„Die Kyllburger kommen in die Puschen"

„Die Kyllburger kommen in die Puschen"

Weniger Leerstände, ein „Café der kleinen Träume“ und Sanierung alter Häuser: Die Bewohner der kleinsten Eifelstadt wollen, dass ihr Ort l(i)ebenswert bleibt und lassen sich einiges einfallen.

„Ich wünsche mir, dass wir weiterkommen in Kyllburg“, sagt Stadtbürgermeister Wolfgang Krämer. Und er ist guter Dinge, dass das klappt. Die Leerstände würden weniger, immer mehr Privatleute kauften alte Häuser und sanierten sie. Der Eifeler Hof hat seit Juli einen neuen Pächter – eine griechische Familie, die zuvor in Süddeutschland ein Hotel hatte. Im Frühjahr haben fünf Frauen aus dem Ort in einem der Pavillons in der Hochstraße das „Café der kleinen Träume“ eröffnet. Dort gibt es zwar nur von Freitag bis Sonntag Kaffee und Kuchen, aber immerhin. „Sie haben das so liebevoll eingerichtet“, sagt Krämer, „und alte Gegenstände originell umgestaltet.“ Schon seit vier Jahren gibt es zudem den „Shop in Shop“, in dem eine Niederländerin mit wechselnden Partnern kunsthandwerkliche Produkte verkauft.Seit Jahren engagieren die Kyllburger sich, um die mit 948 Einwohnern zweitkleinste Stadt in Rheinland-Pfalz lebendig zu halten. Sie wollen Kyllburg wieder zu dem machen, was es bis Anfang der 90er war: Zu einem attraktiven Touristenort, in dem es sich lohnt, zu leben. Und in den junge Menschen nach Ausbildung oder Studium gerne zurückkehren. Zurückgekehrt ist Krämer selbst vor knapp zehn Jahren. „Ich war überrascht, wie Kyllburg da aussah“, erinnert er sich.Denn: Bis Anfang der 90er Jahre gab es laut dem Stadtbürgermeister rund um den „Ankerbetrieb“ Eifeler Hof alles, was man brauchte: Rund ein Dutzend Restaurants und Gastronomiebetriebe, Maler, Heizungsbauer, Hut- und Schmuckgeschäfte, Lebensmittel – „jede Branche war vertreten“.Dann habe der demografische Wandel zugeschlagen: Das Urlaubs- und Kurverhalten habe sich verändert, junge Leute seien weggezogen und weniger Kinder zur Welt gekommen. Die Digitalisierung begann und kurz nach der Jahrtausendwende habe auch noch der Eifeler Hof zugemacht und zwölf Jahre leer gestanden. Damit sei ganz viel Wirtschaftskraft und Einzelhandelsinfrastruktur verloren gegangen – „Die Hochstraße lebt mit und vom Eifeler Hof“, sagt Krämer. Viele Geschäfte und Gaststätten mussten schließen. Diese Entwicklung sei natürlich kein Kyllburger Problem, sondern eines aller ländlichen Regionen. „Deshalb muss man querdenken und neue Wege beschreiten“, sagt der Stadtbürgermeister. Und das tut er: Er tauscht sich mit anderen Bürgermeistern aus, vernetzt sich mit Wissenschaftlern, die Studien zur Entwicklung der Stadt machen, und mit Behörden, bei denen er sich um Fördermittel bemüht. Vergangenes Jahr wurde Kyllburg in das Bund-Länder-Programm „Historische Stadtbereiche – Städtebaulicher Denkmalschutz“ aufgenommen, gerade hat Innenminister Roger Lewentz 100?000 Euro für die Erschließung und Modernisierung der Innenstadt zugesagt. Auch wenn das nicht viel sei, würden davon zwei Projekte angestoßen: Zum einen will die Gemeinde das ehemalige Gasthaus Zum Hahn erwerben, abreißen und begrünen. Das sei eines der Gasthäuser, die es nicht geschafft hätten. „Dann ist dieser hässliche Schandfleck weg“, sagt Krämer. Das zweite Startprojekt ist die Gestaltung der Hochstraße. Ideen dafür seien eine Dorflinde als kommunikativer Treffpunkt, Sitzmöglichkeiten, eine bessere Regelung der Parkflächen, neue Beleuchtung und Platz zum Laufen. „Die gute Stube von Kyllburg war immer die Hochstraße“, sagt der Stadtbürgermeister. Und das solle sie bleiben. Ein Bitburger Ingenieurbüro arbeite derzeit an einem Entwurf. Wichtig war Krämer die Beteiligung der Bürger. Deren Ideen würden mit aufgenommen, verspricht er. „Ich bin gespannt“, sagt er, „das wird gut!“ Er lacht.Anfangs war es laut Krämer eine kleine Gruppe, die sich rund um die heutige Offensive Kyllburg Dajeh – kurz: „OK Dajeh“ – engagierte. Sie belebten leere Schaufenster mit Kunstausstellungen und organisierten Lesungen mit Krimiautoren. Mit Erfolg: „Wir haben keine Schaufenster mehr, die wir mit Kunst füllen könnten“, sagt Krämer. Nur in einem der beiden Pavillons stellt Christiane Hamann aus Weißenseifen noch aus. Davor hatte sie eine kleine Galerie im ehemaligen Schlecker. Dort sollte dann aber ein Fahrradladen eröffnet werden. „Das hat sich leider zerschlagen“, sagt Eigentümer Philipp Thomas, Geschäftsführer der Alcazár Real Estate GmbH, die auch ein altes Gebäude in der Bahnhofstraße gekauft hat und sanieren möchte. Auch andere Häuser werden von Privatleuten saniert. Das wird die Mitglieder des Arbeitskreises Bauen und Infrastruktur freuen. Die machten nämlich gerade eine Bestandsaufnahme aller Gebäude in Kyllburg, sagt Krämer. Er freut sich, dass sich, seitdem die Stadt am Zukunftscheck Dorf teilnimmt, deutlich mehr Bürger an der Gestaltung der Stadt beteiligen. Drei Arbeitskreise mit insgesamt rund 30 Leuten seien fleißig bei der Arbeit. „Die Kyllburger kommen in die Puschen“, sagt der Stadtbürgermeister und lacht.Weitere Fotos aus Kyllburg online unter www.volksfreund.de/fotos

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