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Schneider gelingt eine Sensation

So sehen Sieger aus: Wenngleich Matthias Schneider (Zweiter von rechts) betont: „Wir haben ein Gefecht gewonnen, aber noch nicht den Feldzug.“ Gefeiert wurde am Sonntag in der Herborner Gemeindehalle. Foto: Hosser
So sehen Sieger aus: Wenngleich Matthias Schneider (Zweiter von rechts) betont: „Wir haben ein Gefecht gewonnen, aber noch nicht den Feldzug.“ Gefeiert wurde am Sonntag in der Herborner Gemeindehalle. Foto: Hosser
Das kommt einem politischen Erdbeben im Kreis Birkenfeld gleich: Landrat Axel Redmer (SPD) muss sich Matthias Schneider am 13. Juni in der Stichwahl stellen. Noch dazu verwies der Christdemokrat den Amtsinhaber bei der gestrigen Wahl auf den zweiten Platz.

Kreis Birkenfeld. Matthias Schneider, Forstoberrat aus Berglangenbach, gelingt eine Sensation: Er erhielt gestern bei der Landratswahl mit 45,3 Prozent die meisten Stimmen. Jurist Axel Redmer landete mit 42,9 Prozent hinter seinem bis dato relativ unbekannten Herausforderer. 11,9 Prozent der Stimmen konnte Thomas Petry (Bündnis 90/Die Grünen) auf sich ziehen. Schneider, der strahlende Sieger dieses Wahlganges, konnte sein Glück beim Feiern in der Herborner Halle noch gar nicht fassen: "Hier sind alle aus dem Häuschen. Damit hat keiner gerechnet." Die 40-Prozent-Marke knacken - das sei sein persönliches Ziel gewesen. In seiner Heimat-Verbandsgemeinde Baumholder holte er mit 51,9 Prozent sogar die absolute Mehrheit. Bei aller Freude warnte der CDU-Kandidat gestern Abend aber vorsorglich: "Wir haben ein Gefecht gewonnen, aber noch nicht den ganzen Feldzug." Als die Ergebnisse der Stadt Idar-Oberstein vorlagen, habe er gespürt, "dass da was geht". In Ruhe müsse nun überlegt werden, welche Wählergruppen man noch mobilisieren könne: "Es wird sicher ganz knapp." Axel Redmer, der nur in der Stadt Idar-Oberstein und der Verbandsgemeinde Rhaunen vor dem krassen Außenseiter lag, bezeichnete den Ausgang als "Weckruf für die Stichwahl. Unsere Leute haben sich einfach zu sicher gefühlt und sind reihenweise zu Hause geblieben", lautet seine Erklärung. Angesichts der geringen Wahlbeteiligung war es für den Amtsinhaber schließlich "ein Ergebnis, mit dem man rechnen musste". Er sei zu lange im Geschäft, um darüber zu grübeln, betonte der Sozialdemokrat. Im Hinblick auf die Stichwahl gibt er sich kämpferisch: "In 14 Tagen ist alles offen." Er selbst habe im Wahlkampf auch nicht ansatzweise eine Grundstimmung gegen ihn gespürt, fasste der Weierbacher seine Wahrnehmung zusammen. Im Gegenteil: "Mir wurde so viel Sympathie wie bisher noch in keinem anderen Wahlkampf entgegengebracht." Auch bei keinem einzigen Sachthema habe es Gegenwind gegeben. "Er hat das bekommen, was wir angestrebt haben", freut sich Thomas Petry, der für Bündnis 90/Die Grünen zur Wahl angetreten war. Es schien, als sei sein persönliches Ergebnis die schönste Nebensache der Welt; "Hauptsache Stichwahl, und Axel Redmer wird für seine arrogante Art im Wahlkampf bestraft". Petry feierte das überraschende Ergebnis gestern Abend mit Freunden in Gerach. Eine Empfehlung für die Stichwahl wird der 46-Jährige nicht aussprechen: "Die Wähler können sich eigentlich denken, wen wir lieber im Amt des Landrats sähen..." Petry ist sich sicher: "Der Bekanntheitsgrad der Grünen im Kreis ist mit dieser Wahl deutlich gestiegen. Ein zweistelliges Ergebnis ist gut."