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Die Kulturwoche
Alles Kino, oder was?

Internationale Filmfestivals sind für deutsche Filmemacher nicht immer ein Ort der Freude. Wenn am Ende die Preise verliehen werden, gehen sie – trotz hochgehypter Hoffnungen wie zuletzt Florian Henckel von Donnersmarcks „Werk ohne Autor“ in Venedig – leer aus. Von Dr. Rainer Nolden

Nicht viel besser sieht es bei den kleineren Festivals aus – kleiner im Vergleich zu Venedig, Berlin und Cannes. Das Filmfestival von San Sebastian gehört dennoch zu den A-Festivals, also den wichtigen, wenn auch die ganz großen Stars aus Geldmangel kaum noch eingeladen werden können. Aber es geht ja in erster Linie um die Filme. Ein Schwerpunkt ist wie gewohnt das  aktuelle spanische und lateinamerikanische Kino. Eröffnet wird das Festival mit „El amor menos pensado“, in dem der Argentinier Juan Vera von einem Paar erzählt, das nach 25 Ehejahren über seine Beziehung, die Liebe, Treue und Sehnsucht zu reflektieren beginnt. Zu Veras Konkurrenten im Wettbewerb um die Goldene Muschel zählen unter anderem der Philippino Brillante Mendoza, der in „Alpha, The Right to Kill“ auf das harte Vorgehen der philippinischen Regierung gegen Drogenkriminelle blickt, und der Belgier Felix Van Groeningen, der in seinem englischsprachigen Debüt „Beautiful Boy“ nach den Memoiren von David Streiff und dessen Sohn vom Kampf des Vaters gegen die Drogensucht des Sohnes erzählt.

Gespannt sein darf man auch auf die zweiten Spielfilme des Österreichers Markus Schleinzer und des Schweizers Simon Jacquemet. Schleinzer erzählt in „Angelo“ die Geschichte eines Afrikaners, der im 18. Jahrhundert als Zehnjähriger nach Europa gebracht und europäisiert wurde. Im Gegensatz zu diesem historischen Film erzählt Jacquemet in „Die Unschuldige“ von einer verheirateten Tierärztin, die in eine Krise stürzt, als sie einen Mann sieht, den sie vor langer Zeit liebte. Eigenwilliges Kino darf man aber auch vom Briten Peter Strickland erwarten, der in seinem Horrorfilm „In Fabric“ dem Weg eines verfluchten Kleides von einer Person zur nächsten folgt.

Und die Deutschen? Tja, Fehlanzeige. Sie treten gar nicht erst an. Und selbst wenn sie in der Vergangenheit dabei waren – gebracht hat es nicht viel. Gerade vier Mal in 66 Jahren sind sie in der Sparte der Preisträger verzeichnet – und davon drei Mal nur in Koproduktionen mit Tschechien („Die Jahreszeit des Glücks“, 2005), der Türkei, Belgien und Frankreich („Pandora’s Box“, 2008) sowie Venezuela, Peru und Argentinien („Pelo malo“, 2013). Und in dem einzigen Jahr, da Deutschland allein auf dem Siegertreppchen stand, hatte es dies dem georgischen Regisseur Dito Tsintsadze zu verdanken, dessen Film „Schussangst“ die „Goldene Muschel“ mit nach Hause nehmen durfte – wenigstens nach Berlin. Unter diesen Umständen ist es natürlich nicht verwunderlich, dass die deutschen Filmemacher mit San Sebastian ein bisschen schmollen. ⇥no/dpa