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Schlaue Dörfer profitieren von Energiewende

Schlaue Dörfer profitieren von Energiewende

Das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium unterstützt die Einrichtung von sogenannten Energiedörfern auch in der Vulkaneifel. Welche Möglichkeiten damit vor allem für kleinere Gemeinden verbunden sind, wurde in Daun vorgestellt.

Daun/Gerolstein. "Das ist ein sinnvolles Projekt, das umsetzbar sein könnte. Ich werde es auf jeden Fall dem Gemeinderat präsentieren und kann mir vorstellen, dass wir Interesse bekunden, mitzumachen", sagt Albert Grohnert, Bürgermeister von Oberelz (Verbandsgemeinde Kelberg).
Er hat die Vorstellung des Projekts "Smart Villages" (Schlaue Dörfer) des Landes verfolgt, Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) hat am Dienstag in Daun den Startschuss dafür gegeben. Das Ziel: die Einrichtung von Energiedörfern in den Kreisen Vulkaneifel, Alzey-Worms, Bad Kreuznach, Germersheim, Kusel und Neuwied.
Die Energiedörfer sollen Modellorte für den Klimaschutz werden, indem nicht nur Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, sondern gleichzeitig auch ein Konzept für mehr Energieeffizienz bei der Strom- und Wärmeversorgung entwickelt wird. "Statt Milliarden nach Saudi-Arabien oder Russland für den Import von Energie zu zahlen, sollten wir das Geld lieber hier bei uns behalten. Der Ausbau erneuerbarer Energien stärkt die Wirtschaftskraft auch abseits klassischer industrieller Zentren und Ballungsräume, weil das Geld vor Ort in den Regionen bleibt. So ist vor allem der ländliche Raum Nutznießer dieser Entwicklung", sagt Ministerin Lemke. Das ist auch der Beweggrund für den Kreis, sich zu beteiligen. "Zugegeben: Wir sind spät dran mit dem Thema. Umso mehr müssen wir in den Dörfern für das Projekt werben. Die Energiewende darf nicht an uns vorbeigehen, sie bietet auch für kleine Kommunen ein enormes Wirtschaftspotenzial", sagt Landrat Heinz-Peter Thiel.
In der Nachbarschaft ist man schon weiter. So wollen im Nachbarkreis Cochem-Zell schon 14 Orte Energiedorf werden. Dabei sind beispielsweise in Alflen (Verbandsgemeinde Ulmen) bereits vier Nahwärmenetze entstanden.
In der Vulkaneifel ist René Blum ein Vorreiter. Er stellte in Daun sein Nahwärmenetz in Niederbettingen vor, das er 2013 - privat finanziert - gebaut hat. Er versorgt gut drei Viertel der Haushalte des Stadtteils von Hillesheim mit seiner Biogasanlage. . Nach den bisherigen Erfahrungen im Land "ist das Interesse bei den Kommunen groß", sagt Professor Peter Heck, Direktor des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) am Umweltcampus Birkenfeld, das für die Organisation des Smart-Villages-Projekts verantwortlich ist.
Nicht abschrecken lassen


Er wirbt auch dafür, sich nicht von den Kosten abschrecken zu lassen: "Es sind Förderungen von 50 bis 80 Prozent für Konzepte und Machbarkeitsstudien möglich." Aus seiner Sicht hat ein Modelldorf viele Vorteile: "Die Infrastruktur kann verbessert werden, Arbeitsplätze können beispielsweise im Handwerk erhalten bleiben oder neu geschaffen werden, stabile Energiepreise sind möglich und vieles mehr."
Landrat Thiel hofft nun darauf, dass sich viele Gemeinden mit dem Thema befassen. "Noch haben wir ein zartes Pflänzchen, aber ich bin optimistisch, dass daraus ein blühender Acker werden kann. Ich würde mich freuen, wenn wir gut eine Handvoll Projekte an den Start bringen könnten."Extra

Viele Ortsbürgermeister sind der Einladung des Smart-Villages-Projekts gefolgt. Für Erwin Steffes (Mückeln, Verbandsgemeinde Daun) war die Veranstaltung "sehr interessant". Er sagte: "Ich habe schon lange großes Interesse an diesem Thema, sehe allerdings Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Ich werde mich aber trotzdem im Gemeinderat dafür einsetzen." Auch für Walter Eich (Mannebach, Verbandsgemeinde Kelberg) war der Abend "sehr aufschlussreich. Ich kann mir vorstellen, dass wir uns einen Ort mit einem Nahwärmenetz anschauen werden." Egon Schommers (Neroth, Verbandsgemeinde Gerolstein) hält das Projekt für viele Orte für "sehr interessant, aber eher kleinere Dörfer als Neroth. Wir werden aber trotzdem im Gemeinderat darüber sprechen." Hermann Hay (Retterath, Verbandsgemeinde Kelberg) ist eher skeptisch: "Wer so etwas in Angriff nehmen will, braucht viel Überzeugungskraft. Das dürfte der schwierigste Teil sein. Ich bringe das Thema in den Gemeinderat, mal schauen, wie die Meinung dort ist." sts