Keine Chance für FDP-Neuling

Mit ihrem Landeschef Volker Wissing (45) an der Spitze startet die FDP in die Landtagswahl 2016. Keine Chance auf einen aussichtsreichen Listenplatz hatte ein Neuliberaler, der Ruwerer Verbandsbürgermeister Bernhard Busch.

Mainz. FDP-Landeschef Volker Wissing gibt das Ziel in einer kämpferischen Rede vor: Die Freien Demokraten wollen nicht nur in den Landtag zurück, sondern auch in die Regierung. Er meldet bereits Ansprüche aufs Wirtschafts- und Justizressort an. Den Partner in einer Wunschregierung nennt der Spitzenmann der Partei - die in Umfragen derzeit bei vier Prozent liegt - nicht.
Lantagswahl 2016


Der mit 87,4 Prozent der Stimmen (166 Ja-, 24 Neinstimmen, 2 Enthaltungen) im Bürgerhaus von Mainz-Finthen gewählte Wissing, hat sich im Bundestag einen Namen als Finanzexperte gemacht. Fiskalisch greift er die rot-grüne Landesregierung vor 197 Delegierten auch frontal an: "Die Verschuldungspolitik treibt das Land in den Ruin, es holt die Risiken von ganz Europa direkt zu uns nach Hause." Obwohl Steuereinnahmen wie nie sprudelten, mache Rot-Grün Milliarden neuer Schulden. Trotz niedrigster Zinsen müsse Rheinland-Pfalz 32 Prozent mehr als alle deutschen Flächenländer allein für Zinsen ausgeben - mit dem Zukunftsrisiko, "Chancen junger Menschen zu verspielen". Vehement fordert Wissing einen Neuanfang für die kommunalen Finanzen ("Bürgermeister sind nur noch Bittsteller"), eine Energiewende "mit Sinn und Verstand", damit Stromausfall "nicht zur Regel" und die "Landschaft nicht total verschandelt wird". Der Liberale, der einigen in der Partei bislang zu spröde und "zu wenig auf der öffentlichen Bühne ist", zieht seine Register und wird am Ende mit stehendem Applaus gefeiert. Denn er spricht die Themen an, die der Partei unter den Nägeln brennen.Wissing hat seinen ehrgeizigen Fahrplan im Blick: "Am 13. März sind wir im Landtag zurück, ab 18. Mai wird das Land besser regiert."
Das Gerangel um vordere Listenplätze aber zeigt: Der Optimismus ist groß, die magische Latte der Fünf-Prozent-Hürde zu reißen. Viele wittern ihre Chance, weil keine Ex-Abgeordneten kandidieren und die FDP erstmals nicht mit vier Bezirkslisten, sondern mit einer Landesliste antritt. Damit steht der auch noch um Bekanntheitswerte streitende Wissing bei allen Stimmzetteln ganz oben. Spannung liegt also in der schwülen Luft: Während Wissing der unumstrittene Spitzenkandidat ist, beginnt die Serie von Kampfkandidaturen schon bei Platz zwei. Doch Schulleiterin Helga Lerch (60, Rheinhessen) ist unumstritten. Hektisch wird es bei Platz drei, weil Vize-Landesvorsitzende Sandra Weeser (Betzdorf) aus beruflichen Gründen kurzfristig auf ihre Kandidatur verzichtet hat. Da Wissing aber versprochen hat, dass die FDP nicht nur jünger, sondern auch ohne Frauenquote weiblicher wird, schickt er Monika Becker (Rhein-Lahn-Kreis, 60) ins Rennen. Die Ex-Vize-Präsidentin der SGD Nord setzt sich gegen den Richter Tobias Kador (Kreis Neuwied, 46) durch. In Eifel-Hunsrück aber steht ein Männerduell an: Es gewinnt nicht der Favorit von Bezirkschef Thomas Auler, der Trie-rer FDP-Chef Tobias Schneider (30). Der verliert deutlich gegen den aus Lissendorf (Vulkaneifel) stammenden Landwirt Marco Weber (40). Platz fünf geht klar an den Jungliberalen-Landesvorsitzenden Steven Wink (Pirmasens, 31). Ab Platz sechs wird die Konkurrenz mit fünf Kandidaten immer größer. Der FWG-Abtrünnige und Verbandsbürgermeister Bernd Busch (Ruwer) wähnte sich zwar auf versprochenem Platz, aber er unterliegt - gegen die Unternehmerin Cornelia Willius-Senzer (Mainz, 72).
Extra

Marco Weber, Vize-Vorsitzender des FDP-Bezirksverbandes, wurde auf Platz vier der Landesliste seiner Partei gewählt. Der 40-jährige Landwirt aus Lissendorf (Vulkaneifelkreis) erhielt 126 von 195 abgegebenen Stimmen. Weber wurde mit 64,9 Prozent als einziger Liberalen-Politiker aus der Region unter die ersten zwölf Kandidaten der Landesliste gewählt. Der Trierer FDP-Vorsitzende Tobias Schneider landete auf Platz 14. Bernhard Busch, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ruwer, der erst kürzlich von der FWG zur FDP gewechselt ist (der TV berichtete), schaffte es nur auf Platz 47 der Landesliste. wie