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Rheinland-Pfalz
Gesprengte Geldautomaten: Polizei jagt Panzerknackerbande

In Konz sprengten Unbekannte zuletzt einen Geldautomaten. Verbrechen dieser Art bereiten der rheinland-pfälzischen Polizei immer häufiger Kopfzerbrechen.
In Konz sprengten Unbekannte zuletzt einen Geldautomaten. Verbrechen dieser Art bereiten der rheinland-pfälzischen Polizei immer häufiger Kopfzerbrechen. FOTO: Florian Blaes / TV
Trier/Konz/Mainz. Kriminelle machen in der Region fette Beute. Kommen die Täter aus den Niederlanden? Von Florian Schlecht und Rolf Seydewitz
Florian Schlecht

Es ist ein ohrenbetäubender Knall, der Bewohner in Konz vor wenigen Tagen um 3.45 Uhr aufschreckt. Unbekannte sprengen einen Geldautomaten in die Luft, türmen mit der Beute – und hinterlassen eine Spur der Verwüstung.

Fälle wie in Konz bereiten der rheinland-pfälzischen Polizei immer häufiger Kopfzerbrechen. Alleine im vergangenen Jahr gab es 23 Fälle von Geldautomaten-Sprengungen, viermal mehr als noch 2016. In diesem Jahr knallte es schon wieder fünfmal. Banden, die ein Gasgemisch in die Automaten leiten, gehen dabei brutal vor. In einem Fall setzten flüchtende Täter die Polizeiwagen außer Gefecht, indem sie spitze Wurfeisen auf die Straße warfen, sagt Johannes Kunz, Chef des Mainzer Landeskriminalamtes (LKA).

Für die meisten Sprengungen in der Region werden Banden aus dem nordafrikanischen Raum verantwortlich gemacht, deren Mitglieder überwiegend in den Niederlanden leben sollen. Vor einem Jahr gelang nordrhein-westfälischen Fahndern ein entscheidender Schlag gegen die wegen ihres Hangs zu schnellen Autos auch Audi-Bande genannte Gruppierung, als fünf Tatverdächtige festgenommen wurden. Nach Erkenntnissen der Ermittler soll die Bande gut 200 Mitglieder haben.

Experten des LKA führen die in Rheinland-Pfalz gestiegenen Zahlen darauf zurück, dass Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen inzwischen weitgehend „abgegrast“ seien. „Denen war das Risiko dort einfach zu hoch“, sagt ein Ermittler, der anonym bleiben möchte. Er kritisiert, dass viele Geldautomaten so gut wie nicht gegen die Sprengungen gesichert seien, obwohl es technische Möglichkeiten gebe. „Aber die sind den Banken einfach zu teuer, und die Versicherungen schreiben sie nicht vor“, sagte der Fahnder im Gespräch mit unserer Zeitung. Innenminister Roger Lewentz (SPD) erwartet von Banken, mehr in die Sicherheit zu investieren. „Offenbar waren der Bankenwirtschaft die Verluste noch nicht groß genug“, tadelt er. Eine Chance sei es, Automaten mit Farbpatronen auszurüsten, die Geldscheine bei Explosionen markieren.

Der rheinland-pfälzische Sparkassenverband und der Genossenschaftsverband der Regionen sagen, es werde immer die Gefährdungslage vor Ort geprüft. Der Schaden pro Sprengung könne von Hunderttausenden bis in die Millionen Euro hineingehen, überfordere Versicherer aber nicht, sagt eine Sprecherin des Versicherungsverbandes GDV.

Lewentz vermutet, dass organisierte Täter neue Wege suchen, seit die Polizei bei Einbrüchen stärker auf der Hut ist. In diesem Bereich sinken die Zahlen in der Region weiter, zeigt die Kriminalitätsstatistik, die je nach lokalem Gebiet unterschiedliche Schwerpunkte hat.

Die Region ist sicher – sagt die Statistik

Kommentar: Ein sicheres Gefühl

Die Kriminalstatistik 2017 in Städten und Landkreisen der Region:

Stadt Trier und Landkreis Trier-Saarburg: Feuerteufel hielten Polizei in Atem

Eifelkreis Bitburg-Prüm: Die Eifel liegt im Trend

Vulkaneifelkreis: Entspanunng, aber noch lange keine Entwarnung

Landkreis Bernkastel-Wittlich: Mehr Drogen, weniger Diebstähle