Breit aufgestellt, auch ohne Alkohol

Breit aufgestellt, auch ohne Alkohol

Neuer Schwung ohne Alkohol: Die Bitburger Braugruppe setzt im neuen Jahr auf die Karte alkoholfreies Bier - der Sektor in der stark umkämpften Branche, der derzeit die höchsten Wachstumsraten aufweist.

Bitburg. Der deutsche Biertrinker ist ein kompliziertes Wesen. Bier ja, aber wenn möglich ohne Alkohol. So könnte man in Kürze den aktuellen Trend an den Tresen beschreiben. Denn der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch beim herkömmlichen Gerstensaft geht kontinuierlich zurück - allein in den vergangenen fünf Jahren um rund zehn Liter auf nun rund 107 Liter. Bier ohne Alkohol dagegen weist die höchsten Wachstumsraten auf (siehe Extra).
Hier setzt die Bitburger Braugruppe zu Beginn des neuen Jahres mit einer großangelegten Kampagne an. Im Februar führt sie eine eigene Produktlinie "0,0%" ein - mit einem alkoholfreien Pils, einem alkoholfreien Radler und einem alkoholfreien Bier-Apfel-Mischgetränk.
Versuche mit Hopfen und Malz


Ein Paukenschlag, denn in der Branche tun sich die Konkurrenten schwer mit der Bezeichnung "alkoholfrei". Immerhin sind die Biere in den wenigsten Fällen gänzlich ohne Alkohol (siehe Extra). Und Bitburger gilt in der Beziehung als Vorreiter im 0,0-Prozent-Bereich.
Zudem, so munkelt man in der Bierbranche, soll die Produktlinie in ein großes Marketingpaket im Zusammenspiel mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft eingebettet sein, mit der die Eifeler Braugruppe bereits seit genau 15 Jahren eine Partnerschaft hat. Ein Pfund, mit dem die Bitburger auch beim Bierabsatz im Breitensport punkten könnten.
Breit aufgestellt zu sein und in alle Richtungen zu denken: Das ist auch seit 1990 die Arbeit der Bitburger Versuchsbrauerei. Immer wieder präsentiert sie zu Feiertagen oder Jubiläen eigens kreierte Sonderbiere. Jüngster Coup: das "Hop Bit\'s - Chresdachsber", eine Sonderedition als Weihnachtsgeschenk für die Mitarbeiter. Dabei handelt es sich um ein spezielles "India Pale Ale" (IPA), ein derzeit bei Bierkennern beliebtes Modegetränk in der Tradition der altenglischen Kolonialbiere.
Hintergrund: Die im 19. Jahrhundert in England gebrauten Biere wurden mit einer großen Menge Alkohol und Hopfen eingebraut, um sie haltbarer für die Überfahrt etwa nach Indien und in andere Kolonien zu machen. Heute ist das IPA wegen seines kräftigen Aromas und seiner starken Bitternote gefragt.

Ohnehin sind die Bierbrauer derzeit nicht untätig, wenn es ums Strippenziehen im Hintergrund geht. Beispiel Deutscher Brauer-Bund (DBB), aus dem das Eifeler Unternehmen 2010 ausgetreten war. Ein seit Jahren schwelender Konflikt der großen Braugruppen wie der Bitburger mit dem DBB scheint nun zum Jahreswechsel beigelegt. Denn von nun an sind die Brauriesen Direktmitglieder des DBB, wovon sie sich mehr Einfluss und eine bessere Interessenvertretung erhoffen statt der bisherigen Einbindung allein über die Regionalverbände.

Extra

Mit seinem „Chresdachsber“, dem „Hop Bit's“, hat die Bitburger Versuchbrauerei für die Mitarbeiter zu Weihnachten ein „India Pale Ale“ geschaffen. TV-Foto: privat.

Rund 200 Brauereien in Deutschland stellen alkoholfreies Bier her - als Pils, Weizen, Kölsch oder Alt. Sein Anteil am Biermarkt beträgt mit einem Ausstoß von rund 3,3 Millionen Hektolitern (2011) laut Deutschem Brauer-Bund (DBB) rund 3,5 Prozent am Gesamtbiermarkt. Tendenz steigend: Alkoholfreies Bier ist laut DBB die einzige Biersorte in der Branche, deren Marktanteil kräftig wächst - allein von 2009 auf 2010 um rund 13 Prozent. Dabei gilt für alle alkoholfreien Biere folgende Regelung: Es ist vom Gesetzgeber her ein Alkoholgehalt von bis zu 0,5 Volumenprozent gestattet - wie auch für alkoholfreien Wein. Traubensaft etwa darf sogar bis ein Volumenprozent Alkohol ausweisen. Folglich sind die meisten alkoholfreien Biere auf dem Markt lediglich alkoholreduziert. Erst seit 2006 gibt es Biere wie das "Bitburger 0,0 %" komplett ohne Alkohol. sas

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