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Die Bitburger Halle für alle...

Wer die Bitburger Stadthalle für Veranstaltungen mieten will, sollte ausreichend Geld auf dem Konto haben.
Wer die Bitburger Stadthalle für Veranstaltungen mieten will, sollte ausreichend Geld auf dem Konto haben. FOTO: Uwe Hentschel
Bitburg. …die es sich leisten können: Mit dem Pächterwechsel in der Bitburger Stadthalle sind auch die Kosten für die Nutzung drastisch gestiegen. Vielen ist das schlichtweg zu teuer. Von Uwe Hentschel

Die Veranstaltung mit Buchautorin Elke Heidenreich war ein Erfolg, die Rechnung, die wenige Wochen später kam, ein Schock: 3270 Euro. So viel sollte Josef Zierden für die Nutzung der Bitburger Stadthalle zahlen. Schockiert war der Leiter des Eifel-Literatur-Festivals nicht zuletzt deshalb, weil der Verein für die komplett ehrenamtlich organisierte Lesereihe in den vergangenen Jahren immer nur 500 Euro Nutzungsgebühr zahlen musste.

Den Rest hatte jedes Mal die Kulturgemeinschaft Bitburg übernommen. Was aber nicht heißt, dass sich Letztere bei Elke Heidenreich komplett aus der Finanzierung der Veranstaltung ausklinken wollte. Die Kulturgemeinschaft war auch dieses Mal bereit, sich an den Kosten zu beteiligen. Wäre das nicht der Fall gewesen, so hätte Zierden noch weitere 950 Euro in Rechnung gestellt bekommen. So viel nämlich kostet allein die Hallenmiete ohne Nebenkosten. Unterm Strich wären es also mehr als 4200 Euro gewesen.

Der Festivalleiter war nicht bereit, das zu bezahlen. „Ich bin dem Versuch, mir diese Rechnung ans Bein zu binden, entschieden entgegengetreten“, sagt Zierden. Und er habe damit gedroht, mit den übrigen vier in der Stadthalle geplanten Lesungen des Literatur-Festivals auf andere Veranstaltungsorte auszuweichen, sollte es nicht zu einer vernünftigen Lösung kommen.

Letztendlich haben sich die Kulturgemeinschaft und der Veranstalter darauf verständigt, es beim ursprünglichen Modus zu belassen: Zierden zahlt für jede der diesjährigen Veranstaltungen in der Stadthalle 500 Euro und die Kulturgemeinschaft übernimmt den Rest. „Wir haben uns dann noch dazu bereit erklärt, 700 statt 500 Euro pro Veranstaltung beizusteuern, weil uns die Kulturgemeinschaft schon irgendwie leidtat“, sagt der Organisator.

Grund für die unerwartet hohe Rechnung ist der im Oktober 2017 vollzogene Pächterwechsel. Der alte Pächter hat in der Regel eine Pauschale von 1200 Euro verlangt. Der Nachfolger hat die Preise ordentlich angezogen. Was auch das Bitburger Lehrer-Ehepaar Wolsiffer schmerzlich zu spüren bekam.  Markus Wolsiffer ist Leiter des Prümer Orchester Projekts, das Anfang Februar seinen jährlichen Auftritt in der Stadthalle hatte. Knapp drei Wochen später war dann Ehefrau Gabi Wolsiffer, die am Bitburger St.-Willibrord-Gymnasium unterrichtet, mit einem Schulkonzert in der Stadthalle. Knapp 3000 Euro musste das Prümer Orchester Projekt für die Hallennutzung zahlen, mehr als 2700 das Bitburger Gymnasium.

„Wir hatten vorher noch versucht, mit dem Pächter zu verhandeln, aber da war nichts zu wollen“, sagt Gabi Wolsiffer. Um die Kosten so gering wie möglich zu halten, habe die Schule deshalb die Stühle selbst aufgestellt. Das ergab immerhin eine Ersparnis von 681 Euro. Denn jeder Stuhl kostet einen Euro Miete und ein weiterer Euro wird für das Aufstellen jedes einzelnen Stuhles verlangt. Bei rund 800 Stühlen, die in den Saal passen, macht allein das 1600 Euro aus, die jeder Nutzer bei voller Ausstattung der Halle zahlen muss. Und das, obwohl die Stühle nicht dem Pächter, sondern zum Inventar der Halle gehören. Selbst die Stadt muss bei Veranstaltungen in ihrer Halle für ihre eigenen Stühle Miete zahlen.

Literatur-Festival-Chef Zierden kann darüber nur den Kopf schütteln. Und Gabi Wolsiffer auch. „Es ist schon traurig“, sagt sie. „Wir können mit unserem Schulkonzert nicht mehr in die Stadthalle gehen, weil wir uns das einfach nicht leisten können“, sagt Wolsiffer.

Dem schließt sich auch Matthias Schröder, Vorsitzender des Bitburger Karnevalsvereins Freunde der Bütt, an. „Für uns steht die Stadthalle erst gar nicht zur Diskussion, weil sie viel zu teuer ist“, sagt Schröder. „Es heißt ja eigentlich, die Stadthalle sei die Halle für alle“, erklärt er, „aber da läuft irgendwas schief.“

Dass die Preisgestaltung der Halle viele Vereine und sonstige Veranstalter abschreckt, weiß auch Elfriede Grewe, Geschäftsführerin der städtischen Betriebs- und Verwaltungsgesellschaft, die neben Eisbahn und Cascade auch für die Stadthalle zuständig ist. Wie Grewe erklärt, lägen die reinen Fixkosten der Halle bei jährlich 90 000 Euro. Damit diese nicht vom Pächter getragen werden müssen, wurde laut Grewe unter anderem ein Kontingent für die Nutzung der Halle ausgehandelt. „Wir bekommen 40 Veranstaltungen und zahlen dafür 60 000 Euro“, sagt sie. Die restlichen Unterhaltungskosten, für die die Stadt ebenfalls aufkomme, würden mit der Pacht von 12 000 Euro pro Jahr verrechnet, erklärt Grewe.

Pächter der Halle ist die Schneider Promotion & Transport GmbH aus Speicher. „Klar war die Halle vorher günstiger“, räumt der zuständige Mitarbeiter Manuel Krebs ein. Was aber nicht bedeute, dass sie seiner Ansicht nach jetzt zu teuer sei. „Wir orientieren uns mit unseren Preisen absolut an dem, was auf dem Markt in dieser Größenordnung üblich ist“, sagt Krebs. Es gebe eine offene Preisliste, in der jede Leistung aufgeführt sei, erklärt er. „Die andere Möglichkeit wäre, die Halle zu einem Pauschalpreis zu vermieten“, fügt er hinzu. Doch das wiederum wäre unfair jenen gegenüber, die das Gebäude nur für kleine Veranstaltungen nutzen wollten.

Wer mit einer kleineren Lösung zu deutlich günstigeren Konditionen zufrieden ist, entscheidet sich womöglich für das Haus der Jugend. So wie die Freunde der Bütt. Oder aber für das Haus Beda. So wie es Georg Sternitzke, Organisator der Mozart Wochen Eifel, getan hat. Ursprünglich sollte ein Konzert der Veranstaltungsreihe in der Stadthalle stattfinden. Doch nachdem Sternitzke durch Zierden darauf aufmerksam gemacht wurde, dass mit dem neuen Pächter auch neue Konditionen gelten, hat der Veranstalter das Konzert kurzerhand ins Haus Beda verlegt.

Für ein klassisches Konzert ist das Haus Beda in der Regel ohnehin die erste Wahl – für eine Verabschiedung von Abiturienten mit anschließender Feier eher weniger. Dann doch eher die Stadthalle. Vor allem dann, wenn man keinen eigenen Raum hat, um eine solche Veranstaltung durchzuführen. Wie zum Beispiel das Bitburger St.-Willibrord-Gymnasium. Dort gibt es keine Aula, weshalb die Abifeier auch in diesem Jahr wieder in der Stadthalle veranstaltet wurde.

Wie die Kreisverwaltung als Schulträger auf Anfrage mitteilt, hat sich der Kreis mit rund 5000 Euro am offiziellen Teil der Feier zur Verabschiedung und Aushändigung der Zeugnisse beteiligt. Damit allein war es aber nicht getan. Laut Kreisverwaltung hat die Halle inklusive aller Kosten am Ende mehr als 12 000 Euro gekostet. Die restlichen 7000 Euro mussten also die Abiturienten übernehmen.

Für die kommende Abifeier in der „Halle für alle“ – mit diesem Slogan sind die ersten Pächter 2009 an den Start gegangen – liegt dem jetzigen Abschlussjahrgang übrigens auch schon ein Kostenvoranschlag vor. Der liegt bei rund 13 000 Euro.