Blick frei für Alternativen

Bauherren und Renovierer werden in diesen Tagen häufiger vertröstet. Denn Aufträge von Maurern und Dachdeckern, Malern und Elektrikern werden in diesen Wochen schwerer einzuholen sein als in anderen Jahren üblich.

Das liegt nicht etwa an Bauferien oder mangelndem Interesse der Handwerker. Verbraucher erfahren nun lediglich die Folgen des seit Jahrzehnten ablaufenden Strukturwandels in der Branche. Weil öffentliche Haushalte ihre Investitionen nahezu eingestellt haben, Betriebe Angst um ihre Zukunft haben und Privatleute nur das Unvermeidliche an ihren Immobilien haben reparieren lassen, sind die Aufträge zurückgegangen und ist die Baubranche geschrumpft. Manch ein Unternehmer hat aus schierer Not heraus Personal abbauen müssen, manch einer hat in den vergangenen Jahren provisorisch nachgeholfen, um nicht pleite zu gehen. Das rächt sich nun - für alle Beteiligten. So zahlt der Kunde dieser Tage die Zeche für eine wenig nachhaltige Personalpolitik am Bau. Nicht nur, dass er länger auf Handwerker im Haus warten muss. Durch das knappere Angebot an Fachleuten verteuern sich auch die Leistungen. Und die Handwerker selbst bekommen die Folgen der andauernden Konjunkturschwankungen zu spüren. So wird es nach Jahren des Personalabbaus zunehmend schwieriger, Fachkräfte für den Bau zu finden. Echte Experten für Hoch- und Tiefbau, Hausbau und Renovierungen sind fast schon Exoten. Diese Lage sollte bei allen den Blick frei machen - bei öffentlichen Auftraggebern, bei Verbrauchern und Handwerkern. Neue Wege der Auftragsakquise, eine in die Zukunft gerichtete Personalpolitik, ein gerechter Preis für handwerkliche Qualität: All dies kann dazu beitragen, den aktuellen Auftrags-Boom in einen langfristigen Aufschwung umzuwandeln. Dabei allein auf die Hilfe des Staates zu hoffen, wäre blauäugig und fatal.s.schwadorf@volksfreund.de