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Gesellschaft
Menschen mit Behinderung Mut machen

Die Trommelgruppe der St. Martin-Schule Bitburg hat die Zuschauer temperamentvoll unterhalten.
Die Trommelgruppe der St. Martin-Schule Bitburg hat die Zuschauer temperamentvoll unterhalten. FOTO: Stefanie Glandien / TV
Bitburg. Ein Ratgeber zur Teilhabe am Arbeitsleben für den Eifelkreis ist erschienen. Darin schildern 22 Menschen mit Beeinträchtigung, wie sie einen Arbeitsplatz gefunden haben. Die Broschüre richtet sich auch an Arbeitgeber. Von Stefanie Glandien
Stefanie Glandien

Trommelwirbel erfüllt den Sitzungssaal der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm. Temperamentvoll bearbeiten die Schüler der St. Martin-Schule aus Bitburg ihre Instrumente und zeigen ihr musikalisches Können.

Fast 100 Gäste sind zur offiziellen Vorstellung des Ratgebers zur Teilhabe am Arbeitsleben für den Eifelkreis Bitburg-Prüm gekommen. Den Ratgeber hat die Kreisverwaltung zusammen mit dem kommunalen Behindertenbeauftragten, Karl-Heinz Thommes, herausgebracht. Der Name klingt zunächst etwas sperrig. Landrat Joachim Streit erklärt, worum es darin geht: „Menschen mit Behinderungen geben uns Einblicke in ihr Leben, beschreiben ihre Erfahrungen am Arbeitsplatz und wollen anderen Mut machen, ebenfalls geeignete Arbeitsstellen zu finden.“ In Interviewform sei so ein regionaler Ratgeber  - und damit einer der ersten in Rheinland-Pfalz - entstanden.

Er sei nicht nur für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige gedacht, sondern auch für Arbeitgeber, die durch die Beispiele ermutigt werden sollen, Nischenarbeitsplätze beziehungsweise neue Arbeitsplätze zu schaffen, um Behinderten Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen.

„Es ist uns ein Herzensanliegen gleichwertige Arbeitsbedingungen für Menschen mit und ohne Behinderung zu schaffen“, sagt Streit. Stolz und glücklich sei er, am Ende seiner Tätigkeit diesen Ratgeber vorstellen zu können, sagt Karl-Heinz Thommes, kommunaler Behindertenbeauftragter des Eifelkreises. „Die offenherzigen, spontanen Aussagen aller Interviewten haben mich tief beeindruckt.“

Als sein behinderter Sohn Stefan 1966 geboren wurde, da sei, was die Behinderten angehe, die Welt noch öde und leer gewesen. Im April 1968 kam es auch dank seines Einsatzes zur Gründung der Lebenshilfe Prüm. „Das war eine Basis.“ Der Kreis habe dann beschlossen, Sonderschulen zu bauen. „Und 1973 haben wir die ersten Behinderten-Werkstätten gegründet. Das haben wir einfach gemacht - ohne große Regularien.“ Dabei hätten ihnen gerade die Ämter immer zur Seite gestanden. Heute bildeten die Werkstätten die größten Arbeitgeber in der Region. Nun appelliert Thommes an die anderen: „Habt den Mut, behinderte Menschen einzustellen. Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der ein behinderter Mensch auch seinen Platz hat. Das Anderssein dieser Menschen wird als Belebung empfunden.“ Der Ratgeber sei eine Möglichkeit für Menschen mit Behinderung, aber auch für Arbeitgeber, wie sie damit umgehen können.

„Die Broschüre ist ein wichtiges, politisches Statement und muss Gehör finden“, sagt Markus Leineweber, Hausoberer des Krankeshauses der Barmherzigen Brüder, Trier. Es sei eine große Verantwortung, zu gucken, wo man Arbeitsplätze für beeinträchtigte Menschen schaffen könne. An der Broschüre gefalle ihm besonders, dass nicht nur Regularien genannt werden, sondern auch Leute zu Wort kämen. Arbeit sei nicht nur Mittel zum Zweck, sie gehöre auch zum Leben dazu.

Insgesamt 22 Menschen mit Behinderung haben sich in der Broschüre über ihr Leben interviewen lassen. Sie erzählen von ihrer Arbeit in Schulen und Küchen, in einem Freizeitpark und auf einem Golfplatz. Das verdient Applaus und einen Trommelwirbel. Beides gab es an diesem Tag. Außerdem gaben Schüler der Werkstufe der Astrid-Lindgren-Schule in Prüm Einblick in ein Projekt, das sie gemeinsam mit Arbeitgebern aus der Eifel angegangen sind.

Die Broschüre gibt es bei der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm. Sie soll demnächst auch online gestellt werden: www.bitburg-pruem.de

Diese Menschen haben mitgewirkt an der Broschüre zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben. Darunter auch Landrat Joachim Streit (untere Reihe, zweiter von rechts) und Karl-Heinz Thommes (ganz rechts), kommunaler Behindertenbeauftragter.
Diese Menschen haben mitgewirkt an der Broschüre zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben. Darunter auch Landrat Joachim Streit (untere Reihe, zweiter von rechts) und Karl-Heinz Thommes (ganz rechts), kommunaler Behindertenbeauftragter. FOTO: Stefanie Glandien / TV