwandeln. TuS-Vorsitzender Frank Wieber sagt: "Wir wollen das Projekt 2018 stemmen, aber ohne staatliche Zuschüsse. Aus eigenen Mitteln und mithilfe von Sponsoren." Geschätzte Kosten: 400.000 Euro.