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Heimatforscher aus Eisenach will sich von prähistorischer Steine-Sammlung trennen

Eisenach/Speicher/Welschbillig. Seit seiner Kindheit sammelt der ehemalige Landwirt und Heimatforscher Werner Weber aus Eisenach alles an prähistorischen Steinen und Werkzeug, was der Boden freigibt. Mit Blick auf seinen 75. Geburtstag überlegt er nun, wo er seine umfangreiche Sammlung hingeben kann, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Das Museum Speicher und die Ortsgemeinde Welschbillig zeigen Interesse. Wilma Werle

Den Stein ins Rollen gebracht hat vor bald 70 Jahren der Großvater von Werner Weber. Er war es, der dem Jungen bei der Feldarbeit den Spruch "Donnerkeil nochmal" erklärt hat: "Wir hatten gerade einen Donnerkeil gefunden. Das ist ein Stein, der in der Steinzeit geschliffen und als Beil genutzt wurde. Normalerweise liegen die in der Erde. Durch starken Regen werden sie freigeschwemmt. Unsere Vorfahren aber glaubten, der Donnergott Donar habe sie beim Gewitter vom Himmel geworfen", erinnert sich Weber an diese Begebenheit.

Seitdem hat ihn das Sammelfieber gepackt. "Beim Kappen von Rummeln habe ich mal drei Pfeilspitzen an einem Tag gefunden", sagt der ehemalige Landwirt, der heute noch über Stock und Stein läuft und die Augen dabei offen hält.
Unzählige Donnerkeile, Faustkeile, Schaber und Feuersteine aus Diabas, Tonschiefer oder Grauwacke hat er in seinem kleinen, privaten Museum unter dem Dach seines Hauses in Eisenach fein säuberlich in Vitrinen aufgereiht, sortiert und beschriftet. "Ich glaube es manchmal selbst nicht, dass man in einem Leben so viel zusammentragen kann", sagt er bescheiden. Haben die Funde ihn denn auch steinreich gemacht? "Ich habe keine Ahnung, was das wert ist, will es auch nicht wissen. Die Freude, die darin steckt, wenn man etwas findet, kann man nicht berechnen." Das einzige, was ihm wichtig ist: Die Sammlung soll nach seinem Tod nicht aufgeteilt werden.

Sein 75. Geburtstag in diesem Jahr ist so etwas wie ein Meilenstein für Weber. Er überlegt: Wie kann die Sammlung für die Nachwelt erhalten bleiben? "Meine drei Kinder haben wohl Interesse daran, aber nicht das Fachwissen und die Erfahrung", sagt er. Stattdessen würde er die Funde lieber an eine Gemeinde oder an ein Museum abtreten. "Das Landesmuseum Trier hat den Schwerpunkt Römer, das Museum Bitburg konzentriert sich mehr aufs Mittelalter", meint er. Offene Türen würde Weber in Speicher finden: "Das wäre eine Bereicherung für unser Museum, und wir hätten auch den Platz und die Vitrinen dafür", bestätigt Museumsleiter Werner Streit gegenüber dem TV. Doch Weber liebäugelt mit dem von Eisenach nur einen Steinwurf entfernten Welschbillig: "Ich bin ja noch ein alter Kurfürst-Anhänger", sagt er lachend und gibt unumwunden zu, dass es ihn immer noch wurmt, dass Eisenach bei der Kommunalreform in den 1970er Jahren dem damaligen Kreis Bitburg zugeordnet wurde. "Die Eisenacher Bauern beackern viele Felder auf der anderen Seite der Bundesstraße 51 auf Welschbilliger Flur. Da habe ich viele Funde gemacht. Welschbillig — das passt."

Das sieht auch Ortsbürgermeister Werner Olk so: "Der Ortsgemeinderat hat beschlossen, in ersten Schritten zu eruieren, wo was aufgestellt werden kann. In der Kultur- und Marktscheune wäre Platz für Vitrinen; in der Grundschule ist ein großer Raum frei." Im kommenden Oktober feiert Welschbillig 725 Jahre Stadtrechte — für Weber der ideale Zeitpunkt, den Anfang zu machen und die ersten Dauerleihgaben zu übergeben, auch wenn's ihm schwerfällt, wie er zugibt. Aber alles geregelt zu haben, ließe ihm auch einen Stein vom Herzen fallen.

 Dieser Donnerkeil, den der Eisenacher Heimatforscher Werner Weber hier zeigt, besteht aus heimischer Grauwacke. In der Steinzeit wurde er geschliffen und als Beil genutzt. Im Hintergrund sind fein säuberlich aufgereiht Pfeilspitzen aus den Jahren 15 000 bis 1000 v. Chr. zu sehen.
Dieser Donnerkeil, den der Eisenacher Heimatforscher Werner Weber hier zeigt, besteht aus heimischer Grauwacke. In der Steinzeit wurde er geschliffen und als Beil genutzt. Im Hintergrund sind fein säuberlich aufgereiht Pfeilspitzen aus den Jahren 15 000 bis 1000 v. Chr. zu sehen. FOTO: Wilma Werle