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Klöße, Karneval und Kindermangel

Mit Kind, Collie und Kegel: 60 Elzerather Bürger vor dem Dorfbrunnen beim Fototermin mit dem TV .Foto: Friedemann Vetter
Mit Kind, Collie und Kegel: 60 Elzerather Bürger vor dem Dorfbrunnen beim Fototermin mit dem TV .Foto: Friedemann Vetter
ELZERATH. Das Feiern wird in dem 118-Einwohner-Ort Elzerath groß geschrieben. Einen hohen Bekanntheitsgrad genießen die Glanzpunkte im Kalender der Elzerather, die Kirmes und der Karneval. Doch auch Brunnen- und Waldfest haben einen festen Platz im Dorfleben. ARRAY(0x108c6e20)

Mindestens zwei Mal im Jahr werden auch Auswärtige auf die 118-Einwohner-Gemeinde Elzerath aufmerksam: Der eine Glanzpunkt im Jahr ist die Zelt-Kirmes im September, die über die Ortsgrenzen hinaus vor allem für ihre gefüllten Klöße berühmt ist. Bis zu 1000 Klößen wurden früher im Akkord produziert, heute sind es immerhin noch 400 bis 500. "Und das ist immer noch ein Wahnsinn", lobt Ortsvorsteher Andreas Pink die Leistungen der Helfer.Umzug: Guter Termin und Super-Wetter

Das zweite Kreuzchen im Kalender machen Dorfbewohner und Auswärtige in der Karnevalszeit, wenn ein närrischer Lindwurm von Elzerath nach Heinzerath zieht. Das große Interesse am Umzug, der vom Sportverein Heinzerath/Elzerath unter dem Heinzerather Vorsitzenden Richard Stürmer veranstaltet wird, hängt vor allem mit zwei Faktoren zusammen: Der Termin liegt eine Woche vor den anderen Umzügen der Region, und "bisher war immer tolles Wetter" (Pink). Der Elzerather Ortsvorsteher weiß, dass die Veranstalter wegen dieses Umstands in der Region beneidet werden. Denn der Zug ist stets gut besucht. Auch wenn das Vereinsleben in Elzerath durchaus einen hohen Stellenwert genießt, bei 118 Bürgern bedarf es nicht vieler Organisationen, um gesellig zu sein und die Dorfgemeinschaft zu pflegen. Neben dem Sportverein, den man gemeinsam mit Heinzerath betreibt, gibt es unter anderem noch die Freiwillige Feuerwehr und ihren Förderverein. Eine Besonderheit bei den Floriansjüngern: Derzeit sind unter zwölf Aktiven vier Frauen. Dass Brandbekämpfung und Lebensrettung in der Zwischenzeit auch Frauensache ist, ist wie so häufig aus der Not geboren: Es fehlten Wehrleute. Und weniger Brandbekämpfer hätten den Verlust der Selbstständigkeit bedeutet. Also sprangen die Frauen in die Bresche. Gemeinsam mit den Heinzerathern feiern die Elzerather seit bald 30 Jahren das Waldfest. Das letzte Fest im Bunde ist fast noch ein Novum: das Brunnenfest, das Anfang Juni zum vierten Mal stattfindet. Der 118-Einwohner-Ort ist heute ein Ort zum Wohnen, beschaulich und schön gepflegt. Das war früher anders. In den 50er Jahren lag vieles im Argen, die Straßen waren nicht geteert, eine alte Kapelle in der Dorfmitte war schadhaft und musste abgerissen werden. "Eine prekäre Situation", weiß Pink. In der Zwischenzeit hat sich vieles geändert. Bereits 1954 erhielt der Ort eine Dorfkirche, die in den 90er Jahren saniert wurde. Die Kanalisation wurde Ende der 70er Jahre erneuert. Die Innerorts-Straßen wurden Ende der 90er Jahre neu gemacht. Einen neuen Brunnen baute der Elzerather Maurer Herbert Schmitt. Und - last, not least - das völlig sanierte Gemeindehaus, das Anfang Juni nach sechs Jahren Umbau endlich eingeweiht wird. Die meisten Dorfbewohner fahren zum Arbeiten an die Mosel oder nach Morbach. Doch noch immer gibt es zwei Vollerwerbslandwirte - "Das ist für ein Dorf wie uns ganz schön viel" (Pink) -, zwei im Nebenerwerb, eine Gartenverschönerungsfirma und eine Gastwirtschaft. Auch die Kinder legen bereits weite Wege zurück. Die Kleineren besuchen den Kindergarten in Merscheid, später die Grundschule in Merscheid und Haag, die Älteren fahren zur Haupt- und Realschule nach Morbach. "Als ich klein war, gab es hier noch viele Kinder", erinnert sich Pink. Doch die heutige Entwicklung sehe er schon ein wenig düster. Da bestehe Handlungsbedarf. Er persönlich will allerdings keine Abhilfe schaffen, betont er schmunzelnd: "Ich bin eingefleischter Junggeselle."