Naturschützer fordern Tabuzonen für Bagger

Naturschützer fordern Tabuzonen für Bagger

Mit einem neuen Vorstoß prescht die Arbeitsgemeinschaft Dauner Naturschutzverbände in Sachen Gesteinsabbau nach vorn: Um die Vulkaneifel vor weiterem Raubbau zu schützen, fordert sie explizite Ausschlussgebiete für den Gesteinsabbau. Das ist so bislang nicht im Regionalen Raumordnungsplan vorgesehen.

Daun. "In den vier Jahren, in denen wir uns intensiv mit der geplanten deutlichen Ausweitung des Gesteinsabbaus in der Vulkaneifel beschäftigen, ist uns klar geworden, dass der Regionale Raumordnungsplan lediglich ein Instrument der Rohstoffsicherung ist. Er trägt nicht zum Erhalt der Vulkaneifel-Landschaft bei." Mit diesen Worten begründet Hans-Peter Felten, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft (AG) Dauner Naturschutzverbände (siehe Extra), den aktuellen Vorstoß. Der sieht vor, neben den bisher üblichen Vorrang- und Vorbehaltsgebieten auch explizit Ausschlussareale für den Gesteinsabbau bei der Planung zu benennen. Also Bereiche, wo definitiv nicht nach Lava, Basalt und Kalk gegraben werden darf.

Daher hat die AG ihre Forderung an die Kreisverwaltung und an alle Kreistagsmitglieder (siehe Zweittext) geschickt - und hofft, dass sich die Idee bei den Runden Tischen, die künftig in Sachen Gesteinsabbau in der Vulkaneifel eingerichtet werden, durchsetzt.

Denn Felten weiß: "Abbaustellen entstehen nicht nur dort, wo der regionale Raumordnungsplan dazu Vorranggebiete ausweist, sondern vor allem dort, wo es der gesteinsabbauenden Industrie günstig erscheint." Die Folge sei ein "flächendeckender Gesteinsabbau im gesamten Kreis, dem mehrere markante Vulkanberge zum Opfer gefallen sind". Das sind unter anderem der Steffelnkopf, der Zwilling des Nerother Kopfes (Kalenberg) oder der Goldberg bei Ormont.
Dabei gehört die Vulkaneifel im Landesentwicklungsprogramm (LEP) IV zu den "landesweit bedeutsamen Erholungs- und Erlebnisräumen".

Und in diesen ist "die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft vorrangig zu sichern und zu entwickeln" - heißt es offiziell. "Doch gerade das macht der Regionale Raumordnungsplan nicht. Das Gegenteil ist der Fall", sagt Felten und fügt hinzu: "Das Landesplanungsgesetz hingegen sieht ein Instrument zum Schutz der bedeutsamen Landschaft vor, nämlich über besagte Ausschlussgebiete für bestimmte bedeutsame Funktionen." Und die Karte will die AG nun zücken.

Sie schlägt zudem bereits konkrete Flächen vor, die Tabuzonen werden sollen: "Das sind selbstverständlich alle Naturschutzgebiete im Kreis sowie darüber hinaus 33 Flächen mit Naturdenkmälern und markanten Punkten der Vulkaneifel." Apropos selbstverständlich: Anders als die AG sind für die Planungsgemeinschaft Region Trier die Naturschutzgebiete bislang offenbar nicht tabu für den Gesteinsabbau. Felten weiß: "In einigen Naturschutzgebieten liegen laut Planung noch immer Rohstoffsicherungsflächen wie im Areal Im Felst bei Birresborn." In anderen Bereichen grenzen die Gruben oder Vorbehaltsgebiete direkt an die Naturschutzareale an: wie im Hundsbachtal zwischen Birresborn, am Nerother Kopf und am Wartgesberg.

Auf die Frage, ob angesichts dieses langen Katalogs überhaupt noch Abbau im Kreis möglich sei, antwortet Felten. "Aber sicher. Und zwar noch jede Menge." So würde die AG unter anderem den weiteren Abbau dulden: am Radersberg bei Brück, am Eselsberg bei Dockweiler, auf der Kyller Höhe bei Hillesheim, in der Grube Kordel bei Gees, am Wöllersberg bei Gerolstein-Lissingen und am Feuerberg bei Hohenfels. "Wir schreien auch da nicht Hurra, können uns damit aber arrangieren, da dies bereits bestehende Gruben sind."

Die Abbauunternehmen begrüßen, dass sich die neu konstituierte Regionale Planungsgemeinschaft Trier darauf verständigt hat, die Thematik Rohstoffgewinnung in der Vulkaneifel im Rahmen von Runden Tischen mit allen Beteiligten einvernehmlich zu erörtern.

Jörg Scherer, Sprecher der Initiative Natursteine Vulkaneifel, sagt: "Diese Beratungen führen hoffentlich dazu, dass die Diskussion um die Rohstoffgewinnung in unserer Region endlich wieder versachlicht und ein fairer Interessenausgleich zwischen allen Beteiligten ermöglicht wird."

Er hält es für "ratsam, die Planungsgemeinschaft in Ruhe die nächsten Schritte einleiten zu lassen". Die genaue Beschäftigung mit den vorgeschlagenen Flächen innerhalb dieser Runden Tische werde die Sachlage "deutlich entspannen", meint Scherer.Extra

Der Arbeitsgemeinschaft Dauner Naturschutzverbände gehören sechs Organisationen an: der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die Dauner Ortsgruppe des Naturschutzbunds Deutschlands (Nabu), die Ortsgruppe Daun des Eifelvereins, der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, die Kreisjagdgruppe Daun sowie die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. mh

Mehr von Volksfreund