Eine Frage der Machbarkeit: Experten zu Gast - Schulgründer aus Altendiez erklären in Speicher, wie man ein privates Gymnasium realisiert

Eine Frage der Machbarkeit: Experten zu Gast - Schulgründer aus Altendiez erklären in Speicher, wie man ein privates Gymnasium realisiert

Die Speicherer wollen sich ihre Zukunft - ohne eine weiterführende Schule - nicht so einfach von der ADD, die 2018 die Außenstelle der Realschule plus schließen will, diktieren lassen. Deshalb überlegen die Ratsmitglieder, ein privates Gymnasium in Speicher zu etablieren. Ein Schulleiter und ein Lokalpolitiker aus Altendiez haben den Speicherern nun erklärt, wie das gelingen kann.

Speicher/Altendiez. Die Mitglieder des Verbandsgemeinderates Speicher wollen sich nicht damit abfinden, dass die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) 2018 die Außenstelle der Otto-Hahn-Realschule plus Bitburg in Speicher dichtmachen will und damit nach der Grundschule in der VG Speicher keine schulische Bildung mehr möglich sein soll. Doch eine Verbandsgemeinde darf kein Träger einer weiterführenden Schule sein. Das darf nur der Landkreis.

Schon seit 2013 werden am einstigen Schulzentrum Speicher keine neuen Schüler mehr aufgenommen, da dort spätestens ab Sommer 2018 der Unterricht eingestellt wird. Die St.-Michael-Hauptschule Speicher wurde 2013 bereits komplett geschlossen und steht seitdem leer.265 Euro pro Monat

Franz Klöckner, der ehemalige Bürgermeister der Verbandsgemeinde Diez, und Jens Feld, Schulleiter des Oranien-Campus Altendiez, zu Gast im VG-Rat Speicher. TV-Foto: Christian Moeris. Foto: (e_eifel )



"Für die Attraktivität unserer Verbandsgemeinde ist eine weiterführende Schule aber unverzichtbar", sagt Manfred Rodens, Bürgermeister der VG Speicher und spricht damit dem Großteil der Ratsmitglieder, gleich welcher Fraktion, aus der Seele. Die Aufgabe einer Verbandsgemeinde könne nicht nur sein, Wasserleitungen zu verlegen und Straßen zu sanieren. "Wir haben als Kommune die Verpflichtung, über unser Bildungsangebot nachzudenken. Für ein Bildungszentrum mit Kita, Grundschule, weiterführender Schule, Schwimmbad und Dreifeldsporthalle lohnt es sich, zu kämpfen", sagt Rodens.

Deshalb zerbrechen sich die Mitglieder des Verbandsgemeinderates bereits seit drei Jahren darüber den Kopf, wie sich ein privates Gymnasium in ihrer Verbandsgemeinde ansiedeln lässt (der TV berichtete). Die Planungen dazu nehmen immer konkretere Formen an und Bürgermeister Rodens will jetzt Gas geben, "bevor es eines Tages zu spät ist und wir unsere Zukunft nicht mehr selbst gestalten können".
Nun hatten die Speicherer Experten zu Gast, die mit dem Oranien-Campus Altendiez (Rhein-Lahn-Kreis) ein privates Gymnasium aus dem Boden gestampft haben und die Schule nach eigenen Angaben finanziell erfolgreich ans Laufen gebracht haben.

Jens Feld, Schulleiter und Vorstand der Schulgenossenschaft, und Franz Klöckner, der 25 Jahre als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Diez tätig war, erklärten den Ratsmitgliedern, wie sie das private zweizügige Ganztagsschulgymnasium mit rund 400 Schülern ans Laufen gebracht haben.
Mit ihrem Genossenschaftsmodell, bei dem die Verbandsgemeinde bloß ein Genossenschaftsmitglied wäre, könne das vielleicht auch in Speicher funktionieren, sagt Klöckner, "zumindest, wenn die Kommunalaufsicht nicht Nein sagt."

Außerdem, so sagt Klöckner, könne eine Verbandsgemeinde solch ein Projekt nicht alleine angehen, sondern müsse einen Freundeskreis aus privaten Persönlichkeiten sowie Vertretern aus Vereinen, Verbänden, Stiftungen oder auch Firmen gewinnen. Anders als bei staatlichen Schulen geht es für die Schüler und deren Eltern bei einer Privatschule auch ums Geld. Obwohl es in Deutschland verboten ist, bestimmte Schüler aufgrund ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse durch Schulgeld vom Besuch einer Schule auszuschließen. "Die Eltern unserer Schüler in der Ganztagsschule Altendiez zahlen pro Monat eine freiwillige Zuwendung in Höhe von 190 Euro, zuzüglich 25 Euro für einen eigenen Laptop und 50 Euro für den Caterer", erklärt Schulleiter Jens Feld. Doch der Beitrag sei nicht verpflichtend und werde bloß von rund 80 Prozent der Eltern gezahlt. So sei das Finanzierungsmodell auch kalkuliert. Feld: "Für die Aufnahme spielt Geld keine Rolle. Manche Eltern zahlen freiwillig sogar mehr, als sie müssten, weil sie mit der Leistung unserer Schule sehr zufrieden sind."

Ob sich ein privates Gymnasium nach dem Konzept des Oranien-Campus Altendiez in der Verbandsgemeinde Speicher umsetzen ließe, soll eine Machbarkeitsstudie klären. Der VG-Rat Speicher will Jens Feld beauftragen, solch eine Studie anzufertigen: Kostenpunkt: 12 000 Euro. Die Studie soll klären, ob die Verbandsgemeinde Speicher ausreichend Potenzial für ein privates Gymnasium hergibt. Wobei eine Machbarkeitsstudie auch über Verbandsgemeinde- und Kreisgrenzen hinweg die Zahl der Schulabgänger betrachte, erklärt Feld. "Entscheidend für die Einschulung ist nicht die Entfernung, sondern wie attraktiv die Schule für Kinder ist", meint Schulleiter Feld, "denn gute Arbeit spricht sich rum."