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Was ist das für eine Plattform am Biersdorfer Stausee?

Sieht vielleicht aus wie ein Schiff, ist aber keines. Dieses neue Holzpodest am Stausee Bitburg ist laut Planer eine barrierefreie Aussichtsplattform.
Sieht vielleicht aus wie ein Schiff, ist aber keines. Dieses neue Holzpodest am Stausee Bitburg ist laut Planer eine barrierefreie Aussichtsplattform. FOTO: Uwe Hentschel
BIERSDORF. Im Zuge der Kannenbach-Renaturierung am Stausee Bitburg wurde neben dem Wasserspielplatz ein großes Holzbauwerk errichtet. Es hat die Form eines Schiffs, soll aber keines sein. Von Uwe Hentschel

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als sei das Bauwerk fertig. Es gibt zumindest kein Absperrband mehr, das den Zugang verhindern könnte, und auch keine Gewinde-Stäbe, die irgendwo herausragen. Genauso wenig wie Bohrlöcher oder Ösen. Das gut 20 Meter lange und fünf Meter breite Teil scheint also für die Nutzung freigegeben. Jeder darf es betreten. Josef Junk, Bürgermeister der VG Bitburger Land, hat dies kürzlich getan - und sich dann gewundert.

„So kann es auf keinen Fall bleiben“, sagt Junk. Er sei davon ausgegangen, dass dieses Holzbauwerk, das am Rande des ebenfalls neuen Wasserspielplatzes errichtet wurde, zum Spielen gedacht sei, sagt der VG-Bürgermeister. Und was diese Annahme betrifft, so ist er längst nicht der einzige.

Weit mehr als eine Million Euro sind in den vergangenen beiden Jahren in die Renaturierung des Kannenbachs am Biersdorfer Stauseeufer investiert worden. Zu der Maßnahme, die zu 90 Prozent im Rahmen des rheinland-pfälzischen Programms „Aktion Blau Plus“ gefördert wird, gehören neben der Freilegung des rund 100 Meter langen Bachabschnitts ein Wasserspielplatz, die Umgestaltung des Parkplatzes, eine große Fußgängerbrücke sowie Sitzmöglichkeiten. Und eben dieses Holzbauwerk, über dessen nicht erkennbaren Verwendungszweck sich auch der Biersdorfer Ortsbürgermeister Arnold Kootz wundert. „Das war doch als Spielschiff geplant worden“, ist sich Kootz sicher.

„Davon sind wir alle ausgegangen“, meint auch Heinz Bausch, Chef der Freizeitagentur Afunti. Er betreibt den Kiosk, der unmittelbar neben dem Wasserspielplatz liegt, und kann über das Bauwerk mit dem großen Geländer und dem vielen Platz dazwischen nur staunen. „Ich weiß gar nicht, wie viel Tonnen Stahlbeton dort im Fundament verarbeitet wurden“, sagt er.

„Das Schiff ist kein Schiff, sondern ein Holzpodest“, erklärt dazu Ralf Karst, Chef des zuständigen Bitburger Planungsbüros.

Es diene als Aussichtsplattform für ältere Menschen und vor allem für Rollstuhlfahrer, sagt Karst. „Die Bezeichnung Schiff kommt daher, dass wir zwei runde Löcher in das Geländer gemacht haben“, ergänzt der Planer.

Bei der Renaturierung des Kannenbachs wurde in der Tat viel Wert auf Barrierefreiheit gelegt. So wurde beispielsweise eine Fußgängerbrücke über den freigelegten Bachabschnitt errichtet, damit Rollstuhlfahrer den Bereich problemlos passieren können.

Und diese Brücke ist so breit, dass sogar Platz für eine Rettungsgasse bliebe. Ähnlich großzügig proportioniert ist auch das Holzpodest, dessen Geländer den Rollstuhlfahren womöglich ein wenig die Aussicht erschwert, das dafür aber genügend Platz bietet. Für was auch immer. Als Spielgerät jedenfalls, so Karst, sei das Teil nicht geplant worden. Was aber nicht ausschließen muss, dass darüber nachgedacht und in der Öffentlichkeit auch gesprochen wurde. Wie zum Beispiel bei der ersten Präsentation des geplanten Vorhabens.

„Es gab ganz am Anfang der Planung in der Tat die Idee, dort ein Schiff zu bauen“, sagt Rüdiger Otte, zuständiger Mitarbeiter der für das Gesamtprojekt zuständigen VG-Verwaltung. Das jedoch sei nicht mit den Förderkriterien der Aktion Blau plus vereinbar gewesen, weshalb die Planung entsprechend geändert worden sei. So sei aus dem ursprünglich anvisierten Spielschiff dann im Zuge der konkreteren Planung eine barrierefreie Terrasse geworden.

Genau wie der Verwaltungschef Josef Junk steht aber auch für Otte außer Frage, dass dort noch etwas passieren muss. „Wir werden noch ein paar Sitzgelegenheiten mit Tisch schaffen“, sagt der VG-Mitarbeiter. Oder sonstiges Mobiliar. Einen Mast, wie bereits vorgeschlagen, werde das Schiff aber wahrscheinlich nicht bekommen. Dafür sei die Statik nicht ausgelegt.