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Wie denkt Bitburg wirklich?

Stadtentwicklung : Wie denkt Bitburg wirklich? - Netzgemeinde diskutiert Ärger zwischen Stadt und Feuerwehr

Kaum ein Thema wird in der Bierstadt derzeit so heftig diskutiert wie die Wahl des Wehrleiters. Dass der Bürgermeister den Amtsinhaber Manfred Burbach nicht mehr ernennen will, hat für Aufregung gesorgt. Den Stadtrat weiß Joachim Kandels aber offenbar hinter sich.

Mehr als 2000 Mitglieder zählt die Facebook-Gruppe „So denkt Bitburg!“ mittlerweile. Diskutiert wird dort nur über ein einziges Thema: die Wehrleiterwahl bei der Feuerwehr am 25. Mai. Die Personalie hat sich in der Bierstadt zu dem Aufreger der vergangenen Wochen entwickelt – und das weit über Feuerwehrkreise hinaus. Denn jüngst wurde bekannt, dass Bürgermeister Joachim Kandels den Amtsinhaber Manfred Burbach nicht für weitere zehn Jahre ernennen will (der TV berichtete). Der Stadtchef forderte von den Rettungskräften, dass sie einen anderen Kandidaten aufstellen.

Das sagt die Netzgemeinde: Ein Artikel zum Thema ist tagelang der meistgelesene Text auf der Internetseite des Volksfreundes. Auch auf dem Facebook-Profil der Bitburger Lokalredaktion sorgt der Beitrag für Wallung, wird mehr als 48-mal geteilt und einige Male kommentiert. So fordert der Nutzer Michel Weiler etwa, dass alle Feuerwehrleute ihr Ehrenamt niederlegen sollten, falls der Bürgermeister „die Wahl derart missachtet“. Kommentator Werner Stein gibt ihm Recht: „Ist das noch Demokratie?“

Ähnliche Beiträge sind auch auf der Facebook-Seite „So denkt Bitburg!“ zu lesen. Hier fordern manche sogar öffentlich den Rücktritt des Bürgermeisters. „Wenn Kandels nicht in der Lage ist, den Forderungen der Feuerwehr sachlich zu begegnen, dann soll er selbst die Konsequenz ziehen und zurücktreten“, schreibt etwa Lothar Penning. Und er ist nicht der Einzige, der die Vorgehensweise des Bürgermeisters kritisch sieht. Der Stadtchef kommt bei den Mitgliedern der Gruppe nicht  gut weg.

Verteidiger von Kandels melden sich in der Gruppe kaum zu Wort. Es gibt aber einige, die die Situation differenzierter sehen. So schreibt etwa das ehemalige Stadtratsmitglied Rudolf Rinnen: „Verlierer gibt es nach einer solchen möglichen Entscheidung viele und ein riesengroßer Scherbenhaufen bleibt.“ Der Nutzer Thomas Schneider sieht die Verantwortung dafür, dass der jahrelange Streit zwischen Feuerwehr und Stadt zu eskalieren droht offenbar beim Wehrleiter und beim Bürgermeister. Er schreibt von einer „Hetzjagd auf beiden Seiten.“

Das sagt der Stadtrat: Das Wort „Hetzjagd“ benutzt Willi Notte nicht. Der Fraktionsvorsitzende der „Liste Streit“ im Bitburger Stadtrat findet aber auch, dass die Diskussion über die Personalie Burbach online zuweilen die Sachlichkeit vermissen lasse. Er wünsche sich in der Debatte  allgemein „mehr Maß“. Zur Sache sagt Notte, er könne verstehen, warum Kandels den amtierenden Wehrleiter nicht für weitere zehn Jahre ernennen wolle: „Die Bitburger Feuerwehr ist übermotiviert, sie schießt oft übers Ziel hinaus. Und Burbach hat sie darin bestärkt.“

Dem pflichtet auch Michael Ludwig, Fraktionssprecher der CDU, bei: „Es muss Vertrauen zwischen der Verwaltung und leitenden Angestellten geben. Wenn das Verhältnis nicht mehr stimmt, muss der Bürgermeister reagieren.“ Kandels könne sich in dieser Sache daher dem Rückhalt der Christdemokraten im Rat sicher sein. Und offenbar auch dem der anderen Fraktionen. Im nicht-öffentlichen Teil der jüngsten Stadtratssitzung hätten sich Vertreter aller vertretenen Parteien dafür ausgesprochen, Burbach nicht mehr zum Wehrleiter zu ernennen, sagen Beobachter. Diese Haltung bestätigen die Kommunalpolitiker, die sich sonst so selten einig sind, auch gegenüber dem TV.

So bezeichnet Irene Weber von der SPD das Vorgehen des Bürgermeisters als „angemessen“. Die fachliche Qualifikation von Manfred Burbach sei zwar unbestritten. Aber der Wehrleiter habe sich Dienstanweisungen widersetzt. Und das müsse der Bürgermeister sich nicht bieten lassen.

Manfred Böttel von der Freien Bürger Liste stimmt dem zu: Es gebe Missverständnisse zwischen Feuerwehr und Stadtverwaltung. Und die hätten sich auch durch Gespräche nicht auflösen lassen. Also sei es der richtige Schritt, einen Nachfolger für Burbach zu finden. Er betont aber auch: „Wir haben eine sehr gute Feuerwehr. Ich hoffe, dass niemand der engagierten Ehrenamtlichen austritt.“

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Peter Berger, äußert sich nur knapp zum Sachverhalt. Die Personalangelegenheit sei „Chefsache“. Verständnis für das Vorgehen gebe es aber auch bei seiner Partei.

Das sagen die Beteiligten: Weder Bürgermeister  Kandels noch Wehrleiter  Burbach wollen sich öffentlich zu dem Konflikt äußern. Im Moment scheint es aber unwahrscheinlich, dass man sich vor der Wahl einigt. Die Feuerwehr hat bisher, anders als der Stadtchef es gefordert hat. keinen anderen Kandidaten als Burbach nominiert. Und offenbar gedenkt man dies auch nicht zu tun, wie es in Feuerwehrkreisen heißt.