Saures aus der Gerüchteküche: Droht dem Seniorenheim in Daleiden die Insolvenz?

Saures aus der Gerüchteküche: Droht dem Seniorenheim in Daleiden die Insolvenz?

Dem Seniorenheim in Daleiden, voriges Jahr eröffnet, soll die Insolvenz drohen. Dummes und boshaftes Gerede, heißt es bei den Verantwortlichen. Dagegen will man sich wehren - und öffnet dem TV die Türen.

Kaum einer kennt das Seniorenheim "Eifelgold" in Daleiden länger als Karl-Heinz Baumann: Von 1971 bis 1989 nämlich, als das Haus noch von den Dominikanerinnen als Kloster betrieben wurde, war er Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arzfeld und hat es oft besucht.

In den vergangenen zwei Wochen war der 83-Jährige wieder dort: in Kurzzeitpflege - denn Baumanns Lebensgefährtin Vera Aigner, die sich normalerweise zu Hause in Bleialf um ihn kümmert, war nicht da: "Ich habe Urlaub gemacht", sagt sie, "und ich kann ihn ja nicht allein hier lassen."

Baumanns Urteil nach den beiden Wochen in Daleiden: "Freundlich, nett und aufgeschlossen" seien die Mitarbeiter im Seniorenheim. Alle geschult, mit gutem Umgang, "die geben sich schon alle Mühe. Da kann man nicht klagen."

Es ist nicht ohne Bedeutung, was der Ex-Kommunalchef sagt. Gerade in diesen Tagen: Denn in der Gemeinde geht das Gerücht um, die Residenz stehe vor der Insolvenz. Weshalb sich auch Ortsbürgermeister Herbert Maus beim TV gemeldet hat. Um diesen Dingen entgegenzutreten. Denn im "Eifelgold" laufe alles ordentlich: "Auf jeden Fall", sagt Maus. "Wenn ich das Gefühl hätte, hier ist was faul, würde ich das nicht tun."

Immerhin habe Eigentümer Alfred Hamacher - der Allgemeinarzt betreibt ein weiteres Seniorenheim im nordrhein-westfälischen Bedburg - ja nicht sechs Millionen Euro in Daleiden investiert, "um hinterher die Flinte ins Korn zu werfen".

Allerdings hat sich seit dem Umbau und der Eröffnung, über die der TV im April 2016 berichtete, allerhand getan: Die damalige Führung ist bereits wieder weg. Hamacher spricht von einer unglücklichen Wahl, die "nicht ganz in unserem Sinn" gewesen sei. Und das habe mit dazu geführt, dass sich die Belegung im Haus bisher "in Grenzen hält".
Hamacher setzte deshalb Sabine Skupke als kaufmännische Leiterin ein und Ramona Irsch als Chefin der Pflegekräfte: "Wir beide" sagt Sabine Skupke, "bilden die Allianz, die die Einrichtung jetzt leitet."

Das sei die beste Lösung - denn bisher habe sich dort niemand um das Kaufmännische kümmern können. Und um all die Formalitäten: "Es ist ganz wichtig, dass die Leute hier einen Ansprechpartner haben", sagt Sabine Skupke. "Die wollen wissen: Wo muss ich welchen Antrag stellen, um die Kosten erstattet zu bekommen?"

Das Haus in Daleiden hat Platz für 50 Bewohner. Derzeit sind es rund 20. Betreut werden sie von 15 Menschen - Fachkräften, Helferinnen und zwei sogenannten Alltagsbegleitern, die mit den Bewohnern spazieren gehen, spielen oder ihnen vorlesen. Die Zimmer: geräumig, hochwertig eingerichtet, einige mit Balkon, draußen eine große Terrasse und noch Platz für einen weiteren Ausbau.

Aber 20 Bewohner bei 50 Plätzen? Da ist also noch Luft. Ja, sagt Sabine Skupke - "uns liegt ja daran, das Haus auf vernünftige Beine zu stellen.Und dafür tun wir alles."

Dazu gehöre auch der Ausbau der Kurzzeitpflege. Und deshalb "darf es solche Gerüchte nicht geben." Das mit der drohenden Insolvenz sei "eine bodenlose Frechheit". Und falls man herausfinde, wer so etwas in Umlauf bringe, "dann werden wir den verklagen".

Das Haus stehe auf stabilen finanziellen Füßen, sagt Alfred Hamacher und kommentiert das Gerede mit Ironie: "Hoch lebe die Gerüchteküche", sagt er. Aber da sei nichts dran.

Viel lieber spricht er von seinen Plänen, die Residenz noch zu erweitern. Und er habe vor, "mit Energie, Freude und Lust meine Ideen zu komplettieren". Dazu gehören weitere Einzelzimmer, aber auch Apartments für Bürger, die das Betreute oder "Service-Wohnen" nutzen möchten, "wo man auf Knopfdruck alles bekommt, was man als älterer Mensch braucht". Und wenn die Zahl der Bewohner und Kurzzeitnutzer steige, werde man auch weiteres Personal einstellen.

Könnte klappen: "Es haben sich schon wieder einige angemeldet," sagt Ramona Irsch. Derzeit planten sechs Frauen und Männer, demnächst die Kurzzeitpflege zu nutzen.

Karl-Heinz Baumann jedenfalls hat es gut gefallen, zumal er "ein schönes, großes Zimmer" gehabt habe. Einziges Problem: Übers Wochenende konnte ihn Vera Aigner nicht aus dem Urlaub anrufen. Der mobile Empfang sei schlecht, und per Festnetz sei das Büro samstags und sonntags nicht zu erreichen - weil nicht besetzt.

Sabine Skupke weiß das. Aber man werde das ändern und den Angehörigen die Durchwahl des Pflegedienstes mitgeben. Tags darauf sagt Ramona Irsch, dass es ein Problem mit der Umstellung des Büro-Anschlusses auf den Pflegedienst gegeben habe: "Aber das ist geregelt. Wir sind jetzt 24 Stunden lang erreichbar."

Und wenn dann, wie alle hoffen, das Haus einmal voll belegt wäre? Haben dann die Pflegekräfte weniger Zeit für die Bewohner? Von wegen, sagt Sabine Skupke: "Dann haben wir auch mehr Personal. Und das wird sich die Zeit für die Leute selbstverständlich nehmen."

Er sei nicht einfach irgendein Investor, der das nur des Geldes wegen mache, sagt Alfred Hamacher. Sondern eben mit Herzblut. Deshalb stehe er mit voller Verantwortung für das Haus. "Und ich will, dass die Leute sagen: Das ist toll." Wer in Daleiden einziehe, der solle "so weiterleben, wie er es gewohnt ist".

Und den Zweiflern hält er dann noch einen Satz entgegen: "Bei uns", sagt Alfred Hamacher, "gilt Transparenz bis unter den Dachstuhl. Jeder kann das erleben und sich angucken."
Meinung: Mach dir ein Bild

Auch er nutzt die Kurzzeitpflege: Ex-Kommunalchef Karl-Heinz Baumann. Foto: privat. Foto: (e_pruem )

Irgendetwas lief anfangs nicht rund in der Daleidener Seniorenresidenz. Umso erfreulicher ist zu sehen, dass man dort reagiert und gegengesteuert hat. Ein Eindruck, der sich in den Gesprächen mit allen Verantwortlichen verstärkt: Es herrscht Offenheit. Und der spürbare Wille, da etwas Gutes hinzubekommen. Wer Gerüchte streut, sollte sich überlegen, was er da tut. Und wer es genau wissen will, der sollte Alfred Hamacher beim Wort nehmen. Hingehen. Hinschauen. Und sich selbst ein Bild machen.

f.linden@volksfreund.de