1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Abwasser marsch nach Hermeskeil: Reinsfeld nutzt künftig Kläranlage der Stadt

Abwasser marsch nach Hermeskeil: Reinsfeld nutzt künftig Kläranlage der Stadt

Das Abwasser der Ortsgemeinde Reinsfeld wird künftig in Hermeskeil geklärt. Die dafür erforderlichen Umbauarbeiten sind in vollem Gange, was Autofahrern in den vergangenen Wochen Geduld abverlangte.

Reinsfeld. Die Fahrzeugstaus vor der Ampel auf Höhe der Abfahrt nach Reinsfeld sind zwar erst einmal Geschichte. Seit wenigen Tagen wird der Verkehr an gelben Fahrbahnmarkierungen entlang geleitet. Doch die Ursache der Verkehrsbeeinträchtigung, die Bauarbeiten auf dem Reinsfelder Kläranlagengelände, bleibt wohl noch bis weit ins nächste Jahr hinein bestehen. Immerhin ist aber nun der erste Bauabschnitt, der Neubau eines Pumpwerks für 3,5 Millionen Euro, weitgehend abgeschlossen. Derzeit werden bereits von dort neue Leitungen verlegt. Über sie wird das Abwasser künftig nach Hermeskeil gepumpt (siehe Extra). Dafür braucht es das neu errichtete Pumpwerk, das demnächst seinen Betrieb aufnehmen soll.Rücksicht auf Naturschutzgebiet

Denn erst, wenn die alten Klärbecken komplett leer gepumpt sind, kann mit dem zweiten Bauabschnitt begonnen werden: dem Bau eines 60 Meter langen und 25 Meter breiten Schilfbeckens. In ihm wird das Abwasser künftig vorgereinigt, bevor es in den Rohren nach Hermeskeil fließt.
Ende April wurden die Arbeiten für den Bau des neuen Beckens beauftragt, so dass sie bis zum Sommer angelaufen sein dürften.

Die Pläne für den Umbau der Kläranlage in ein Pumpwerk stellte Andreas Schmitt, Leiter der Werke der Verbandsgemeinde Hermeskeil, bereits vor drei Jahren dem Ortsgemeinderat vor. Alles in allem investieren die Werke 5,21 Millionen Euro in die Modernisierung der 1962 gebauten Anlage.
Eine Herausforderung stellte laut Schmitt das angrenzende Naturschutzgebiet dar. Die dort lebenden Biber sind zu schützen. Daher wurden etwa zusätzliche Zäune errichtet und die neuen Abwasserleitungen unter dem Schutzgebiet hindurch bis zur Bundesstraße verlegt. Von dort verlaufen sie entlang der Straße nach Höfchen. Ortsbürgermeister Rainer Spies begrüßt die Investitionen. Zumal vorgesehene Photovoltaikanlagen wie auf dem Dach des Pumpwerks auch einen deutlich kostengünstigeren Betrieb der Anlage erwarten lassen. "Sogar über dem offenen Becken werden wir eine PV-Anlage installieren", sagt Spies. Außerdem werde sich mit der modernen Anlage auch die Güte des in Wadrill und Osterbach gelangenden Abwassers verbessern, ist er überzeugt.Neue Wasserleitung

Parallel zu der etwa zwei Kilometer langen Abwasserleitung wird für etwa 760 000 Euro eine neue Wasserleitung verlegt. Damit soll sichergestellt werden, dass die Gemeinde notfalls von Hermeskeil aus versorgt werden könnte. Die Stadt bezieht ihr Trinkwasser teils aus der Talsperre Nonnweiler. Laut Schmitt verfügt Reinsfeld zwar über mehrere eigene Quellen im Wald. Doch bei einem durchschnittlichen Tagesverbrauch von 300 Kubikmetern könnte der 1000 Kubikmeter fassende Hochbehälter an Grenzen geraten. So etwa bei nicht vorhersehbaren Ereignissen wie einem Brand, bei dem 1000 Kubikmeter schon mal an einem Tag verbraucht werden könnten.Extra

 Andreas Schmitt (rechts), Werkleiter der Verbandsgemeinde Hermeskeil, und Ortsbürgermeister Rainer Spies vor dem im Bau befindlichen neuen Pumpwerk der Kläranlage Reinsfeld. TV-Fotos (2): Christa Weber
Andreas Schmitt (rechts), Werkleiter der Verbandsgemeinde Hermeskeil, und Ortsbürgermeister Rainer Spies vor dem im Bau befindlichen neuen Pumpwerk der Kläranlage Reinsfeld. TV-Fotos (2): Christa Weber Foto: (h_hochw )

Von ersten Überlegungen, in Reinsfeld eine komplett neue Kläranlage zu bauen, wurde aus Wirtschaftlichkeitserwägungen Abstand genommen (der TV berichtete). Die Lage zwischen einem Naturschutzgebiet und einem felsigen Hang hätte ein solches Vorhaben verteuert. Stattdessen wurde entschieden, ein neues Pumpwerk zu bauen, mit dem das Abwasser bis zum Hermeskeiler Stadtteil Höfchen gepumpt wird. Ab dort sind bereits Abwasserleitungen zur Hermeskeiler Kläranlage verlegt. Sie ist auf dem neuesten Stand und verfügt seit Schließung des Bundeswehrstandorts über freie Kapazitäten. Die Reinsfelder Kläranlage wurde laut Werkleiter Andreas Schmitt in der ersten Hälfte der 1960er Jahre gebaut - als erste in der Verbandsgemeinde Hermeskeil. Zur damaligen Zeit war die Technik auf dem neuesten Stand, was aber nach 50 Jahren zwangsläufig anders aussieht. urs