Christoph Cremer, Chef der Prümer Polizei-Inspektion, geht in den Ruhestand.

Menschen : Ein Schutzmann wechselt ins Räuberzivil

Christoph Cremer, Chef der Prümer Polizei-Inspektion, geht in den Ruhestand. Aber der Eifel bleibt er – was auch sonst – verhaftet.

Einsatz beendet, das war’s: Christoph Cremer ist raus aus der Uniform. Am Donnerstag, nach acht Jahren als Chef der Inspektion Prüm und 42 Jahren Polizist, ist sein letzter Tag auf der Dienststelle. An seinem Geburtstag.

Als er 2010 nach Prüm versetzt worden sei, sagt der Wittlicher, „habe ich eine tolle Dienststelle vorgefunden. Tolles Klima, eine gute Arbeitseinstellung der Leute. Das hat irgendwie gut gepasst.“

Drei Mann, 120 Jahre im Dienst der inneren Sicherheit: Vor zwei Jahren feierten die Prümer Hauptkommissare (von links) Gerhard Kauth, PI-Chef Christoph Cremer und Walter Meyers ihr 40. Dienstjubiläum. Alle drei traten am 2. Februar 1976 in den Polizeidienst des Landes Rheinland-Pfalz ein. Foto: TV/privat

Gepasst hat ihm immer auch die Mentalität der Leute hier oben. Als er sich auf die Stelle beworben habe, erzählt er, „da hat mich mein Chef gefragt: ,Sprechen Sie Platt?’“ Das tut er. Und konnte es oft gebrauchen: „Wenn die Leute merken: Der versteht mich, dann ist das die halbe Miete.“

Planungen für den Rheinland-Pfalz-Tag: Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy und Christoph Cremer, Chef der Prümer Inspektion, zeigen das Prümer Stadtzentrum von oben. Foto: "e_pruem" <e_pruem@volksfreund.de>/Fritz-Peter Linden

Geboren wurde Christoph Cremer vor 60 Jahren in Wittlich und wuchs auf in Hontheim. Nicht dem im Prümer Land – sondern im Kreis Bernkastel-Wittlich: „Wir haben ein eigenes Hontheim“, sagt er und lächelt. „Jeder sollte eins haben.“ Halb Eifeler, halb Moselaner sei man da, sagt er und schickt gleich noch einen Scherz hinterher: „Wenn die Wittlicher dir Grumpern (Kartoffeln) verkaufen wollen, gehören sie zur Eifel. Wenn sie Wein verkaufen wollen, zur Mosel.“ Bei Cremer neigt sich die Waage eher in Richtung Eifeler: Die Mosel und ihre Landschaften, das alles finde er „schon sehr schön. Ich mag das, es gibt da wunderbare Ecken, das ist toll. Aber ich fühle mich doch der Eifel verhaftet.“

Apropos verhaftet, kurzer Einschub zum Thema Ermittlungserfolge seiner Inspektion: Da gab es einige, aber spontan fällt ihm ein, wie vor einigen Jahren die Kollegen einer Streife in Jünkerath einen Bankräuber schnappten, kurz nach verübter Tat. Und ein besonderer, schöner und zugleich aufwendiger Einsatz sei auch der Rheinland-Pfalz-Tag 2011 in Prüm gewesen. Wo auch Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy nur Gutes über Cremer zu sagen hat: „Wirklich immer angenehm“ sei die Zusammenarbeit gewesen.
Schlimm, sagt Cremer, waren schwere Unfälle. Wie auch jener Zusammenstoß auf der A 60 vor einigen Jahren, als ein Autofahrer mit einem Streifenwagen kollidierte, der seinerseits zu einem Unfall unterwegs war. Der Fahrer starb, die Polizisten wurden schwer verletzt. Erfreulich hingegen „die Zusammenarbeit mit den Kollegen in Belgien. Das ist genau so, wie ich mir Europa vorstelle. Wir haben gute, freundschaftliche Kontakte zu den Kollegen in St. Vith. Da geht vieles auf dem kleinen Dienstweg. Und: Die schwätzen auch platt.“

Dass der Vater von zwei erwachsenen Kindern nun schon geht, ist dem Landesbeamtengesetz geschuldet: Es sieht vor, dass Polizisten mit mindestens 25 Jahren im Wechselschichtdienst den Ruhestand antreten können – und in herausgehobenen Führungspositionen in der Regel auch müssen. Wer für Cremer kommt, ist noch nicht bekannt.

Seine Chefs, sagt er, hätten ihm nie reingeredet. „Ich hatte immer das Gefühl, ich konnte an der langen Leine gehen. Als ich eingestellt wurde, war das alles hierarchischer organisiert.“ Und fast schon militärisch. „Gut, dass das nicht mehr so ist. Man spricht heute von der Bürgerpolizei. So verstehe ich sie auch.“

Dann grinst er wieder. „Und jetzt“, sagt Cremer, „geht Wachtmeister Pfiffig in den Ruhestand.“ Und muss überlegen bei der Frage, was er denn künftig so treiben wird. „Genaues geplant habe ich noch nicht. Ich lass das mal auf mich zukommen.“ Und da ist ja auch noch ein Enkelchen, das besucht werden muss, in Amerika, wo Cremers Tochter wohnt.

Aber zurückkommen, das wird er. Denn jetzt kann er noch mehr Touren mit dem Motorrad unternehmen. Auch in die Abteistadt: Wann immer er im Sattel sitze, „zieht’s mich hier hoch. Auf Umwegen. Aber unbewusst immer in den Bereich Prüm.“ Und das dann künftig auch öfter? „Mit Sicherheit.“ Gut zu wissen. Bis dann, Herr Wachtmeister!

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