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Axel Bettendorf wird neuer HWK-Chef in Trier

Axel Bettendorf wird neuer HWK-Chef in Trier

"Wir müssen in den nächsten Jahren ein kleineres Rad drehen", sagt Axel Bettendorf, der im Oktober die Geschäfte der Trierer Handwerkskammer mit ihren rund 6900 Mitgliedsbetrieben übernimmt.

Trier. Axel Bettendorf kam 2008 zur Trierer Handwerkskammer - mitten in der größten Krise ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte: Der Abteilungsleiter des prestigeträchtigen Umweltzentrums fristlos entlassen, und vom Hauptgeschäftsführer und dessen Stellvertreter hatte die Kammer sich ebenfalls getrennt. "Wir mussten infolge des Skandals einen siebenstelligen Betrag an unsere Zuschussgeber zurückzahlen", berichtet Axel Bettendorf, der damals die Leitung des Umweltzentrums übernahm.Breite Zustimmung


"Meine Aufgabe war es, die noch laufenden Zuschussprojekte korrekt abzurechnen und die Abteilung komplett umzustrukturieren", erzählt Bettendorf von seinen Anfängen bei der HWK. Das ist ihm offenbar so gut gelungen, dass der Kammervorstand ihn aus 100 Bewerbern als Kandidaten für die freiwerdende Stelle des Hauptgeschäftsführers der Kammer auswählte. Am Dienstag stimmte die Vollversammlung diesem Vorschlag zu. Bei einer Enthaltung wählten 27 der 28 Mitglieder der Vollversammlung - besetzt mit Arbeitgebern und -nehmern aus Handwerksbetrieben der Region - Bettendorf zum neuen HWK-Chef.

"Ich freue mich sehr über die neue Aufgabe!", sagte der Familienvater (siehe Extra) anschließend im Gespräch mit dem TV. "Denn obwohl die zurückliegenden Jahre auch schwierig waren: Die Krise hat uns zusammengeschweißt, alle wollten, dass sich etwas ändert, dass es weitergeht. Wir sind ein Superteam geworden und ziehen an einem Strang."

Übernimmt Bettendorf zum 1. Oktober vom jetzigen Hauptgeschäftsführer Manfred Bitter die Kammer, stehen weitere große Herausforderungen bevor: "Lehrlingsrückgang, Fachkräftemangel und eine leichte Verringerung der Zahl der Handwerksbetriebe", zählt Bettendorf auf. Zwar seien die Mitgliedsbeiträge trotz des leichten Rückgangs der Betriebe auf rund 6900 in den vergangenen Jahren in der Summe gestiegen. "Weil die Konjunktur gut ist, und die Beitragshöhe vom jeweiligen Umsatz der Betriebe abhängt", erläutert der 47-Jährige. "Aber wir werden uns in den nächsten Jahren trotzdem verkleinern müssen." Auf rund zwölf Millionen Euro beläuft sich der Jahresetat der Kammer, davon rund sechs Millionen Euro Personalkosten für die bis dato etwa 150 Mitarbeiter.

Die Ausbildung benachteiligter Jugendlicher, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Lehrstelle finden, will die Kammer beenden. "Wir erhalten für diese Maßnahme zwar Geld von der Arbeitsagentur, müssen aber jährlich einen sechstelligen Betrag zuschießen", bedauert Bettendorf. Wer die Ausbildung dieser Jugendlichen ab 2018 anstelle der HWK übernimmt, ist noch ungeklärt.

Die Kammer investiert aber auch - und zwar in das größte Bauprojekt der vergangenen Jahrzehnte: 39 Millionen Euro kostet der Bau des neuen Ausbildungszentrums in der Loebstraße, für noch mal fünf Millionen Euro wird es mit modernsten Maschinen ausgestattet, an denen die Lehrlinge aus den Betrieben der Region ab Mitte 2019 überbetrieblich ausgebildet werden können (der TV berichtete). Bettendorf ist Projektleiter des Millionenbaus in der Loebstraße.

Der neue Hauptgeschäftsführer hat aber auch kleinere Ziele. "Zum Beispiel werden hier immer noch Unmengen an Papier ausgedruckt und die Post an unsere Außenstellen über den normalen Postweg verschickt. Ich will, dass das digitalisiert wird und wir mehr über elektronische Wege kommunizieren - das macht vieles schneller und effizienter - und damit billiger."Extra

Axel Bettendorf stammt aus Trier, ist 47 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder (neun und 13 Jahre alt) und ist aktiv bei der Trierer Karnevalsgesellschaft Heuschreck. Mit seiner Familie wohnt er auf dem Trierer Petrisberg. Nach Abitur, Wehrdienst und Banklehre bei der Sparkasse Trier studierte Bettendorf Bauphysik in Stuttgart. Von 1996 bis 1999 arbeitete er in einem Institut für Baustoffprüfung in Daun. Nach dem frühen und plötzlichen Tod seines Vaters stieg er in den elterlichen Betrieb ein, die Bettendorf Lavasteinwerk GmbH mit Sitz in Oberstadtfeld (Landkreis Vulkaneifel), "um meinen Bruder bei der Übernahme und der Weiterführung des Betriebs zu unterstützen", sagt Bettendorf. 2008 sei es dann Zeit für eine neue Aufgabe und Herausforderung gewesen. Bettendorf bewarb sich um die freigewordene Leitung des Umweltzentrums (UWZ) der Trierer Handwerkskammer. woc