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Schwarze Eifel mit grünen und blauen Punkten

Schwarze Eifel mit grünen und blauen Punkten

Immer weniger und immer älter: Sieht so die Zukunft der politischen Parteien aus? Was Mitgliederzahlen angeht, treten die Parteien im Eifelkreis entweder auf der Stelle oder müssen Verluste verkraften. Ausnahmen: die Grünen und die Freien Wähler.

Bitburg/Prüm. "Riesiges Rekrutierungsproblem" und "kein Comeback": Dieses Schicksal hat der Trierer Politikprofessor Uwe Jun den politischen Parteien vorausgesagt (der TV berichtete). Ein Blick auf den Eifelkreis Bitburg-Prüm:
An den Mitgliederbestand der Kreis-CDU reichen die Grünen zwar bei weitem nicht heran, sie sind aber die einzige Partei im Eifelkreis, die in den vergangenen Jahren deutlich an Mitgliedern gewonnen haben.
Die großen Parteien haben es etwas schwerer: Die CDU, die mit Abstand größte Partei im Eifelkreis, verzeichnet im Vergleich zu vor zehn Jahren Verluste, während sich die SPD damit zufriedengeben muss, nach zwischenzeitlichem Abwärtstrend wenigstens wieder auf ihrem Stand von vor zehn Jahren zu sein. Bei der FDP und den Linken gab es - zumindest auf langfristige Sicht - keine größeren Veränderungen im Bereich der Mitgliederzahlen.

Mit aktuell 1676 Mitgliedern ist die CDU die stärkste Partei im Kreis, mit einem Durchschnittsalter von etwa 55 Jahren aber auch die älteste. Die CDU verzeichnet in den letzten Jahren größere Schwankungen und verliert langfristig an Mitgliedern. Nach Angaben von Michael Billen, Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes, lag in den Jahren 2002 bis 2005 die Mitgliederzahl konstant über 1800 - heute hat die Partei mehr als 100 Mitglieder weniger. Um das Ruder wieder herumzureißen, muss einiges passieren, weiß Billen: "Die Mitgliederentwicklung ist auch eine Folge der gesellschaftlichen Entwicklung. Um den Mitgliederschwund zu stoppen, müssen wir einen Mehrwert für Mitglieder schaffen. Politik muss wieder von unten nach oben stattfinden und nicht umgekehrt. Die Mitglieder müssen wieder mehr Einfluss gewinnen."
600 Mitglieder zählt die SPD im Kreis zurzeit - so viele wie auch vor zehn Jahren. Vor fünf Jahren war die Mitgliederzahl zwischenzeitlich auf 500 gesunken. "In den letzten drei Jahren gab es bei der Zahl der Mitglieder erfreulicherweise keine großen Schwankungen", sagt Kreis-Vorsitzende Monika Fink. Für die Zukunft rechne man jedoch nicht mit einer größeren Mitgliederzahl. Fink: "Der Mitgliederschwund ist sowohl auf die demografische Entwicklung wie auch auf die geänderte Einstellung der Menschen zurückzuführen. Anders als noch vor Jahren sind heute sind nicht mehr so viele Menschen bereit, sich politisch zu engagieren und sich zeitlich einbinden zu lassen." Im Durchschnitt seien die Mitglieder der SPD im Eifelkreis etwa 53 Jahre alt. Den Genossen neu beitreten würden aber vor allem junge Leute.
Die Mitgliederzahlen der FDP sind auf längere Sicht relativ konstant geblieben. Rückläufige Zahlen stellt die FDP seit März vergangenen Jahres fest. Hier manifestiert sich ein deutschlandweiter Trend: "Die Bundespolitik ist nun mal auch für uns hier an der Basis nicht förderlich", erklärt Kreisvorsitzender Günter Eichertz. Zumindest hätten ihm Austreter gesagt, dass ihre Entscheidung nichts mit der Kreispolitik zu tun gehabt hätte. Hinzu komme, dass heute alle Parteien zu kämpfen hätten. "Die Leute wollen sich nicht mehr langfristig festlegen, sondern je nach Projekt entscheiden", sagt Eichertz. Aktuell zählt die Kreis-FDP 90 Mitglieder bei einem Durchschnittsalter von 48 Jahren.
Der FDP dicht auf den Fersen sind die Grünen. Hatte die Partei im Kreis vor zehn Jahren nur etwa 30 Mitglieder, sind es heute 80. Grünen-Geschäftsführer Helmut Fink kennt die Gründe für den kontinuierlichen Zuwachs: "Grüne Themen sind aktueller denn je. Die Grünen sind keine Exoten mehr wie früher. Zu uns kommen Leute, denen Klima, Natur und Umwelt am Herzen liegen und die sich engagieren möchten." Die Grünen sind die Jüngsten im Eifelkreis: Fink schätzt, dass etwa 15 Mitglieder jünger als 30 Jahre sind. Das Durchschnittsalter liege bei 45 Jahren. Ziel der Grünen sei es, bis zu den nächsten Kommunalwahlen 2014 die 100-Mitglieder-Grenze zu erreichen.
Deutliche Schwankungen sind bei den Linken, über mehrere Jahre gesehen, nicht zu verzeichnen. Heute hat die Partei mehr als 30 Mitglieder. Im Eifelkreis gibt es die WASG erst seit 2005. Nach Angaben des Kreisvorsitzenden Bernd Kruse hat die Partei Die Linke in den vergangenen Monaten aber Mitglieder verloren. Drei Gründe gibt er hierfür an: Ein Ortswechsel von jüngeren Mitgliedern, aus schulischen oder beruflichen Gründen, ziehe den Übertritt in einen anderen Kreisverband nach sich. Des weiteren wären Mitglieder, die ihrer Beitragszahlung trotz eines Mahnverfahrens nicht nachgekommen seien, aus der Partei ausgeschlossen worden. Auch innerparteiliche Auseinandersetzungen hätten zu Mitgliederverlusten geführt. Das Durchschnittsalter liege bei 47 Jahren, so Kruse.
FWG: Und wie sieht es bei den Freien Wählern aus? Die Freien Wähler sind keine Partei, sondern ein Verein, machen aber auch Politik. Im Kreis gibt es insgesamt 650 Freie Wähler - diese verteilen sich auf 108 Mitglieder im Kreisverband und die Mitglieder der acht freien Gruppen in der Stadt Bitburg und den sieben Verbandsgemeinden. Vor zehn Jahren waren es insgesamt noch etwa 500 Mitglieder. "Der Trend geht ganz klar nach oben", sagt FWG-Kreisvorsitzender Rudolf Rinnen. "Die Parteien haben durch ihr Verhalten viel an Wählerkredit eingebüßt. Die Freien Wähler wissen, was für die Bürger gut ist, besser als manche Parteien, die in Gemeinderäten gar nicht vertreten sind."