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Stadtentwicklung
Parkbänke statt Parkplätze

So sollen die Plätze „Am Markt“ und „Grüner See“ einmal aussehen. Preisfrage: Was fehlt?
So sollen die Plätze „Am Markt“ und „Grüner See“ einmal aussehen. Preisfrage: Was fehlt? FOTO: TV / Green Box
Bitburg. Die Bitburger Plätze „Am Markt“ und „Grüner See“ sollen umgestaltet werden. Geplant ist so einiges. Dafür werden allerdings Parkplätze weichen müssen. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Wasserfontänen springen aus einem Brunnen. Kinder toben im Nass. Bäume spenden Fußgängern Schatten, die hier mit ihren Hunden spazieren gehen. Unterhalb der Römermauer sitzen Bürger auf Parkbänken, lauschen einem Straßenmusiker. So stellt sich das Kölner Büro „Greenbox“ den „Grünen See“ vor. Auch für den Platz „Am Markt“ haben die Landschaftsarchitekten einen Entwurf geliefert und mit den beiden Konzepten den Planungswettbewerb für die „Flankierenden Plätze“ in Bitburg gewonnen. Die Fläche, die an die Konrad-Adenauer-Anlage anschließt, soll, so steht es in dieser Vorlage, eine „urbane, aber grüne Aufenthaltsqualität“ bieten. Der „Grüne See“ hingegen habe eine „vorrangig repräsentative Funktion“.

Für viele, die in der Bierstadt leben und arbeiten, haben die Plätze derzeit eine andere Bestimmung: Die Örtlichkeiten gegenüber der Stadthalle und nahe der Konrad-Adenauer-Anlage dienen ihnen als Stellflächen für ihre Autos. Das könnte sich in den kommenden beiden Jahren ändern.

So sollen die Plätze "Am Markt" und "Grüner See" einmal aussehen. Preisfrage: Was fehlt?
So sollen die Plätze "Am Markt" und "Grüner See" einmal aussehen. Preisfrage: Was fehlt? FOTO: TV / Green Box

Denn auch auf dem virtuellen „Markt“, den Greenbox designet hat, sind weniger Parkplätze zu sehen. Ein Fahrradfahrer radelt unter dem „Bestandsgehölz“ durch, wie es im Entwurf heißt, ein Mädchen braust auf dem Roller vorbei. Doch von Autos: keine Spur.

„Greenbox hat sich an die Vorgabe des Wettbewerbs gehalten“, sagt Verwaltungsmitarbeiter Ralf Mayeres. Und die lautet: 30 Prozent der Parkplätze dürfen wegfallen. „Es muss nicht sein, dass der Entwurf genau der späteren Umsetzung entspricht. Aber es werden auf jeden Fall weniger Parkplätze werden“, kündigt er an: „Ansonsten hätten wir am Markt und am Grünen See keinen Gestaltungsspielraum.“

Das leuchtet ein,  mit „zurückhaltenden Parkplätzen“ in den Nebenstraßen, wie sie nun geplant sind, bleibt reichlich Platz für anderes. Zum Beispiel für eine Natursteinbank,  die „am Markt“ den Verlauf der mittelalterlichen Stadtmauer nachzeichnet. Besucher sollen auf der Oberfläche des Bauwerks die wichtigsten Ereignisse in der Stadtgeschichte ablesen können. Die Radsportfreunde Bitburg dürfen ihren Pavillon behalten und bekommen eine Ladestation für E-Bikes. Des Weiteren will der Künstler Sebastian Langner auf dem Platz ein Mahnmal für die während des Holocaust in Bitburg ermordeten Juden aufstellen.

Auch am „Grünen See“ soll Geschichte sichtbar werden. Geplant ist eine Beleuchtung der Römermauer und Stelen des Archäologischen Parcours, die sich „wie selbstverständlich einfügen“. Ob das die Bitburger überzeugt, ist fraglich. Denn kaum etwas scheint ihnen wichtiger zu sein als Parkplätze in der Innenstadt.

Nicht mal „Kultur.“ So hat es jedenfalls einer der rund 500 Teilnehmer einer Ideensammlung im vergangenen Jahr ausgedrückt. Hier brachten auch weitere Bürger ihre Sorgen zu Papier: „Finger weg von den Parkplätzen“, schrieben sie, „Parkplätze sind lebensnotwendig“ und „Ohne Parkplätze stirbt die Innenstadt“.

Diesen Bedenken zum Trotz will die Verwaltung die Umsetzung der Entwürfe offenbar zügig umsetzen. 2019 soll es laut Mayeres mit dem Platz „Am Markt“ losgehen, 2020 mit dem „Grünen See“. Kostenpunkt für beide Maßnahmen zusammen: rund zwei Millionen Euro.

Und was sagt die Stadt zu den wegfallenden Parkplätzen? „Wir sind immer bestrebt, Ersatz zu finden“, sagt Mayeres. Nur wo und wann – das sei noch unklar.

Die Entwürfe des Büros „Greenbox“ werden ab heute bis zum 5. Oktober im kleinen Sitzungssaal des Rathauses ausgestellt.