Eine Hecke trennt Mensch und Storch

Eine Hecke trennt Mensch und Storch

Während nach den Sommerferien das rund vier Kilometer lange Teilstück des Enzradwegs zwischen Enzen und Schankweiler in Angriff genommen werden soll, klaffen im oberen und unteren Verlauf des Radwegs weiterhin zwei Lücken. Zwischen Neuerburg und Sinspelt hängt das mit dem hohen Aufwand und den Kosten zusammen, zwischen Schankweiler und Hols-thum vor allem damit, dass man sich bislang noch nicht auf einen Verlauf einigen konnte.

Noch besteht der Sichtschutz im Wesentlichen nur aus ein paar dünnen Trieben und einigen schmalen, vierkantigen, grünen Plastikrohren, die alle paar Meter in den Himmel ragen. Auch in diesen Kunststoffhüllen wächst etwas, wobei man das auch nur sieht, wenn man von oben hineinschaut. Ansonsten ist die Hecke so blickdicht wie ein Fußballtor. Das allerdings soll sich bald ändern. "In zwei Jahren sieht das hier schon ganz anders aus", sagt Förster Olaf Böhmer. "Das geht schnell."

Rund 140 Meter Hecke wurden auf einer Wiese südlich von Enzen angepflanzt. Östlich dieser Hecke verläuft die Enz und westlich davon dann zukünftig der dazu gehörende Enzradweg. Voraussichtlich nach den Sommerferien soll mit dem Ausbau des Teilstücks zwischen Enzen und Schankweiler begonnen werden (siehe Extra). Die Hecke ist Teil dieses Projekts. Unterhalb der jungen Pflanzen ist nämlich nicht nur die Enz, sondern auch ein Schwarzstorch-Revier. Damit die unter Naturschutz stehenden Tiere bei der Nahrungssuche nicht von neugierigen Radfahrern gestört werden, gab es seitens der Naturschutzbehörde die Auflage, einen Sichtschutz zu schaffen.

Dass sich der Vogel gerne an der Enz aufhält, ist bekannt. "Wir haben die Schwarzstörche schon seit 20 Jahren in Schankweiler", sagt Ortsbürgermeister Gerhard Schmalen. Doch erst mit der Radwegplanung sei auf einmal die Diskussion um den Schutz der Tiere aufgekommen. Für Schmalen ist das insoweit ärgerlich, weil der Schwarzstorch der Gemeinde einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Konkret geht es dabei um das letzte Stück des Enzradwegs von Schankweiler bis nach Holsthum.

Ursprünglich war die Überlegung, den Radweg auch dort möglichst nah entlang der Enz verlaufen zu lassen. Doch weil im Bereich Schankweiler Rotmilane und Mäusebussarde brüten, der Neuentöter ebenfalls dort sein Revier hat und vor allem der auf der Roten Liste stehende Schwarzstorch nach Nahrung sucht, gab es von der Naturschutzbehörde keine Genehmigung für diesen von Schankweiler nach wie vor favorisierten Verlauf (der TV berichtete). Seitdem suchen die Beteiligten nach einer Alternative. Doch irgendwie konnten sich die Gemeinden Schankweiler und Holsthum mit dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) Gerolstein bislang nicht auf einen Routenverlauf verständigen.
Wie der zuständige LBM-Mitarbeiter Oliver Arimond erklärt, solle in den nächsten Monaten ein neuer Routenverlauf vorgelegt werden. Aktueller Stand der Planung sei der, den Radweg von der Ortslage Schankweiler zunächst über die kleine Enzbrücke zu führen, von wo aus er in Richtung Holsthum ein Stück weit entlang der L 2 verlaufen soll und dann möglicherweise über Wirtschaftswege nach Holsthum führen würde. Weil der genaue Verlauf noch nicht bekannt sei, könne er derzeit nichts zu den Kosten sagen.
Dafür aber weiß Arimond bereits jetzt, dass es anderer Stelle richtig teuer wird. Denn abgesehen von dem Teilstück bei Schankweiler gibt es auch noch im Bereich Daudistel, zwischen Neuerburg und Sinspelt, eine Lücke im Enzradweg. Die ist zwar nur knapp 800 Meter lang, doch ist der Lückenschluss mit viel Aufwand verbunden. Dort sollen die drei Stützwände der L 4 erneuert werden, über die dann später auch der Radweg verlaufen würde. Damit verbunden wäre laut Arimond auch eine Verlagerung des Enzverlaufs, sodass auf das Land rund zwei Millionen Euro Investition zukämen. Zwar werde noch in diesem Jahr mit dem Planverfahren begonnen, sagt Arimond, doch mit einem Baubeginn sei allerfrühestens 2016 zu rechnen: "Das Baurecht ist insofern nicht wirklich hilfreich, so lange dafür kein Geld zur Verfügung steht."Extra

Von dem rund 4,5 Kilometer langen Teilstück des Enzradwegs zwischen Enzen und Schankweiler liegen 2,4 Kilometer auf dem Gebiet der VG Bitburg-Land und die restlichen 2,1 Kilometer bis Schankweiler auf dem Territorium der VG Irrel. Rund 660 000 Euro, die gemäß der jeweiligen Streckenlänge auf die beiden Verbandsgemeinden verteilt und mit rund 75 Prozent vom Land bezuschusst werden, soll der Abschnitt kosten. Ähnlich vom Land finanziert werden soll auch das Teilstück zwischen Schankweiler und Holsthum, wobei der Radweg laut LBM nur bis zu einer Breite von 2,5 Metern bezuschusst wird. Wünschen die Gemeinden einen breiteren Weg, um diesen dann auch als Wirtschaftsweg nutzen zu können, so müssen diese die Kosten für die zusätzliche Breite selbst tragen. uhe