Not, Hunger und Tod in der Eifel: Erinnerung an den Winter 1946/47

Not, Hunger und Tod in der Eifel: Erinnerung an den Winter 1946/47

An den Begriffen "Winter, Frost und Schnee" scheiden sich Geister. Während die einen sich erfreuen und vergnügen, missfallen anderen Räumungspflichten, Unfallgefahren und hohe Heizkosten. Doch gibt es noch strenge Winter? Einen besonders harten Winter erlebte man vor 70 Jahren. In die Überlieferung ging er ein als der Hungerwinter 1946/47.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs ist noch nicht lange her, viele Häuser liegen in Trümmern. Der Wiederaufbau verläuft mühsam, es fehlt an allem. Kleidung, Baumaterialien, Nahrung. Schmuggeln, tauschen, handeln und - wie man damals sagte - "maggeln" sind an der Tagesordnung. Der Sommer 1946 ist heiß und trocken, die Ernte fällt schlecht aus. Es gibt Engpässe in der Versorgung der Bevölkerung, teilweise bricht sie ganz zusammen.

Dann setzt früh der Winter ein. Bereits ab November lassen Fröste Bäche gefrieren und leiten einen Winter ein, der sich zu einem der kältesten Winter des 20. Jahrhunderts entwickelt. Anfang Dezember beginnt eine zweite Frostwelle. Minustemperaturen um 20 und mehr Grad sind nicht selten und dauern auch lange an. Von "sibirischer Kälte", "weißem Tod" und "schwarzem Hunger" ist die Rede. Viele ältere und geschwächte Menschen sterben.

In der Silvesterpredigt 1946/47 gibt der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Frings zu verstehen, dass zur Linderung der großen Not Dinge erlaubt seien, die zu anderen Zeiten in den Bereich des Sündenkanons gehörten: "Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise durch seine Arbeit oder durch Bitten nicht erlangen kann." In dieser Zeit entsteht ein neues Wort für das Organisieren von Nahrung und Kohle für den Eigenbedarf: "fringsen"!

Die Eifelwälder sind wie gefegt, weil jeder Ast und jeder Tannenzapfen zum Heizen gesammelt wird. Lange Schlangen wartender Menschen stehen vor Läden, um für ihre Lebensmittelmarken Lebensmittel zu erhalten oder ein begehrtes Stück "Freibankfleisch" zu ergattern.

Land, Kreise, Kommunen und Kirchen rufen auf zur "Winternothilfe", appellieren an das "Mitgefühl und die Pflicht eines jeden" und bitten um "Geld- oder Sachspenden", wie Kartoffeln, Mehl, Hafer oder Hülsenfrüchte.

Sammler gehen von Haus zu Haus, um Hilfe zu erbetteln. Abgabestellen und Sammelrouten werden organisiert. Die letzte Sammlung im März 1947 bringt in dem damaligen noch recht kleinen Amt Daun unter anderem drei Zentner Kartoffeln, fast zehn Zentner Getreide, 6900 Reichsmark und 17,5 Kilogramm Erbsen.

50 Prozent der Sammelergebnisse werden weitergeleitet an ausgebombte Städte, die besonders unter diesem extrem harten Winter und seinem Hunger zu leiden haben.

Die übrigen 50 Prozent kommen der Bevölkerung des Kreises zugute, wenn sie Anträge stellen, die geprüft, begründet und in Listen eingetragen wurden, wie (Name, Wohnort) "drei Kinder als Vollwaise; Ehemann in Kriegsgefangenschaft; durch Unglücksfälle verarmt; hohe Schulden; Kriegerwitwe ohne Rente; gelähmt und Ehemann vermisst; ausgebombt und wohnt in zwei Kellerräumen".

Im April und Mai 1947 kommt endlich der Frühling. Not und Hunger sind zwar immer noch nicht zu Ende, aber die Lage verbessert sich zunehmend und stabilisiert sich ab Sommer 1948, besonders nach der Währungsreform, die in der Westzone die feste D-Mark bringt.

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