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Gesundheit
Akuter Notfall bei den Notfallhelfern

Die Personalsituation wird immer prekärer: Der Rettungsdienst ist zurzeit selbst in Nöten.
Die Personalsituation wird immer prekärer: Der Rettungsdienst ist zurzeit selbst in Nöten. FOTO: Marcel Kusch / dpa
Trier. Rettungsdienstmitarbeiter und Gewerkschafter klagen über ständige Überlastung und fehlendes Personal. Von Bernd Wientjes

220 bis 240 Stunden im Monat zu arbeiten, das sei normal, sagt ein Mitarbeiter einer DRK-Rettungswache, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er spricht von einer ständigen Überlastung der Rettungs- und Notfallsanitäter. Sie müssten ständig Überstunden machen, weil Personal fehle. Und das nicht nur, wie jetzt, durch die Grippewelle. Sondern weil viele auch den Job wechselten wegen der ständigen Belastung. Oder weil der Job sie krank mache.

Ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi bestätigt das. Er spricht von einer überhöhten Arbeitszeit von oft 47 Stunden am Stück. Rund 3000 Euro brutto verdient ein Notfallsanitäter laut Verdi im Monat. Immer öfter wechselten selbst langjährige Mitarbeiter den Job, über 60-Jährige könnten ihn kaum noch machen.

Mit ein Grund für die Überlastung sei die Zunahme von Einsätzen. Oft würden Rettungsdienste auch bei weniger schwerwiegenden Fällen gerufen, so der Gewerkschafter. Ein weiterer Grund für die Überlastung sei die Zunahme von Krankenfahrten, also Fahrten von Patienten zu ambulanten Behandlungen.

Die Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung haben Anspruch auf Übernahme der Fahrkosten. Doch diese Fahrten binden Personal und Fahrzeuge.

Ein DRK-Mitarbeiter berichtet zum Beispiel von regelmäßigen Krankenfahrten zwischen dem Wittlicher Krankenhaus und dem Medizinischen Versorgungszentrum in Bernkastel-Kues, in dem Patienten ambulant behandelt werden. Es gebe mittlerweile einen regelrechten Pendeldienst zwischen den Standorten. Und wenn es wegen Krankheit und Urlaubs zu Personalmangel kommt, dann bekommen das auch die Nutzer der Krankentransporte zu spüren. So mussten offenbar  am 22. Dezember vorigen Jahres mehrere Dialyse-Patienten bis zu sechs Stunden in einer Trierer Klinik warten, bevor sie nach Hause transportiert werden konnten. Es waren nicht genügend Fahrer im Dienst. Ehrenamtliche Helfer seien an dem Tag aktiviert worden, um die hauptamtlichen Mitarbeiter zu unterstützen.

Auch derzeit geht es bei den Rettungsdiensten in der Region nicht ohne die freiwilligen Retter. Am Dienstagvormittag seien in Bernkastel-Wittlich Helfer durch die integrierte Leitstelle in Trier alarmiert worden, um den anfallenden Transporten und den zu erwartenden Notfalleinsätzen gerecht werden zu können, sagt Kai Jörg Krall, Sprecher der Malteser in Wittlich. Ehrenamtliche Mitarbeiter der Hilfsorganisation sind eingesprungen, um den Kollegen beim DRK zu helfen. Eine Anfrage unserer Zeitung an die für den Kreis Bernkastel-Wittlich zuständige DRK-Rettungsdienst Eifel-Mosel-Hunsrück GmbH zu der aktuellen Lage blieb unbeantwortet. Manfred Böttel, Leiter des Rettungsdienstes beim DRK Bitburg-Prüm, bestätigte, dass in seinem Zuständigkeitsbereich die Personallage angespannt ist. Aktuell seien zwölf Mitarbeiter krank, vergangene Woche seien es 23 gewesen. Beim DRK in Trier-Saarburg gibt es dagegen offenbar keine Personalprobleme. „Die derzeitige Grippewelle ist keine Besonderheit des Rettungsdienstes sondern war – wie jedes Jahr – vorhersehbar, und daher haben wir planerisch vorgesorgt“, sagt der Leiter des Rettungsdienstes, Markus Scholtes. Allerdings heißt es bei der Trierer Berufsfeuerwehr, die für den Rettungsdienst in der Stadt Trier zuständig ist, dass man vermehrt in Trier-Saarburg aushelfe, weil dort wegen Krankheit Personal fehle. So würden mit Rettungswagen der Berufsfeuerwehr Krankentransporte innerhalb von Trier-Saarburg oder zu Trierer Krankenhäusern gemacht.

Angespannt ist die Situation bei den Rettungsdiensten derzeit auch deswegen, weil sie mehr Grippekranke in die Kliniken bringen müssen. Bei diesen Transporten und auch bei anderen Notfalleinsätzen müssten sie zum Teil viel weiter fahren als normal. Der Grund: Viele Krankenhäuser sind überbelegt und melden dann einzelne Stationen bei der Leitstelle ab. Das heißt, dass die Rettungsfahrzeuge oder Krankentransporte diese Krankenhäuser dann nicht mehr mit Patienten anfahren können, die auf eine solche Station angewiesen sind. Der Leiter der Trierer Berufsfeuerwehr, Herbert Albers-Hein, weist jedoch daraufhin, dass Notfallpatienten nicht abgewiesen werden dürfen. „Hier besteht eine gesetzliche Behandlungspflicht“, sagt auch MarkusScholtes vom DRK Trier-Saarburg. „Notfälle werden auch bei erfolgter Abmeldung selbstverständlich behandelt“, bestätigt auch Arist Hartjes, Geschäftsführer des Saarburger Krankenhauses. Auch das Hermeskeiler Krankenhaus hat sich zeitweise abgemeldet, trotzdem kamen in dieser Zeit 20 Notfallpatienten dort an.

Und offenbar ist die Lage der Kliniken auch außerhalb der Region angespannt. Aus dem Gerolsteiner Krankenhaus wird berichtet, dass ein Patient aus dem 100 Kilometer entfernten Remagen am Rhein per Rettungswagen in die Eifel gebracht worden ist, weil kein näheres Krankenhaus noch Kapazitäten hatte.