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Hilferufe aus dem Klohäuschen

In der Hexennacht dreht sich - wie hier in Zerf - auch heute noch alles ums Aufstellen der Maibäume.Foto: Hans Muth
In der Hexennacht dreht sich - wie hier in Zerf - auch heute noch alles ums Aufstellen der Maibäume.Foto: Hans Muth
MORBACH. Auch in der kommenden Hexennacht werden wieder zahllose Jugendliche unterwegs sein und allerlei Schabernack treiben. In der Vergangenheit reichten die Aktionen vom umgeworfenen Klohäuschen bis zu Kirschbäumen, die nur zum Schein abgesägt wurden. Die Polizei rät im übrigen, es bei harmlosen Streichen zu belassen. ARRAY(0x15bd08320)

"Nach altem Brauch und Sitte steht in des Dorfes Mitte, der Baum, von Jung und Alt erstellt damit das Dorf zusammenhält." Nach diesem Motto werden in den Dörfern der Region in der Nacht zum 1. Mai Maibäume aufgestellt. Sie gelten als Symbol des Lebens. Diese Tradition geht bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück. Während Maibäume im Hunsrück schon seit Jahrzehnten aufgestellt werden, kamen Maifeiern erst in den vergangenen Jahren auf. Übrigens: Nach altem Volksglauben muss der Stamm geschält werden, damit sich unter Rinde keine Hexen verstecken, denn die sind in der Walpurgisnacht besonders aktiv.Früher mehr Möglichkeiten zu "hexen"

Das heimliche Absägen eines Maibaumes im Nachbarort hat auch schon zu schlagkräftigen Ausein-andersetzungen geführt. Deshalb werden die Maibäume heute von den Jugendlichen bei Lagerfeuer und alkoholischen Getränken bis zum nächsten Morgen bewacht. Mit den Hexen hängt ein weiterer Brauch zusammen, der mit der Hexennacht untrennbar verbunden ist: die Streiche, die vor allem Jugendliche spielen. Früher gab es in den Bauerndörfern vielmehr Möglichkeiten zu "hexen" als heute. Als Objekte dienten Leiterwagen, Handwagen, Schubkarren, Pflüge, Eggen, Mistgabeln, Besen und Brennholz. Sie wurden verhext, das heißt, beispielsweise an einen anderen Ort geschafft, wo sie nicht hin gehörten. Oder es wurden beispielsweise Ackerwagen mit Reisern und Mist voll geladen, Räder an Ackerwagen vertauscht, Haustüren mit Holz zugesetzt, Klotüren ausgehoben oder Fenster geweißt. Ebenfalls beliebt: Es wurden und werden so genannte "Pädcha", also Pfade von einem Haus zum anderen gestreut. Damit wurden heimliche Liebschaften "geoutet", wie man heute neudeutsch sagen würde. An einen alten Schabernack erinnert sich Gastwirt Josef Gemmel aus Wenigerath: Felix, ein Wederather Original, legte sich vor Jahren in der Hexennacht mit seiner Frau friedlich ins Bett. Seine Frau wurde durch Sägegeräusche wach und schaute, was im Garten passierte. Im Dämmerlicht sah sie zwei dunkle Gestalten, die an ihrem großen Kirschbaum sägten. Das Ehepaar rief die Polizei. Als die Beamten den Schaden aufnehmen wollten, stellten sie verwundert fest, dass der Kirschbaum unversehrt war. Wie sich später herausstellte, hatten die "Hexen" ein Stück Holz an den Baum gehalten und daran gesägt. Von einem Streich um ein Toilettenhäuschen erzählte früher der längst längst verstorbene Peter Wessel, ein Elzerather Original. Ein Bauer, der bei den Jugendlichen nicht beliebt gewesen sein soll, wurde von Jugendlichen mitsamt des Klohäuschen, in dem er saß, umgeworfen. Erst nach geraumer Zeit kam seine Frau aus dem Haus um ihren Mann zu suchen, und befreite ihn aus der misslichen Lage. Die Streiche haben sich geändert. Heutzutage werden eher Kanaldeckel aus ihrer Verankerung gehoben, Hauswände beschmiert oder öffentliche Anlagen geschädigt, alles Dinge, die die Polizei missbilligt. Ein entfernter Gullydeckel kann für Auto-, Motorrad- oder Fahrradfahrer gefährlich, im schlimmsten Fall sogar tödlich sein. Auch wer "nur" Hauswände beschmiert oder öffentliche Anlagen verwüstet, so die Morbacher Polizei, muss mit Konsequenzen rechnen.