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Arbeit in Ehrfurcht

Damit der Greifer richtig zupackt: Christian Metzen, Industriemechaniker bei der Köhl AG, bei der Endmontage einer der zwei Roboter für Australien.Foto: Friedemann Vetter
Damit der Greifer richtig zupackt: Christian Metzen, Industriemechaniker bei der Köhl AG, bei der Endmontage einer der zwei Roboter für Australien.Foto: Friedemann Vetter
TRIER. Eine komplette Abteilung wechselt die Firma, und ihr erstes Projekt wickelt sie am anderen Ende der Welt ab: Die Köhl AG, Teil der Trierer Unternehmensgruppe Köhl, hat eine Roboter-Anlage für ein Werk in Australien produziert. Solch ein Auftrag ist neu für Köhl: Die Abteilung, die ihn abgewickelt hat, auch. Sie gehörte vorher zum Trierer Maschinenhersteller Laeis Bucher. Von unserer Redakteurin <br>JENNIFER FALK

Das sinddie Menschen, die ein paar aneinander geschweißte Metallteile zuschwingenden und greifenden Geräten machen: Wolfgang Konder undseine Kollegen bauen Roboter, im Fachjargon:Automatisierungssysteme. Das machen sie jetzt bei der Köhl AG.Früher haben haben sie das im Werk des Maschinenherstellers LaeisBucher getan. Damit war Schluss, als Laeis Bucher entschied, im Zuge ihrer Restrukturierung die Automatisierungsabteilung in ihrem Werk zu schließen. Konder und seinen Mitarbeitern blieb der Gang zum Arbeitsamt erspart: Der Maschinenhersteller Köhl griff zu. Seit Oktober baut die Köhl AG die Abteilung für Automatisierungssysteme bei sich auf. Laeis Bucher hat sich von dem Produkt nicht getrennt. In Kooperation mit Köhl bietet die Firma auch weiterhin Automatisierungsysteme an.

Firmen-Inhaber Wilfried Köhl sah die Chance, das Produkt-Angebot der Unternehmensgruppe zu erweitern: "Ich wollte eine Lücke schließen", erklärt er. Und das, während sich nur wenige Firmen auf den Automatisierungsmarkt wagen, betont Abteilungsleiter Wolfgang Konder. "Kein Mensch wagt sich da ran." Wilfried Köhl hatte diese Angst nicht. "Wir wissen nicht, womit wir in Zukunft konfrontiert werden", sagt Köhl. "Wenn man heute mit irgend etwas Geld verdienen kann, dann ist es Automatisierung." Sei die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet, komme keiner an einer Automatisierung vorbei.

Die Abteilung mache die Köhl-Gruppe mit ihren Bereichen Elektromaschinenbau, Elektroinstallation, Palettentransport-Systeme, Systemtechnik, Sicherheitstechnik und auch Gebäudeausrüstung zum Vollsortimenter. "Alle Zweige passen jetzt zusammen."

"Roboter lassen sich überall einsetzen"

Für die sieben Mitarbeiter der Abteilung - Programmierer, Konstrukteure und Projektleiter - hat sich in der neuen Firma nicht viel geändert. "Wenn ich von der wirtschaftlichen Lage der beiden Firmen absehe, ist unsere Situation die Gleiche", sagt Konder. "Das Meiste ist identisch", sagt auch Thomas Karpen, einer von drei Programmierern. Gleiches Equipment, gleiches Team, nur der potenzielle Aufgabenbereich sei unter Köhl größer.

Bei Laeis Bucher hätten sie schwerpunktmäßig Anlagen für die feuerfeste Industrie gebaut. Bei Köhl seien auch Aufträge für andere Industrien denkbar: "Roboter lassen sich überall einsetzen", erklärt Konder.

"Jetzt müssen wir uns in das Unternehmen einbringen", sagt er. Einbringen heißt vor allem, die verschiedenen Kapazitäten innerhalb der Köhl Unternehmensgruppe nutzen. Im Klartext: Die Schaltschränke eines Robotersystems liefert zum Beispiel Köhl Systemtechnik, Personal von Köhl Installation errichtet die Anlage, und so weiter.

Wie sie bei Köhl die Synergien nutzen, erfahren sie gerade bei ihrem ersten Projekt. Akquiriert hat die Abteilung den 800 000-Euro-Auftrag noch unter Laeis Bucher. Der Kunde: Shinegawa Thermal Ceramics. Die japanische Firma stellt feuerfeste Steine (Schamott-Steine) her. Für das Werk im australischen Unanderra liefern Konder und seine Kollegen eine Anlage zum Entladen eines Ofenwagens: eine Roboteranlage, die feuerfeste Steine sortiert und platziert. Ein Roboter entlädt Steine, einer palettiert sie. Bei der Vergabe des Auftrags stachen sie Konkurrenz aus den USA und Asien aus.

Keine Angst vor großen Maschinen

Die Roboter selbst kauften sie von der Firma Kuka in Augsburg ein. Zwei Monate saßen Karpen und seine Kollegen vor ihren Bildschirmen, tippten Formeln ein, und brachten die Anlage am Monitor zum Arbeiten.

Die Stunde der Wahrheit hat die Abteilung nun erlebt: Der Moment, der alle anderen Arbeitsschritte ins Abseits rückt - "wenn Leben in die Anlage gehaucht wird", sagt Karpen. Ein Finger bleibt dabei immer auf dem Not-Aus-Knopf.

"Wenn die Tests am Computer zu 90 Prozent erfolgreich sind, kann man sagen, dass das Ding läuft", sagt Karpen. Trotzdem kann der Anblick überwältigend sein, wenn die Anlage zum ersten Mal steht. "Eine gewisse Ehrfurcht gehört dazu. Man muss sich immer sagen, alles hat eine Struktur. Die Maschinen können noch so groß sein - man darf keine Angst haben."

Mitte Mai soll die Anlage in Australien in Betrieb genommen werden. Von Köhl werden ein Mechaniker, ein Installateur und zwei Programmierer vor Ort sein.