Noch mehr Ärzte fehlen

Der Ärztemangel bereitet den Kliniken in der Region zunehmend Sorgen (der TV berichtete). Nach TV-Informationen ist die Anzahl der fehlenden Ärzte größer als bisher vermutet.

Trier. "Wir haben einen so krassen Assistenten-Mangel wie noch nie zuvor", sagt ein Arzt aus der Region, der ungenannt bleiben möchte, im Gespräch mit dem TV. Die Lage in den Krankenhäusern sei deutlich dramatischer als von den meisten Klinikvertretern dargestellt. "Ich sage, dass nahezu alle Krankenhäuser in der Region Probleme haben, Stellen zu besetzen. Das ist so. Ich weiß von Mängeln überall; auch die großen Kliniken machen unglaubliche Klimmzüge, um zurechtzukommen." Bei zwei Krankenhäusern in der Region sei der Betrieb nur noch aufrechtzu- erhalten, "weil sie nahezu ausschließlich mit Leih-Ärzten arbeiten", sagt der erfahrene Mediziner. Seine Einschätzung: "In der Region fehlen rund 30 Ärzte. Und das ist schon eine ganze Menge." Lange Wartezeiten für die Patienten und Überlastung der vorhandenen Ärzte sind nur zwei der möglichen Folgen, die bereits jetzt in der Region sichtbar werden.

"Es ist natürlich ein Wettbewerbsnachteil für die Kliniken, wenn ihnen Fachärzte fehlen. Die Patienten orientieren sich dann möglicherweise zu anderen Standorten", meint Holger Mages von der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Dass die Lage akut ist, weiß auch Michael Helmkamp, Pressesprecher des Marburger Bunds vom Landesverband NRW/Rheinland-Pfalz. Er schätzt, dass (bei 100 Kliniken in Rheinland-Pfalz) derzeit 200 Ärzte fehlen. "Der Ärztemangel wird immer mehr steigen. Bis 2012 werden bundesweit 41 000 Ärzte in den Ruhestand gehen." Dieser Mangel kann nach Angaben von Helmkamp nicht durch bundesweit etwa 8000 Studienplätze aufgefangen werden. Dazu käme, dass 50 Prozent der Abgänger nach ihrer Fachausbildung nicht in Krankenhäusern arbeiten wollten. Mages: "Wir fordern deshalb von den Ländern, die Zahlen der Studierenden zu erhöhen und nicht nur den Numerus Clausus als Aufnahmekriterium heranzuziehen, sondern auch persönliche Qualifikation und Eignung der Studienanfänger."

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