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Schauplatz bewegender Schicksale

Schauplatz bewegender Schicksale

1969 verlor Neunkirchen im Pützbachtal seine Selbstständigkeit und wurde nach Daun eingemeindet. Ein Gewinn für die Kreisstadt, denn dieser ansehnliche Ort hat seinen eigenen Charme und dörflichen Charakter noch behalten. Es lohnt sich, diesen Stadtteil zu besuchen, den auch der Eifelsteig, vom Nerother Kopf kommend, berührt.

Neunkirchen. Neunkirchen ist uralter Siedlungsort, ist wesentlich älter als die Urkunde aus dem Jahre 1190. In ihr wird der Ort zum ersten Male als Nunkirkin urkundlich erwähnt. Dieser Name lässt sich als "Neue Kirche" deuten. Auf jeden Fall muss der Ort bereits recht groß und für den Grundherren bedeutend gewesen sein, wenn eine eigene Kirche erwähnt wird. Sie ist der heiligen Anna geweiht und ist seit 1803 sogar eigenständige Pfarrkirche. Stadt Geschichte(n)

Reichen Grundbesitz besaß die Witwe Adelheid von Molbach, denn sie stiftete in diesem Jahr dem Niederprümer Kloster den Zehnten aus Höfen und Ländereien in Neunkirchen. Das waren immerhin vier Malter Weizen (nach Dauner Maß ungefähr 452 Kilogramm), sechs Malter Weizenmehl (678 Kilo) und 20 Malter Hafer (2260 Kilo). Schon eine beachtliche Menge!Dann kam das Jahr 1207. In diesem Jahr schenkte Adelheids Tochter mit Namen Alveradis von Molbach dem Kloster Niederprüm den gesamten Neunkirchener Besitz. Die Frage ist nun, warum hat sie dies getan? Warum hatte sie kein Interesse mehr an all dem Besitz? Der Grund ist geprägt von einem bitteren Leben mit entsetzlichen Erlebnissen. Gräfin Alveradis wurde um 1155 in dem "Castrum Molbach" geboren. Und von diesem Molbach (Mühle am Bach) leitet sich auch der heutige Name sowohl der ehemaligen Wasserburg als auch des Ortes Maubach ab, einem Stadtteil von Kreuzau im Landkreis Düren. Alveradis von Molbach war die einzige Tochter und Erbin des Grafen Albert von Molbach-Nörvenich und dessen Ehefrau Adelheid, aus dem Geschlecht der Grafen von Vianden. Und jene Viandenerin war sehr vermögend, hatte große Güter in den damaligen luxemburgischen Landen, zu denen auch Neunkirchen gehörte. Um 1176 heiratete Alveradis den Grafen Wilhelm II. von Jülich. Dieser konnte mit dem äußerst vermögenden Erbgut seiner Frau nicht nur luxuriös leben und prassen, sondern erbaute damit auch sofort nach dem Tode seines Schwiegervaters Albert (gestorben am 21. Mai 1177) die mächtige Burg Nideggen. Aber statt zufrieden und seiner Frau gegenüber dankbar zu sein, war er das Gegenteil, ein schrecklicher Herr und Ehemann. Der Mönch Cae-sarius von Heisterbach schildert ihn als grausamen und wollüstigen Menschen, vor dem keine Frau und Jungfrau sicher war, der Kirchen verfolgte, ihre Güter an sich riss, die Priester verstümmelte und verjagte. Auch seiner Frau Alveradis gegenüber wurde er immer gehässiger und bösartiger, behandelte sie schlimmer als der Stallknecht sein Vieh. In seiner Brutalität schreckte er auch nicht zurück, sie zu quälen. Als er eines Tages wieder nach Köln aufbrach, um dort seiner Lust zu frönen, überfiel ihn wieder unbeherrschter Zorn. Er ließ seine Frau Alveradis nackt ausziehen, mit Honig bestreichen und sperrte sie in einen großen eisernen Käfig. Diesen ließ er an der Außenfassade des Wohnturmes aufhängen, in der Hoffnung, dass Bienen und Wespen sie totstechen würden. Gräfin Alveradis aber schrie aus Angst und Schmerzen so laut, dass beherzte Frauen der umliegenden Ortschaften voller Mitleid herbeieilten, sie aus ihrer misslichen Lage befreiten und an einen sicheren Ort brachten. Wenige Zeit später, nach seiner Rückkehr auf Burg Nideggen, erkrankte Graf Wilhelm von Jülich und starb im Jahre 1207.Alveradis schenkte den Bewohnern jener Orte, die ihr bei der Befreiung geholfen hatten, auf ewige Zeiten die Nutzung des Waldes Mausauel. Gegenüber der Waldkapelle in Mausauel erinnert noch der sogenannte "Alveradis-Gedenkstein" an diese Schenkung. Der entsetzliche eiserne Schandkorb, in dem die arme Gräfin Todesängste litt, ist im Burgmuseum Nideggen zu sehen Alveradis beschenkte großzügig Klöster und Kirchen und machte viele Stiftungen, damit alle für sie, aber auch für das Seelenheil ihres Mannes beten, um ihn so vor dem ewigen Feuer der Hölle zu bewahren. Sie selbst trat dann als Nonne ins Benediktiner-Frauenkloster Niederprüm ein, das ihre Mutter Adelheid und ihr Onkel Gerhard von Vianden im Jahre 1190 gegründet hatten. Sie wurde Äbtissin dort und wirkte segensreich bis zu ihrem Tode im Jahre 1222. Im Kloster Niederprüm fand sie auch ihre letzte Ruhestätte. Und von jenem bösartigen Wilhelm sagt man in der Nordeifel bis heute noch, wenn es stürmt und Unwetter tosen: "Der starke Helmes geht um". Denn dann wütet er, weil er zur Strafe für sein gotteslästerliches Leben zur Ruhelosigkeit verdammt wurde.