Windkraft-Planungen in der Verbandsgemeinde Prüm: Schwarzer Mann bleibt in der Kernzone offenbar unbebaut

Windkraft-Planungen in der Verbandsgemeinde Prüm: Schwarzer Mann bleibt in der Kernzone offenbar unbebaut

In die Planungen der Verbandsgemeinde Prüm zur Windkraft auf dem Schneifelrücken kommt weitere Bewegung. Beschließen muss letztlich der Rat - aber aller Voraussicht nach dürfte das Gebiet direkt um den Schwarzen Mann von Anlagen freigehalten werden.

Prüm. Die Verbandsgemeinde (VG) Prüm wird morgen ihre fortgesetzte Windkraft-Planung ins Internet stellen ( www.pruem.de ) - also jene Dateien, die auch den Fraktionen im Rat bei ihrer Entscheidung über den künftigen Flächennutzungsplan als Basis dienen sollen.

Und siehe da: Seit der jüngsten Sitzung des VG-Rats (TV vom 7. Juli) haben sich noch einmal Veränderungen ergeben.
Denn in den vergangenen vier Wochen hat man, gemeinsam mit Reinhold Hierlmeier vom beratenden Trierer Büro BGHplan, zusätzliche Möglichkeiten diskutiert: "Es ist vieles auf dem Tablett", sagt Hierlmeier.
Der Tenor dabei: "Wir wollen den Eingriff auf dem Schneifelrücken insgesamt möglichst erträglich halten", sagt Bürgermeister Aloysius Söhngen.

Aus diesem Grund sind weitere Varianten in die Planung aufgenommen worden. "Ich verrate kein Geheimnis", sagt Söhngen, "wenn ich sage: Die Tendenz ist, auf keinen Fall eine Vielzahl von Anlagen im Bereich der Schneifel zu realisieren." Dabei sei aber zu bedenken, dass man dennoch das vorgegebene Ziel - zwei Prozent der VG-Fläche für Windkraft - einhalte.

"Letzter Stand der Überlegungen", sagt Reinhold Hierlmeier, sei daher, "ob man das Wintersportgebiet großzügig freihalten kann." Denn das sei immerhin der touristische Schwerpunkt in der VG. Genau das ist auch eines der Argumente, die von den Gegnern des Windkraft-Ausbaus auf der Schneifel vorgetragen werden.
Bei dieser nun diskutierten Variante - immer unter dem Vorbehalt, dass der VG-Rat das so entscheidet - würde ein Radius von zwei Kilometern rund um das Blockhaus am Schwarzen Mann geschlagen. Grob gesagt: Ungefähr zwischen dem Funkturm und der ehemaligen US-Radarstation bliebe das Gebiet frei von Windrädern. Die Anlagen würden dann nördlich und südlich davon aufgestellt - je nach Variante wären das noch zwischen elf und 19 Windräder.Kein Rotoren-Wildwuchs


Aloysius Söhngen verweist darauf, dass am Ende der VG-Rat entscheiden muss. So weit allerdings legt er sich fest: Mehr als 20 Anlagen werden es wohl nicht mehr. Auch die Variante mit Windrädern, die der Kammlinie folgen, scheint damit ebenfalls erledigt.

Den Vorwurf, man habe nicht genügend über den Fortgang der Planungen informiert oder gar über irgendjemanden hinweg Dinge beschlossen, weist Söhngen zurück: "Nein - das ist ein Prozess. Der läuft schon seit dem Jahr 2013. Wir haben seitdem viele Anregungen und viele Vorschläge erhalten." Darunter übrigens auch von Gemeinden und Bürgern, die darum gebeten hätten, an bestimmten Stellen Anlagen vorzusehen - es gebe eben nicht nur Gegner. Sondern auch eine Reihe von Flächeneigentümern und Windkraftunternehmen, die gewiss gern noch mehr Anlagen aufstellen würden.

Man sei aber immer nach der Maxime vorgegangen, sogenannte Konzentrationsflächen festzulegen, damit kein Rotoren-Wildwuchs entstehe. Und da müsse man eben das Gebiet intensiv betrachten, in dem der meiste Wind weht: die Schneifel.

Die jüngsten Vorgaben der Landesregierung zu den neuen Mindestabständen zwischen Windrädern und Siedlungsgebieten (unter anderem sollen Anlagen ab 200 Metern Höhe auf eine Distanz von 1100 Metern gehen, TV von Montag) berühren die Pläne in der VG Prüm unterdessen kaum: Man habe ohnehin von Anfang an einen Abstand von mindestens 1000 Metern zu Siedlungsgebieten vorgesehen, sagt Söhngen.
Insofern falle die neue Regelung kaum ins Gewicht.
Die Bürgerinitiative "Gegenwind Schneifel" plant für Mitte August eine weitere Informationsveranstaltung. Der Termin wird noch bekannt gegeben.Meinung

Nicht jedem wird's recht sein
Man muss sich das einmal vorstellen: Vor drei Jahren noch diskutierte man in der Verbandsgemeinde Prüm über eine Spanne von 30 bis 90 neuen Windkraftanlagen - zusätzlich zu den bereits knapp 120 bestehenden. Ein Aufschrei dagegen war damals kaum zu vernehmen. Inzwischen ist nur noch die Rede von höchstens 20 - und die Kernzone rund um das Wintersportgebiet am Schwarzen Mann soll frei bleiben. Die VG bewegt sich also offensichtlich in der Sache. Trotzdem ist jetzt schon klar, dass zwei Interessengruppen auch damit nicht zufrieden sein werden: diejenigen, deren Gewinn durch die Beschränkungen geschmälert wird. Und jene, die sowieso und grundsätzlich dagegen sind - und wäre es auch nur ein einziges Windrad. Der Vorwurf aber, dass die Planer keine Gegenargumente in Betracht ziehen, ist falsch. f.linden@volksfreund.deExtra

Foto: Jan-Philipp Strobel (e_pruem )

Für den Fall, dass die ursprünglich festgesetzten "weichen" Tabukriterien (zum Beispiel Schutzabstände zu windkraftsensiblen Vogelarten) dazu führen, dass der Windenergie "nicht substanziell Raum zur Verfügung gestellt wird", verlangt die Rechtsprechung, diese Kriterien zu überdenken. Die Distanz von 3000 Metern zu den Nestern gilt dabei als "Vorsorgeabstand" - errichtet man außerhalb davon Anlagen, müssen keine weiteren Analysen vorgenommen werden. Will man den Abstand aber unterschreiten, sind solche Untersuchungen erforderlich, um eine Gefährdung dieser Arten auszuschließen. Erst danach können auch in geringerem Abstand Anlagen gebaut werden - wie in der Verbandsgemeinde Prüm nun beabsichtigt. Bei Schwarzstorch und Rotmilan (Foto, dpa) verringerte man den Abstand auf 1000 Meter. Andererseits schloss man das Gebiet bei Winterscheid und Mützenich aus, weil dort eben eine Gefährdung die Folge gewesen wäre. fpl

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