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"Wir zahlen Ärzten kein Geld"

"Wir zahlen Ärzten kein Geld"

Zahlen Kliniken niedergelassenen Ärzten Geld für die Einweisung von Patienten? "Nein", heißt es übereinstimmend bei Ärztevertretern und Klinik-Managern in der Region.

Trier. Anfang der Woche haben Ärztevertreter und Krankenhausgesellschaft noch Alarm geschlagen: Die illegalen Zahlungen von Kliniken an niedergelassene Ärzte seien weit verbreitet. Gestern nun die Rolle rückwärts: Von Einzel- und Zweifelsfällen in weniger als fünf Prozent der 2000 Kliniken in Deutschland ist nur noch die Rede.

Trotzdem sollen in jedem Bundesland Meldestellen eingerichtet werden. Diese sollen für das jeweilige Land Verträge zwischen niedergelassenen Ärzten und Kliniken sowie Korruptionsvorwürfe prüfen.

Andreas Wermter von der rheinland-pfälzischen Krankenhausgesellschaft hält die Vorwürfe für eine "ungeheure Unterstellung". Ihm sei kein Fall bekannt, bei dem eine Klinik im Land Geld für die Einweisung durch einen niedergelassenen Arzt bezahlt habe. Ein Arzt müsse das Krankenhaus aussuchen, das für den Patienten die beste Behandlung biete, sagt Wermter.

Auf dem Einweisungsformular, der Verordnung für Krankenhausbehandlung, kann der Arzt in der Rubrik "nächsterreichbare, geeignete Krankenhäuser" entweder nur einen Ort oder eine bestimmte Klinik eintragen. Auch Paul Hauschild, Geschäftsführer der Bezirksärztekammer in Trier, sagt, ihm seien keine Fälle bekannt, bei denen für die Einweisung in ein bestimmtes Krankenhaus Geld gezahlt worden sei. Bei der Landesärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung verweist man auf die Berufsordnung für die niedergelassenen Ärzte: "Ärztinnen und Ärzten ist es nicht gestattet, für die Zuweisung von Patientinnen und Patienten oder Untersuchungsmaterial ein Entgelt oder andere Vorteile sich versprechen oder gewähren zu lassen oder selbst zu versprechen oder zu gewähren", heißt es dort im Paragrafen 31.

Auch aus Krankenhäusern, wie etwa dem Brüderkranken- und dem Mutterhaus in Trier heißt es übereinstimmend: "Wir zahlen kein Geld an Ärzte für Einweisungen." Mutterhaus-Geschäftsführer Ralf Lunkenheimer sagt: "Wir kämen nie auf die Idee, Prämien zu zahlen." Er glaubt, dass das eher in Ballungszentren der Fall sein könnte, wo die Konkurrenz unter den Kliniken größer ist als hier in der Region.

Zuweisungen für Ärzte und Kliniken erlaubt



Allerdings ist es nicht unüblich dass, sogar gesetzlich erlaubt, Geld für die Einweisung in bestimmte Krankenhäuer fließt. Die sogenannte integrierte Versorgung, die durch die Gesundheitsreform gefördert wird, soll zum einen die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Medizinern und Krankenhäusern sowie die Behandlung der Patienten verbessern. Der niedergelassene Arzt entscheidet über die optimale Behandlung für den Patienten, von der Diagnose über Klinikaufenthalt und Nachsorge. Ärzte und Kliniken schließen dafür Verträge mit Krankenkassen und erhalten dafür mehr Geld als für Behandlungen außerhalb solcher Programme.