| 06:40 Uhr

Infrastruktur
Kreis sieht keinen Bedarf für eine neue Rettungswache in der Vulkaneifel

FOTO: TV / Frank Göbel
Hillesheim/Daun. In Teilen der VG Hillesheim wird die vorgeschriebene Hilfsfrist von 15 Minuten laut einer Studie nicht immer eingehalten. Das hat Ratsmitglied Leo Mertes auf den Plan treten lassen. Von Vladimir Nowakowski

 Die sogenannte Hilfsfrist von 15 Minuten soll in 95 Prozent aller Rettungsdienstfahrten eingehalten werden. Doch eine Stellungnahme der leitenden Ärzte Manfred Schiffer und Jörg Zimmer von der Leitstelle Trier sagt aus, dass in der Verbandsgemeinde (VG) Hillesheim rund 20 Prozent der Rettungsfahrzeuge später kommen als gesetzlich vorgeschrieben.

„Diese Statistik  aus den Jahren 2015 und 2016 hat Dr. Schiffer im vergangenen Jahr an die Kreisverwaltung Vulkaneifel weitergereicht, doch dort hält man sich bis heute bedeckt“, sagt Leo Mertes, Hillesheimer VG-Rats-Mitglied und als aktiver Rettungsassistent der Jünkerather Rettungswache mit der Situation praxisnah vertraut.

Auf Einladung des VG-Rats hatte Manfred Schiffer, einer der beiden leitenden Ärzte der Leitstelle Trier, die Probleme mit der zeitgerechten Hilfsleistung in der Region Hillesheim erörtert. Und Bernhard Jüngling, der Beauftragte der VG Hillesheim, hat es im Auftrag des Rats  an Landrat Heinz-Peter Thiel herangetragen. „Eine Möglichkeit, das Defizit auszugleichen, wäre es, eine neue Rettungswache an zentraler Stelle, wie zum Beispiel in Walsdorf, zu errichten“, sagt Leo Mertes. „Mit diesem Vorschlag hat der VG-Rat Herrn Jüngling losgeschickt.“

Der Landrat präsentiert eigene Zahlen: „Unser Kreisfeuerwehrinspekteur (KFI) Harald Schmitz hat etliche der Rettungsdienstfahrten mit der Stoppuhr überprüft.“ Danach werde die Hilfsfrist zu mehr als 90 Prozent erfüllt, sagt Thiel. „Und seien wir mal ehrlich: Auch den letzten Aussiedlerhof in dieser Zeit zu erreichen, ist nicht realistisch.“ Sein Fazit: „Unsere Messungen sagen aus, dass die Errichtung einer weiteren Rettungswache in der VG Hillesheim nicht erforderlich ist.“

Auch deshalb, weil Mertes in seiner Berechnung eine wichtige Tatsache unterschlage: „Die Zeit läuft ab der Abfahrt des Rettungswagens, nicht ab der Alarmierung der Rettungswache“, betont Thiel. Mertes hält dagegen: „Das sind keine korrekten Zahlen. Der Landkreis blockiert die Stellungnahme der Rettungsleitstelle, weil er kein Geld für eine zwingend notwendige neue Rettungswache ausgeben will.“

Der Kreis Bitburg-Prüm habe vor einigen Jahren das selbe Problem mit der Einrichtung weiterer Wachen gelöst, weil er nur in 93 Prozent der Rettungsfahrten die vorgeschriebene Zeit erreicht habe, berichtet Mertes. „In den vergangenen zwei Jahren haben bei 841 Einsätzen in der Verbandsgemeinde Hillesheim 160 Rettungsfahrten die Frist nicht eingehalten. Das sind 20 Prozent aller Einsätze. Da muss etwas passieren.“  Es gebe schlicht zu wenige Fahrzeuge im Kreis, die überdies zu oft mit Krankenfahrten belegt seien, meint er ein Problem zu kennen.

Die VG Hillesheim werde von den Rettungsdienststellen Jünkerath und Gerolstein angefahren. Wenn dort kein Fahrzeug zur Verfügung stünde, würden Prüm, Daun oder der benachbarte NRW-Kreis Euskirchen angefragt. Und wie lange die Fahrt von dort aus nach beispielsweise Üxheim dauere, könne man sich ja ausrechnen.

Die Misere werde in den kommenden Jahren noch zunehmen, befürchtet Mertes. „Im Rettungsdienst wird mehr und mehr gespart, für junge Menschen ist der Beruf wegen der geringen Löhne nicht  attraktiv.“ Es sei abzusehen, dass in Zukunft Hilfskräfte fehlten. Und noch eines beschäftigt Mertes: „Schon heute sind unsere jungen Fahrer mit den 3,5 Tonnen schweren und oft überladenen Rettungsfahrzeugen überfordert und fahren zu langsam. Bald gibt es aber nur noch 4,5-Tonner, weil die jetzige Produktionsreihe eingestellt wird. Dann wird die Rettungsfahrt noch länger dauern.“