Eine Zukunft für die Vergangenheit

Jünkerath · Erleichterung an der Oberen Kyll: Die drohende Schließung des Eisenmuseums ist offenbar vom Tisch - und damit hat auch das Eisenbahnmuseum wieder eine Zukunft. Doch nun beginnt die Arbeit; an einer dauerhaft tragfähigen Lösung.

Jünkerath. Eisen und Eisenbahn - zwei Dinge, die ganz entscheidend mit der Kyllgemeinde Jünkerath verbunden sind. Aus beiden Keimzellen, der im 17. Jahrhundert gegründeten Eisenhütte der Grafen von Manderscheid-Blankenheim und der 1870 verlegten Eisenbahn, wuchs das heutige Jünkerath, das erst 1930 aus der Gemeinde Glaadt unter Einbeziehung von Teilen von Feusdorf, Gönnersdorf und Schüller hervorgegangen ist. Nur daraus ist zu verstehen, welche Bedeutung diese Museen dort haben.
Deshalb war Jünkeraths Ortsbürgermeister Rainer Helfen mit einer 13-köpfigen Abordnung nach Daun gereist, wo der Kreistag am Montag über die Zukunft der Museen zu entscheiden hatte, denn am Schicksal des vom Vulkaneifelkreis getragenen Eisenmuseums hängt auch das privat betriebene Eisenbahnmuseum, das im Keller untergebracht ist.
Der entscheidende Schritt: Einmütig hat der Kreistag das Eisenmuseum von der Streichliste genommen. "Wir hatten am Freitagabend noch eine Krisensitzung im Museum mit einigen Kreistagsmitgliedern", sagt Helfen. "Das hat wohl ein bisschen Eindruck gemacht." Jedenfalls äußern sich schließlich im Kreistag alle Fraktionen einheitlich für die Erhaltung des Museums (der TV berichtete). "Ich bin auf jeden Fall jetzt zuversichtlicher als vorher", sagt Wolfgang Kreckler, Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Jünkerath.
Doch nun beginnt der komplizierte Teil. Nämlich die Frage, wie und vor allem wer künftig die kalkulierten Kosten von rund 35 000 pro Jahr trägt. Denn die Einnahmen aus Eintritten belaufen sich nur auf rund 6000 Euro.
Es werde, so die aktuelle Einschätzung von Helfen, darauf hinauslaufen, dass die Gemeinde das Gebäude kostenlos vom Kreis übernimmt und die dafür notwendige energetische Sanierung finanziert.
Was das genau kosten wird, steht noch nicht fest. Aber der Gemeinde werde eine Förderung in Höhe von 65 Prozent in Aussicht gestellt, sagt Helfen. "Wenn das als Pflichtaufgabe gilt, ist das auch kein Problem." Später sollen die beiden Museen zusammengelegt und von einer Stiftung getragen werden. "Experten geben der Stiftung durchaus eine Chance", sagt Kreckler, "wie auch immer sie später genau aussieht."
Allerdings wird der Kreis das Eisenmuseum nicht zur Gänze von der Ausgabenliste streichen können. Denn zumindest die Betriebskosten aus dem Jahr 2010 hätten die Jünkerather gerne als Zuschuss - zumindest für die erste Zeit. Die genaue Höhe sei nun Verhandlungssache, sagt Helfen. "Das wäre wichtig, damit wir hier loslegen können", sagt Kreckler. Er ist zuversichtlich, dass man auf lange Sicht auch ohne die Zuschüsse auskommen könne. Das müsse das Ziel sein. Helfen und Kreckler begrüßen die Entwicklung, dass künftig mehr vor Ort entschieden wird. Dann könne man auch die Vermarktung des Museums intensivieren. "Ich glaube, dass es uns gelingen kann, auch die Besucherzahlen wieder zu steigern", sagt Kreckler. Für 2010 verzeichnet die Statistik 2234 Besucher im Eisenmuseum, beim Eisenbahnmuseum sind es rund 1000 Besucher jährlich.