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"Zu groß, zu endlos, unfassbar"

Eine Katastrophe, deren Ausmaße kaum mit Worten zu beschreiben sind: Das ist der Eindruck des aus Daun stammenden Fotografen Christoph Bangert, der die Tsunami-Auswirkungen in vielen beeindruckenden Aufnahmen festgehalten hat.
Eine Katastrophe, deren Ausmaße kaum mit Worten zu beschreiben sind: Das ist der Eindruck des aus Daun stammenden Fotografen Christoph Bangert, der die Tsunami-Auswirkungen in vielen beeindruckenden Aufnahmen festgehalten hat. FOTO: Christoph Bangert
DAUN. Im Rahmen der Benefizveranstaltung "Hand in Hand" für die Flutopfer Südostasiens sind Fotos des aus Daun stammenden Fotografen Christoph Bangert im Forum Daun zu sehen. Die kleine Ausstellung kann bis Mittwoch besichtigt werden. ARRAY(0x6d94b5c0)

Der 26 Jahre alte Fotograf Christoph Bangert, in Daun geboren und zur Schule gegangen, ist seit gut zwei Wochen auf der Insel Sumatra - in dem Gebiet, das von der Flutkatastrophe am 26. Dezember am stärksten betroffen ist. Nach jüngsten Schätzungen hat die Flutwelle weit mehr als 200 000 Todesopfer allein dort gefordert. Bangert berichtet: "Ich bin in Banda Aceh, im Norden der Insel Sumatra in Indonesien, und fotografiere die verheerenden Auswirkungen der Flutkatastrophe… Die Reise ist in vielerlei Hinsicht eine Reise der ersten Male." Zum ersten Mal fotografiert er eine Naturkatastrophe, zum ersten Mal ist er in Südasien, zum ersten Mal hat er eine solche unfassbare Zerstörung gesehen. Auch den Anblick und Geruch von hunderten halb verwester Wasserleichen hat er zuvor noch nicht ertragen müssen. "Niemals habe ich aber auch eine solche Solidarität und menschliche Stärke erlebt wie hier. Und ganz am Rande bin ich zum ersten Mal mit einem Hubschrauber geflogen und habe meine ersten Beinahe-Motorradunfälle überlebt", sagt Bangert. Da er sich kein Auto leisten kann, hat er einen 18-jährigen Jungen angeheuert, der ihn mit seinem Moped durch die Gegend chauffiert. Bangert: "Er kann ein klein wenig besser englisch als ich indonesisch, was ihn auch gleich zu meinem Übersetzer macht." Der Fotograf wohnt in einem privaten Haus. Hotels gibt es in Banda Aceh nicht. "Ich habe es mir mit meinem Schlafsack auf dem nackten Fußboden eines möbellosen Wohnzimmers gemütlich gemacht."Zivildienst, Studium, Reisen in alle Welt

Christoph Bangert, Jahrgang 1978, hat 1997 am Geschwister-Scholl-Gymnasium Daun Abitur gemacht. Nach dem Zivildienst bei den Westeifel-Werkstätten in Gerolstein hat er an der Fachhochschule Dortmund Kommunikationsdesign (Studienrichtung Fotodesign) studiert. Heute lebt er in New York, wenn er nicht gerade in der Welt unterwegs ist. Fast um den ganzen Globus haben ihn seine Fahrten geführt: Afrika, Nord-, Mittel- und Südamerika und Europa und Asien. In Banda Aceh ist er als freier Fotograf. "Es fällt mir unglaublich schwer, über meine Erlebnisse zu berichten. Die Katastrophe ist einfach zu groß, zu endlos und unfassbar, als dass man sie wirklich begreifen kann", sagt Bangert. Ein Drittel der Stadt Banda Aceh sei zerstört. Vor etwas mehr als einem Jahr besuchte Bangert Hiroshima in Japan. Obwohl die Stadt inzwischen modern und lebendig geworden ist, verbindet Bangert mit diesem Ort für immer den Atombombenabwurf der Amerikaner. "Und obwohl der Kontext und die Ursache völlig anders sind, erinnern die Bilder, die ich im Museum in Hiroshima gesehen habe, erschreckend an Szenen der Verwüstung, die ich hier in Teilen von Banda Aceh gesehen habe." Der Geruch sei nicht zu beschreiben. "Ich glaube nicht an die Hölle, aber so muss es wohl dort riechen. Qualvoll und betäubend." Auch den Alltag nach der Katastrophe beschreibt Bangert: "Die Menschen haben genug Nahrung und Wasser, aber kein Geld. Sie leben in einer Stadt, in der man nach wie vor alles kaufen kann, da die Infrastruktur in den nicht betroffenen Teilen der Stadt relativ problemlos funktioniert. Aber die Menschen sind mittellos, da sie in den meisten Fällen mit ihrer Existenz auch ihre Arbeit verloren haben." Die angekündigte Hilfe der Vereinten Nationen und anderer Organisationen lässt nach Einschätzung von Bangert noch auf sich warten. "Ich habe das Gefühl, dass man zumindest bei den großen Organisationen noch zuviel damit beschäftigt ist, große Häuser zu mieten, dicke Geländewagen einzufliegen und Büros zu eröffnen, so dass für die eigentliche Hilfsarbeit noch keine Zeit war." Alle Fotos aus Banda Aceh, aber auch von anderen Reisen und weitere Informationen über Christoph Bangert sind im Internet auf der Seite www.christophbangert.com zu finden.