"Trump Prawda"

Steve Bannon hat ein konservatives Nachrichtenportal zum Sprachrohr des Tycoons Donald Trump gemacht. Nun übernimmt er die Leitung des Wahlkampfs des Kandidaten.

Washington. Im vergangenen September, als in Washington niemand mit einem Austritt Großbritanniens aus der EU rechnete, war es Steve Bannon, der dem damaligen Anführer der Brexit-Kampagne den roten Teppich ausrollte. Kurzerhand lud er Nigel Farage ein, den Chef der UK Independence Party, um ihn beim Dinner in seinem Haus im Hauptstadtviertel Capitol Hill einflussreichen Republikanern vorzustellen. Er wollte ihn salonfähig machen, den Gast von der Insel, in dem er den Vorreiter einer transatlantischen Rebellenbewegung sah, die bald darauf in Donald Trump ihren neuen Champion fand.
Diese Woche ist Bannon an die Spitze des Trumpschen Wahlkampfteams gerückt. Mit einer Personalrochade, die knapp drei Monate vor der Wahl auf zumindest milde Panik schließen lässt, hat ihn der Kandidat zu seinem Chefberater gemacht. Angesichts von Umfragen, die ihm im Duell gegen Hillary Clinton kaum noch eine Chance geben, tritt Trump die Flucht nach vorn an. Mit Bannon, so viel steht fest, wird es keinen Weichspülgang mehr geben, keinen Versuch, hier und da ein paar Kanten abzuschleifen. Mit Bannon dürfte es noch rauer werden, und noch populistischer.
Auch wenn Paul Manafort, erst seit zwei Monaten offiziell Trumps Sprecher, seinen Posten behält, wird es fortan der neue Mann sein, der das Drehbuch bestimmt. Manafort hat praktisch Schiffbruch erlitten mit seiner Mission, den zu Protektionismus und Isolationismus neigenden Tycoon auszusöhnen mit einer republikanischen Partei-Elite, die mehrheitlich für unbeschränkten Freihandel und eine starke Rolle der USA in der Welt steht. Damit scheint er ausgebootet, der Veteran der Politikvermarktung, der auch schon das Image des früheren ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch aufzupolieren versuchte.

Zugespitzte Aufregerthemen


So abgeklärt Manafort in seinen Nadelstreifen wirkt, so hemmungslos - und hemdsärmelig - bläst Bannon zur Jagd auf den politischen Gegner. Seit 2012 ist er Geschäftsführer von Breitbart News, einer konservativen Nachrichtenseite, die dem Nationalismus des "America First", wie Trump ihn predigt, eine Plattform gibt.
Bei Breitbart werden sie oft grell zugespitzt, die Aufregerthemen, mit denen Trump seinen Wahlkampf bestreitet: illegale Einwanderung, Angst vor Muslimen, die Skepsis großer Teile der weißen Arbeiterschaft gegenüber der Globalisierung. Die Demokratin Hillary Clinton bekommt ihr Fett ebenso ab wie der Republikaner Paul Ryan, der ranghöchste Konservative im Kongress. Bannon, erzählen Insider, habe sich während der Vorwahlen immer wieder ins Tagesgeschäft eingemischt, um eine Trump-freundliche Berichterstattung durchzusetzen. Ben Shapiro, der im März zurückgetretene Chefredakteur des Portals, spricht von der treu ergebenen "Prawda" des Magnaten: "Ich glaube, Breitbart ist Trumps Prawda geworden, damit Steve Bannon Schaffner des Trump-Zuges werden konnte".
Typisch für manche Seiteneinsteiger, die mit dem Immobilienmogul die politische Bühne betraten, ist die Biografie des neuen Topberaters. In ein demokratisches Elternhaus in Virginia geboren, kreuzt er auf Zerstörern der Marine auf den Weltmeeren, bevor er aus Enttäuschung über Jimmy Carters Iran-Politik an die Wall Street wechselt. Dort wird er Banker bei Goldman Sachs, ehe er mit anderen Goldman-Aussteigern eine kleine Investmentbank gründet, die sich aufs Medien- und Filmgeschäft spezialisiert. Mit Anteilen an der Fernseh-Sitcom "Seinfeld" scheffelt er ein Vermögen, bevor er zum Regisseur konservativer Biografien mutiert.
2004, als eine Dokumentation über Ronald Reagan in Beverly Hills Premiere feiert, lernt er Andrew Breitbart kennen, den inzwischen verstorbenen Gründer der gleichnamigen Plattform. Bannons Ikone ist Sarah Palin: Ein Streifen über die gestrauchelte Kandidatin für die Vizepräsidentschaft soll 2011 ihr Comeback einläuten. Dass Palin derart angefeindet werde, so Bannon damals, liege daran, dass sie für das Establishment eine existenzielle Bedrohung darstelle. Über Trump sagt er heute fast wortgleich dasselbe.