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Powerfrau  mit Freiheitsdrang

Musik : Powerfrau  mit Freiheitsdrang

Im Theater Trier riss die Sängerin China Moses ihr Publikum beim zweiten „Mixed Zone“-Konzert mit.

Wie soll man das jetzt sagen, ohne die professionelle Distanz zu verlieren? Die zu behalten fällt bei China Moses schwer. Die Frau ist einfach umwerfend. Im Rahmen des neuen Formats „ Mixed Zone“ kam die Jazzsängerin zum zweiten Konzert der Reihe mit ihrem neuen Programm „Nightintales“ ins Thea­ter Trier.

Was die Tochter von Dee Dee Bridgewater ihrem Publikum dort zur Nacht erzählt, sind alles andere als Geschichten zum Einschlafen. Elegant in Schwarz-Weiß, ein wenig glamourös, kommt sie auf die Bühne, in der Hand den unvermeidlichen Selfie-Stick (man will schließlich später wissen, mit wem man wo war). Ein Küsschen gibt`s für Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach, der das Philharmonische Orchester der Stadt Trier dirigiert.

Wer noch nicht China-Fan war, der ist es spätestens, wenn die Amerikanerin aus Paris ihre gewaltige, leicht rauchige Stimme erhebt. Die ist ein ganzes Musiktheater in einer Person: vielfarbig, emotional, temperamentvoll und erzählfreudig. Ganz von unten kommt diese Stimme und gewaltig steigt sie nach oben. R ‚n’ B (Rhythm and Blues), Soul, Pop, Funk – China Moses ist selbst eine aufregende musikalische „mixed zone“. Doch Achtung: für politisch korrekte Menschen oder solche, die Probleme mit der weiblichen Emanzipation haben, sind die Geschichten der 41-jährigen Powerfrau, die raucht und gern Bars besucht, mit Vorsicht zu genießen. „Don`t judge“ (Sagt ja nichts) weist sie ihr Publikum zurecht, wenn sie in ihrer Ballade „Hangover“ augenzwinkernd von einer Beziehung erzählt, bei der die Nähe proportional zum konsumierten Whiskey zunimmt. Sagt ja auch niemand was.

Längst hat China Moses das Publikum, das, wie man so hört, zum Teil von weit angereist ist, auf ihrer Seite. Schließlich ist dieses Energiebündel nicht nur eine großartige Sängerin, sondern eine mindestens ebenso mitreißende Performerin: pfiffig, ein bisschen frivol, herzlich und voll ansteckender Frauenpo­wer. So mancher Zuhörerin mögen Flügel wachsen, wenn China Moses von ihrem großen Idol Dinah Washington berichtet, die es – wie die Sängerin erinnert – in ihrem nur 39 Jahre währenden Leben auf sieben Ehemänner brachte, und es sogar schaffte, sich nebenbei noch Liebhaber zu halten. Das kann schon mal eng werden, wie in der Ballade „Blame Jerry“ zu erfahren ist. Tränen sind zudem garantiert, bestätigt der Song „ You`re crying“. Endgültig stürmt die Sängerin den Saal mit „Running“, an dem sich begeistert das Publikum beteiligt. Einen absoluten Hit gibt es schließlich noch mit einer Funk-Version von „Fever“.

Leider spielt das Philharmonische Orchester der Stadt Trier nicht nur äußerst engagiert, sondern auch extrem laut verstärkt, so dass die Sängerin bisweilen ebenso übertönt wird wie die vier Musiker, die sie mitgebracht hat: den fabelhaften Saxofonisten Luigi Grasso, den Pianisten Mike Gorman, den pulsierenden Bassisten Neil Charles sowie den Drummer Marijus Aleksa. Aber geschenkt. „Stop, too much love“, bedankt sich am Ende die Sängerin gerührt bei den 600 Besuchern im vollen Haus. Die finden, dass es gar nicht genug sein kann und wollen gar nicht mehr aufhören zu applaudieren.