1. Region
  2. Vulkaneifel

Matthias Pauly tritt nicht bei der Bürgermeisterwahl in Gerolstein an.

Kommunalpolitik : Eine nicht ganz freiwillige Entscheidung

Gesundheitliche Probleme sind ausschlaggebend: Matthias Pauly tritt nicht bei der Bürgermeisterwahl in Gerolstein an.

Manchmal kommt alles anders als geplant. Oder wie Matthias Pauly sagt: „Das Leben schreibt seine eigenen Geschichten.“ Denn eigentlich hatte er sich bereits entschieden, an seine 16 Jahre als Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Gerolstein plus das eine Jahr als Beauftragter noch einige Jährchen dranzuhängen – wenn er denn auch wiedergewählt worden wäre.

„Ich hatte vor, bei der Bürgermeisterwahl im Herbst nochmals meinen Hut in den Ring zu werfen und habe das im engen Kreis auch schon kommuniziert“, sagt der 60-Jährige, der seit 2002 Bürgermeister der VG Gerolstein und für dieses Jahr zum Beauftragten in gleicher Funktion ernannt worden ist.

Zum Umdenken hat ihn nach eigenem Bekunden eine ärztliche Diagnose und die anschließende Beratschlagung im Familienkreis gebracht. Pauly sagt: „Ich habe ein Augenleiden, das sich vor wenigen Wochen abrupt verschlechtert hat. Der Alltag ist für mich schwieriger geworden. Und über den Verlauf gibt es keine verlässliche Prognose, außer der Aussage, dass es sich plötzlich massiv verschlechtern kann.“

Es könne demnach acht Jahre gutgehen, genauso könne es aber auch in zwei Jahren sein, dass er zum Beispiel kein Auto mehr fahren könne. Pauly: „Der Bürgermeister der neuen Verbandsgemeinde Gerolstein muss besonders leistungsfähig und belastbar sein, auf ihn wartet ein Job mit 60 bis 70 Wochenstunden. Er wird viel Kraft und Zeit aufbringen müssen, damit das Neue zusammenwächst. Daher sehe ich es als den richtigen Zeitpunkt an, jetzt den Staffelstab an die jüngere Generation zu übergeben.“

Er habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen und das auch stets getan, wenn es erforderlich war. Nun gehe es darum, Verantwortung weiterzugeben. Auch seine Familie habe ihm geraten, sich künftig mehr Zeit für die Familie, für sich und für seine Gesundheit zu nehmen. Das alles hat er seinen Mitarbeitern im Rathaus vergangene Woche bei einer Personalversammlung mitgeteilt. Die Reaktion laut Paulys Einschätzung: „Hohe Betroffenheit. Die meisten haben nicht damit gerechnet.“

Dass er bis zu seinem letzten Arbeitstag am Jahresende alle Kraft dafür einsetzen werde, seinem Nachfolger ein bestmöglich bestelltes Feld zu hinterlassen, ist für Pauly selbstverständlich. Wichtigste Aufgabe in dieser Zeit wird sein, „die drei Verwaltungen zu einer zusammenzuführen“.

Und damit nicht nur die Arbeit gut funktioniert, sondern auch die Menschen miteinander auskommen und sich besser kennenlernen, hat er vergangene Woche bereits zu einer Gesamtpersonalversammlung der drei Rathäuser sowie anschließendem Sommerfest eingeladen. „Die Kollegen hatten das zwar erst für Spätsommer oder Herbst vor, aber das haben wir dann auf meinen Vorschlag hin vorgezogen, denn ich meine: Je früher, desto besser.“

Er hoffe, dass sich daraus ein gemeinsamer Geist für die neue VG entwickle, der sich vielleicht auch auf die Bürger übertrage. „Wenn ich dies eines Tages spüre, wäre ich froh und auch ein wenig stolz, daran mitgewirkt zu haben“, sagt Pauly.

Eine andere Sache ist für ihn ebenfalls klar: „Aus dem Wahlkampf werde ich mich komplett heraushalten – in meiner Position als Beauftragter sowieso, aber auch innerhalb meiner Partei, der CDU, werde ich mich diesbezüglich nicht einbringen.“