Weg damit!

Die Musik ist vor der Kneipe auf der Straße gut zu hören, der Fußboden des Gastraums besteht aus einer unebenen Fläche aus bunt zusammengewürfelten Bruchstücken von Fliesen, und hinter einer aberwitzig schiefen Tür gibt es ein Klo für alle.

Wer einmal in einer der teils sehr bunt eingerichteten Kneipen in Südeuropa war, fragt sich, warum in Deutschland so etwas nicht möglich ist. Der Plan der Bundesregierung, das Gaststättengesetz zu kippen, ist immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Kaum ist jedoch das Vorhaben publik, fürchtet der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Zustände wie im "Wilden Westen". Natürlich, Bestimmungen zu Brandschutz, Lebensmittel-Hygiene und Arbeitssicherheit haben ihren Sinn. Aber der in dieser Hinsicht beängstigende Zustand manch südeuropäischer Kneipe ist eh nicht zu befürchten. Schließlich bleiben Bau- und Hygienebestimmungen in Kraft. Was wegfällt, sind Vorschriften, deren Nutzen fragwürdig ist. Es ist nicht zu erwarten, dass ein Gastronom, der "der Unsittlichkeit Vorschub leisten will", dies in einem Fragebogen zu erkennen gibt. Für jeden, der eine Kneipe aufmachen will, ist die Masse an Vorschriften aber eine unnötige Hürde - eine Hürde, die manch geplante Kneipe nie hat öffnen lassen. Weg damit! Solange keine Gefahr für Leib und Leben besteht, sollen die Gäste entscheiden, in welcher Umgebung sie ihr Bier trinken wollen. w.lenders@volksfreund.de