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Firmen öffnen den Gashahn

Firmen öffnen den Gashahn

Die von der Energieversorgung Mittelrhein (EVM) neu gebaute Erdgasleitung zwischen Hillesheim und Ahütte ist seit Dienstag offiziell in Betrieb. Erste Kunden und wichtigste Abnehmer sind dort die Familienbetriebe Wotan Zement und Müllerkalk.

Ahütte/Hillesheim. Am Ende geht es schneller als geplant: nach nur vier Monaten Bauzeit, Mitte Oktober, kann die EVM Vollzug melden. Ermöglicht hat dies ein neues Verfahren, das auf der 10,4 Kilometer langen Strecke eingesetzt wird. Ein Verlegepflug, gezogen von einer 17 Tonnen schweren Zugmaschine mit 480 PS, zieht in einem Schritt den Graben, verlegt die Leitung und verdichtet anschließend die Oberfläche.
"Dieses Verfahren reduziert die Kosten um annähernd die Hälfte, und es ist doppelt so schnell wie die Verlegung im offenen Graben", erklärt Marian Schmidt, der Leiter Netzservice West bei der EVM. Eine lange Strecke hat auch Jörg Ramcke, der kaufmännische Leiter beider Werke, in Kauf genommen: "Die Idee zu einer Gasleitung lag schon bei meinem Amtsantritt vor 20 Jahren auf dem Tisch", sagt er. "Doch da wir weit und breit keine Gasanbindung hatten, scheiterte der Plan immer an den Kosten."
Bislang sind die Kalköfen der Familienbetriebe mit Butan-Gas und Braunkohlestaub befeuert worden - angeliefert von LKW, die dafür jeweils eine Strecke von rund 100 Kilometern zurücklegen mussten. Die herkömmliche Herstellung von Kalk und Zement sei teuer, sagt Ramcke - jede Einsparung sei wichtig. Große Firmen, die "Global Player", könnten die Kosten an Energie, trotz ihres großen Bedarfs, niedrig halten. "Das schaffen mittelständische Betriebe wie Müllerkalk und Wotan Zement nicht."
Der kaufmännische Leiter betont, dass sich beide Firmen bewusst für die umweltschonende Variante Erdgas entscheiden, obwohl ein Einsatz von Kohle in den Brennöfen zurzeit kostengünstiger wäre. Doch: "Erdgas ist ein Energieträger, der langfristig und ökologisch sinnvoll ist."
In dieselbe Kerbe schlägt Bereichsleiter Marian Schmidt: "Immer mehr Industrieunternehmen setzen auf Erdgas", sagt er. "Mit innovativer Technik kombiniert ist Erdgas nicht nur umweltschonend, sondern auch preislich absolut konkurrenzfähig." Zeitgleich zur Gasleitung wurde ein Leerrohr für eine DSL-Leitung verlegt und von den an der Trasse liegenden Gemeinden finanziert: "Eine Option für die Zukunft", sagt Alois Reinarz, Üxheims Ortsbürgermeister.
Die von der EVM gelegte Leitung lässt für die anliegenden Ortsgemeinden noch eine weitere Option zu: Die Leitungstrasse führt über Berndorf, Kerpen, Leudersdorf und Üxheim nach Ahütte. Diese Orte können später ebenfalls an die rund zehn Kilometer lange Gasleitung angeschlossen werden. Auch eine Erweiterung zum Gewerbegebiet Hillesheim wird erwogen - "sobald genug Interesse an Erdgas besteht, um sie wirtschaftlich zu betreiben", sagt die EVM.Extra

Der Netzausbau kostete die EVM rund 500 000 Euro. Etwa die gleiche Summe investierten Müllerkalk und Wotan Zement, um ihre Werke auf den neuen Energieträger Erdgas umzurüsten. Neben den 10,4 Kilometern Leitungstrasse zwischen Hillesheim und Ahütte mussten auf dem Firmengelände noch 950 Meter an Erdgasleitungen und 2500 Meter zur Stromversorgung und datentechnischen Anbindung unter die Erde. Wotan Zement stellt die Trocknungsanlage auf Erdgas um - Müllerkalk hat bisher drei seiner sechs Brennkammern von Kohle- auf Gasbetrieb umgerüstet. Das erspart der Umwelt nach Berechnungen der Betreiber rund 1000 Tonnen Kohlendioxid jährlich. Die Nikolaus Müller-Kalkwerk-Natursteinwerke GmbH & Co. KG und die Portlandzementwerk Wotan H. Schneider KG mit rund 100 Mitarbeitern werden seit 1983 gemeinsam geführt. Seit 1834, dem Gründungsjahr von Müllerkalk, wird in Ahütte Kalkstein gebrannt. 1923 gründeten die Brüder Jean und Heinrich Schneider ebenfalls einen Kalkbrennbetrieb in Ahütte, dessen Produktion bald auf Portlandzement umgestellt wurde. Grundlage der Produktion ist der Kalkstein aus der Hillesheimer Kalkmulde. now