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Tiere
Großes Mäh rund um die Klosterkirche

Kamerunschafe haben es der 17-jährigen Anne Rech aus Oberkail (Eifelkreis Bitburg-Prüm) angetan.
Kamerunschafe haben es der 17-jährigen Anne Rech aus Oberkail (Eifelkreis Bitburg-Prüm) angetan. FOTO: Holger Teusch
Himmerod. Der Verein der deutschen Kamerunschafzüchter und -halter hat sich für sein Jahrestreffen Himmerod ausgesucht. Von Holger Teusch

Die Rasenflächen auf dem Gelände von Kloster Himmerod müssen in der nächsten Woche wohl nicht gemäht werden. Denn mit lautem Mäh haben am Wochenende viele Dutzend Kamerunschafe mit ihrem Appetit für kurzes Gras rund um die Klosterkirche gesorgt. 50 Züchter und Halter von Kamerunschafen kamen zum Teil mit ihren Tieren zum jährlichen Vereinstreffen in die Eifel. Die Familie Rech aus Oberkail, die seit vier Jahren die genügsamen Tiere hält, hat das erste Treffen dieser Art in Rheinland-Pfalz organisiert.

„Wir hatten einen Aufsitzmäher, aber eines Tages habe ich zu meinem Mann gesagt: Ich kann das Futter nicht einfach abmähen“, erzählt Heike Rech. Statt der Pferde, die die Familie jahrelang gehalten hatte, kamen Kamerunschafe in den Stall und vor allem auf die Weiden rund um den Eifelort. „Das sind meist brachliegende Wiesen, die für die Landwirtschaft uninteressant sind“, erzählt Dierk Rech. Die steilen Hänge zu mähen ist nicht mehr wirtschaftlich. Hier kommen die genügsamen Kamerunschafe zum Einsatz und sorgen dafür, dass die typische Kulturlandschaft erhalten bleibt. Viel Arbeit sei vor allem das Einzäunen, damit die Tiere nicht ausbüxen, sagt Dierk Rech.

Thomas Killian bestätigt, dass Kamerunschafe hauptsächlich für die Landschaftspflege genutzt werden. Der Mann aus Neudrossenfeld in Bayern ist der Vorsitzende des Vereins der deutschen Kamerunschafzüchter und -halter mit 184 Mitgliedern aus ganz Deutschland, aber auch Österreich und Kroatien. Das Fleisch der Tiere sei ein Nebenprodukt. „Aber auch diejenigen, die sonst kein Schaffleisch mögen, essen Kamerunschaf gerne, weil der Geschmack eher wildbretartig ist“, erklärt er. Für die Fleischindustrie seien die nur etwa 60 Kilogramm schweren Tiere uninteressant.

Die besondere Art der Kamerunschafe hat es den Züchtern und Haltern aber meist angetan. „Sie sehen einfach schön aus“, sagt Vereinskassierer Andreas Behrens aus dem niedersächsischen Steinbergen mit einem Leuchten in den Augen. Der weißbärtige Mann, den man sich mit seinem Schlapphut auch gut als Schäfer auf der Weide vorstellen kann, hält seit 1985 die ursprünglich aus Afrika (Kamerun) stammende Schafrasse, war bereits 1992 dabei, als sich die Züchter zunächst als Interessengemeinschaft zusammentaten und ist so etwas wie der Veteran.

Die meisten Preise bei der Schafbeurteilung durch Marco Berweiler von der Landwirtschaftskammer Trier und Ludwig Daum vom Verein der Kamerunschafzüchter und -halter räumte allerdings mit Anna Rech eine der jüngsten Züchterinnen ab. Die 17-Jährige hat ebenso ein Leuchten in den Augen, wenn sie über die Tiere spricht, wie Veteran Behrens. „Es macht einfach Spaß. Man bekommt Geburten mit, aber leider auch wenn sie sterben“, so Anne Rech. Dafür investiert die Internatsschülerin viel Zeit am Wochenende. Die Samstagnachmittage oft bis spätabends gehen mit Zaunbauen, Klauen schneiden und Stall ausmisten drauf. „Manchmal auch noch sonntags, wenn besonders viel zu tun ist“, erzählt sie. Aber es lohnt sich. Eines ihrer Siegertiere erzielte bei der anschließenden Auktion 150 Euro.